Meinung
-
KI: Verbietet Anthropic Missbrauch eines Kindes?
Nach Betteridges Gesetz über Frageüberschriften lautet die Antwort meist „Nein“. Anthropic behandelt seine KI Claude nicht wie ein Kind. Trotzdem erweitert das Unternehmen seine Nutzungsregeln um eine ungewöhnliche Bestimmung. Ab dem 12. November 2026 soll anhaltendes und unnötiges missbräuchliches oder grausames Verhalten gegenüber Claude untersagt sein. Gemeint sind extreme, wiederholte Interaktionen ohne erkennbaren Zweck. Scharfe Kritik, Frustration, kontroverse Gespräche, fiktionale Szenarien und Forschung sind nicht pauschal betroffen. Einige Claude-Modelle dürfen besonders missbräuchliche Gespräche bereits seit 2025 beenden, nachdem Versuche gescheitert sind, die Unterhaltung umzulenken. Der Nutzer kann danach einen neuen Chat beginnen. Anthropic behauptet ausdrücklich nicht, Claude sei bewusst oder könne leiden. Das Unternehmen bezeichnet die Frage nach subjektiven Erfahrungen…
-
Trumps Amerika – Moskaus billiger Feigling
Es gab eine Zeit, da war die amerikanische Idee größer als Amerika selbst. Es begann lange vor Demokraten und Republikanern. George Washington sprach 1789 vom „heiligen Feuer der Freiheit“. Amerika sollte nicht einfach nur funktionieren. Es sollte etwas bedeuten – auch für Menschen, die keine Amerikaner waren. John F. Kennedy, Demokrat, versprach 1961, jeden Preis zu zahlen, jede Last zu tragen, jeden Freund zu unterstützen und jedem Gegner entgegenzutreten, damit Freiheit überlebt. Ronald Reagan, Republikaner, formulierte denselben Anspruch anders. Amerika war für ihn die „shining city upon a hill“: eine leuchtende Stadt auf dem Hügel, sichtbar für die Welt, offen für Menschen, die Freiheit suchen. In seiner Abschiedsrede beschrieb er…
-
Peter Thiel, der Sozialist
Peter Thiel hat gerade den Axel Springer Award bekommen und inszeniert sich einmal mehr als großer Libertärer. Auffällig ist, wie viele Milliardäre sich in den letzten Jahren ausgerechnet dann auf die Freiheit des Einzelnen berufen, wenn sie über den Staat reden – und ihre eigenen Geschäftsmodelle prächtig von eben diesem Staat leben. Bei Elon Musk konnte man diesen Widerspruch in maximaler Ausprägung beobachten. Steuern, Zölle, Meinungsdiktatur in seinen Medien. Peter Thiel steht ihm darin nicht nach.
-
Sind die Grünen schuld am SA-Landtagspräsidenten?
Es ist so weit. Erstmals in Deutschland hat ein AfD-Mensch die Funktion des Landtagspräsidenten. So weit, so deutsch. Und in ein paar Wochen wird sich dann die Frage nach dem SA-Ministerpräsidenten stellen. Heute hingegen ist interessant, dass die AfD-Fraktion zusammen mit dem BSW – den beiden sicheren Russland-Fraktionen – auf 44 Stimmen kam, Rausch aber vier Stimmen mehr erhielt. Der AfDler aus dem gesichert rechtsextremen Landesverband erhielt also 48 Stimmen. Im SA-Landtag sitzen außerdem noch die Linken, die Grünen, die SPD und die CDU.
-
Gebt Amthor seinen Strandkorb wieder!
Philipp Amthor hat sich von seinem Strandkorb getrennt. Wieso? Weil eine angeblich menschliche Meute im Internet sich darüber empörte, dass das ja nicht sein könne, dass der Politiker auf dem Balkon seines Büros einen solchen Strandkorb habe. Angeblich menschlich deswegen, weil es eine Empörung ist, die vor allem durch das Internet grassierte. Bots machen einen erheblichen Teil der Kommunikation in sozialen Netzwerken aus, und betrachtet man den gesamten Web-Traffic, so machen sie sogar über 50 Prozent aus. Es zeigt sich hier ein generelles Problem, nämlich dass sowohl Journalisten als auch Politiker nach wie vor Empörung im Netz mit echter Empörung verwechseln. Vielleicht auch deswegen, da sie vermeintlich sichtbarer ist und…
-
KI: Wie viel Alien?
