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CDU-Kiesewetter und Katzen im Schützengraben – Warum Tierschutz in der Ukraine mehr ist als ein Nebenschauplatz

Der Krieg in der Ukraine geht mittlerweile ins vierte Jahr. Viele Menschen im Westen haben sich daran gewöhnt – was nicht heißen sollte, dass sie noch hinsehen. Roderich Kiesewetter, CDU-Außenpolitiker, warnt vor genau dieser Abstumpfung. Und er spricht dabei nicht nur über Raketen, sondern auch über Hunde. Und zwar mit unserem Gastautor Tom Pedall, von „Streuner Seelen“.

Denn was leicht vergessen wird: Inmitten der Zerstörung kämpfen nicht nur Soldatinnen und Soldaten, sondern auch ganz normale Menschen – um ihre Häuser, ihre Familien, ihre Würde. Und oft auch um ihre Tiere. Der Tierschutz in der Ukraine sei längst „am Limit“, so Pedall, der im Rahmen seines Formats „Ukraine Tierschutz“ seit 2023 den Ukrainer/innen eine Plattform bietet, um von ihren Tierschutzaktivitäten zu berichten. Darüber lernte er auch Oksana aus Tscherkassy kennen.

Spenden blieben aus, Unterstützung aus dem Westen sei rückläufig. Organisationen wie die in Tscherkassy versorgten nicht nur Tierheime mit Dutzenden Tieren, sondern kümmerten sich zusätzlich um Hunderte streunende Hunde und Katzen – mit letzter Kraft und oft auf eigene Kosten.

Dabei gehe es um mehr als nur Tierschutz, sagt Kiesewetter. Es gehe um ein Stück Menschlichkeit – auch an der Front. Ukrainische Soldaten nähmen streunende Hunde auf, gäben ihnen Namen, schützten sie. Nicht, weil es strategisch nötig wäre, sondern weil es hilft, Mensch zu bleiben. Inmitten des Schreckens wird die Sorge um ein Tier zum Gegenentwurf zur Verrohung.

Die andere Seite sieht anders aus: Es gibt Berichte, dass russische Soldaten Tiere als lebende Zielscheiben missbrauchten oder mit Panzern jagten. Auch das ist Teil des Krieges – einer, der nicht nur militärisch geführt wird, sondern auch psychologisch. In vielen Fällen gehe es gezielt um Einschüchterung, Zerstörung und moralische Verwüstung.

Kiesewetter spricht von einem Angriff auf das Mitgefühl der westlichen Öffentlichkeit. Desinformation, Müdigkeit, Abstumpfung – alles eingeplant. Die Folge: weniger Spenden, weniger Aufmerksamkeit, weniger Bereitschaft, konkret zu helfen. Dabei wäre es vergleichsweise einfach: Logistik für Hilfstransporte, staatlich organisiert. Geringe Kosten, hohe Wirkung. Doch die Infrastruktur fehlt, die Verantwortung wird weitergereicht. Und Organisationen, die seit Jahren helfen, stehen am Rand der Erschöpfung.

Der Krieg sei längst nicht nur eine Frage von Panzern und Patronen, sagt Kiesewetter – sondern von Haltung. Wer sich für den Tierschutz in der Ukraine engagiert, handelt nicht am Rand des Geschehens, sondern im Zentrum der Menschlichkeit. Und wer jetzt wegsieht, verpasst die Chance, wenigstens einen Teil dessen zu bewahren, worum es eigentlich geht.

Dabei sind es oft gerade die kleinen Gesten, die große Wirkung zeigen: Ein Sack Tierfutter, der ankommt. Eine Rückmeldung auf eine Hilfsanfrage. Oder ein Politiker, der öffentlich ausspricht, dass Hilfe für Tiere in Kriegsgebieten eben nicht sentimental, sondern substanziell ist.

(Das gesamte Gespräch zwischen Pedall und Kiesewetter ist hier zu finden.)

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