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Wer Gen Z faul findet, ist unfähig
Überall lese ich immer und immer wieder, wie schlimm es um die Jugend von heute steht. Das habe ich schon im Lateinunterricht gelesen, und daran hat sich nichts geändert. Vielleicht ist das der zeitlose Versuch der älteren Generation, ihren Platz nicht räumen zu müssen, wenn es darum geht, in Konkurrenz zu den Jungen zu treten. Und so ist das aktuelle Gejammer bei der sogenannten Gen Z angekommen, den jungen Arbeitnehmern, die auf den Arbeitsmarkt strömen. Um direkt einmal das Klischee zu bedienen: Die wollen alle nicht arbeiten, die wollen alle nur frei haben, die sind faul. Denen geht Work-Life-Balance über alles. Ignorieren wir erst einmal den Umstand, dass Work-Life-Balance in…
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Hat das eigentlich wer bestellt?
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(Nicht) Alle Männer
Es ist wieder einmal einer dieser Momente, in denen eine Frau einen prominenten Mann beschuldigt, sich auf schlimmste Weise übergriffig verhalten zu haben. Die öffentlichen Reaktionen fallen in solchen Fällen immer gleich aus: Männer kommentieren, dass für den Täter die Unschuldsvermutung gelte und Aussage gegen Aussage stehe. Während sich manche Männer auf die Seite des Täters stellen, indem sie die Aussagen des Opfers anzweifeln, versuchen Andere, den Ruf von Männern zu verteidigen, indem sie betonen, dass nicht alle Männer so seien. Frauen kommentieren in Anlehnung an diese Argumentation: “Not all men, but always a man”. Diese Aussage negiert, dass es – wenn auch in deutlich geringerer Anzahl – auch weibliche…
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Random Jazz 8 – Fred Anderson
In dieser Reihe höre ich Jazz-Alben. Zufällig ausgewählte Jazz-Alben. Und über die spreche ich dann. Dies funktioniert nicht wie der berühmte Blindfold-Test im Downbeat-Magazin, weil ich vorher weiß, was ich höre. Aber ich weiß nicht, was ich als nächstes hören werde. Es wird ein zufälliges Album aus einer Liste von ungefähr 700.000 Möglichkeiten auf Discogs sein. Das hier fällt mir wirklich schwer. Da musste ich mich zu zwingen, auch wenn es Passagen gab, die ich dann doch genossen habe. Fred Anderson sagte mir zunächst nichts, wobei ich den Namen sicherlich schon gehört habe. Er ist nämlich einer der Mitbegründer der AACM. Die Association for the Advancement of Creative Musicians spielte…
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Nachwuchsforscher zeigen, wie Zukunft entsteht – Jugend forscht NRW 2026
Was passiert, wenn junge Menschen echte Forschungsfragen stellen – und ernst genommen werden? Beim Landeswettbewerb „Jugend forscht“ in Nordrhein-Westfalen wurde genau das sichtbar: 76 Teilnehmer präsentierten an der Ruhr-Universität Bochum ihre Projekte – und die Themen reichen von künstlicher Intelligenz bis zur Mechanik von Sanduhren. Unter dem Motto „Maximale Perspektive!“ trafen sich die besten Nachwuchsforscher aus Regionalwettbewerben in Bochum. Insgesamt 47 Projekte wurden vorgestellt, darunter auch Beiträge von deutschen Schulen im Ausland. Die Teilnehmer waren zwischen 15 und 21 Jahre alt – und arbeiteten teils allein, teils im Team. Die Bandbreite der Themen zeigt, wie vielfältig Forschung heute ist: Ein Projekt untersuchte, wie Musik die Konzentration beeinflusst, ein anderes entwickelte…
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Medienmacht im Verborgenen: Studie aus Polen zeigt Probleme
Wer steckt wirklich hinter den Medien, die wir täglich nutzen? Eine Forschungsgruppe aus Polen hat genau das untersucht – und zeigt: Die Antwort ist oft schwerer zu finden, als man denkt. Wissenschaftler der Universität Warszawa haben im Rahmen des internationalen Projekts Euromedia Ownership Monitor analysiert, wem Medien in Europa tatsächlich gehören. Für die polnische Teilstudie untersuchten sie 34 Medienakteure – von großen Konzernen bis hin zu reichweitenstarken Social-Media-Profilen. Das Ergebnis ist überraschend:
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Dead Internet Theory: wie tot ist das alles?
Die Dead Internet Theory („Totes-Internet-Theorie“) sagt: Ein wachsender Teil dessen, was wir online sehen, stammt nicht mehr aus normaler menschlicher Kommunikation. Stattdessen prägen Bots, künstliche Accounts, KI-Inhalte und algorithmisch sortierte Feeds das Netz. In ihrer starken Form behauptet die Theorie, das Internet sei längst weitgehend übernommen und werde gezielt gesteuert. Dafür gibt es keine belastbaren Belege. In der Forschung wird sie deshalb eher als spekulativer Deutungsrahmen behandelt. Interessant ist sie trotzdem, weil sie ein verbreitetes Gefühl aufgreift: Viele Menschen erleben das Netz heute als standardisiert, repetitiv und sozial entkoppelt. Ganz unbegründet ist das nicht.
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Niemand ist depressiv
Depression wird nicht erst seit gestern als Volkskrankheit bezeichnet. Psychische Störungen, heißt es, würden häufiger – nicht nur, aber auch bei Kindern und Jugendlichen. Über die möglichen Gründe dafür wird fleißig spekuliert und je nach ideologischer Geschmacksrichtung die passende Ursache ausfindig gemacht und Lösungen angeboten. Die Konservativen versuchen es mit Verboten und Kontrolle, die Progressiven mit Unterstützung und Aufklärung. Was sich jedoch keiner traut, ist die Frage zu stellen, ob die Annahme, psychische Störungen nähmen zu, überhaupt stimmt. von unser Gastautor Dr. med. Jan Oude-Aust, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie
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Tartaria: das Schlamm-QAnon der Archäologie
Es ist ein Weltreich, das es nie gab. Die These ist schnell erzählt: Noch im 19. Jahrhundert soll es ein globales Imperium gegeben haben – technisch überlegen, architektonisch beeindruckend und heute vollständig aus der Geschichte gelöscht. Übrig geblieben seien nur seine Bauwerke. Die Städte, in denen wir leben, seien in Wahrheit Relikte dieser untergegangenen Zivilisation. Die Erzählung trägt den Namen „Tartaria“ und hat sich in den vergangenen Jahren vor allem im Internet verbreitet. Sie wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich, aber nicht völlig abwegig. Alte Karten zeigen tatsächlich „Tartary“, historische Fotos wirken mitunter irritierend, und manche Gebäude erscheinen überraschend aufwendig für ihre Zeit. Genau hier setzt die Theorie an.
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Random Jazz 7 – Sadao Watanabe
In dieser Reihe höre ich Jazz-Alben. Zufällig ausgewählte Jazz-Alben. Und über die spreche ich dann. Dies funktioniert nicht wie der berühmte Blindfold-Test im Downbeat-Magazin, weil ich vorher weiß, was ich höre. Aber ich weiß nicht, was ich als nächstes hören werde. Es wird ein zufälliges Album aus einer Liste von ungefähr 700.000 Möglichkeiten auf Discogs sein. Heute erhalte ich schon zum zweiten Mal ein japanisches Album. Ich weiß, dass Japan eine große Jazzszene hat, aber ich muss zugegeben, dass ich mich mit ihr bislang kaum beschäftigt habe. Aber genau dafür ist diese Reihe hier ja da, neue Gefilde kennenzulernen. Und tatsächlich beweist das meine Bildungslücke, denn Sadao Watanabe ist, wie…