Langsam kommt die Nachricht auch in Deutschland an, spät zwar, aber immerhin. Ob es zu spät ist oder nicht, wird ohnehin nicht in Deutschland entschieden. Bis die KI-Debatte hierzulande wirklich läuft, sind die grundlegenden Entscheidungen wahrscheinlich eh schon gegessen. Aber vielleicht auch nicht. Es bleibt eine Restwahrscheinlichkeit, dass selbst in Deutschland sich Menschen wirklich für künstliche Intelligenz und ihre Potenziale wirklich interessieren und sich nicht nur fragen, was das jetzt eigentlich mit unserer Arbeitswelt machen wird. Die nachfolgenden Überlegungen sind mir tatsächlich im Laufe der letzten Monate selbst gekommen. Im Nachgang habe ich gemerkt, dass ich in der Gesellschaft mit durchaus namhaften Menschen im KI-Forschungsbereich bin, die diese Gedanken auch…
-
Alle Reformen sind sinnlos. Jetzt, am Vorabend des KI-Zeitalters
Wenn man davon ausginge, dass alles ungefähr so weitergeht wie bisher, hätte Bundeskanzler Merz vermutlich recht, mit seinem Ruf nach Reformen. Ob die dann so oder anders aussehen sollten, ist politisches Tagesgeschäft. Aber die demographische und medizinische Entwicklung führen dazu, dass es immer mehr alte Menschen gibt, die einerseits Rente beziehen und andererseits immer länger immer bessere (=teurere) medizinische Leistungen in Anspruch nehmen. Die Wirtschaft kriselt, aber in einer herkömmlichen Welt würden neue Geschäftsfelder eröffnet, die auch wieder mit staatlichen Maßnahmen gefördert werden können. In einer Welt wie Merz sie kennt, könnte und müsste man mit Reformen einiges umwälzen, um dann im Großen und Ganzen ungefähr so weiterzumachen. Aber durch…
-
Herne: Wie sehr wollen deutsche Verkäufer arbeitslos werden?
Ich war heute in der Herner City unterwegs, wieder einmal. Und ich habe das erlebt, was ich nun seit Wochen und Monaten in vielen Innenstädten erlebe: In vielen Geschäften geht es augenscheinlich nicht schlecht genug, als dass sie anfangen würden, den Kunden als etwas anderes zu sehen als störend. Ist das in allen Läden so? Frage ich euch. Und sage: Nein, eindeutig nicht. In dem Moment, wo der Verkäufer oder Inhaber einen türkischen oder arabischen Akzent hat, gegebenenfalls auch einen osteuropäischen, ist die Stimmung im Laden direkt ganz anders. Man kann daraus nur schließen: Mehr Deutsche wollen von Sozialtransferleistungen auf Kosten von Ausländern leben. Ich könnte viele Geschichten dazu erzählen…
-
Klingt irre, aber sollte man sich Söder als Kanzler wünschen?
Wenn man der Berliner Gerüchteküche traut, sind Merz‘ Tage als Kanzler gezählt. Spätestens am Sonntag nach den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sollte feststehen, ob die CDU noch stabil genug ist, um einen schwankenden Mann wie Merz zu tragen (hier bitte Majestix auf Schild als Bild vorstellen). Als Nachfolger werden, neben – Gott bewahre! – Dobrindt, die Ministerpräsidenten Wüst, Rhein und Söder gehandelt. Und natürlich ist für besonnene Menschen Wüst der vielversprechendste von denen. Aber irgendwas muss man auch mit den nicht-besonnenen Menschen machen.
-
Was aber, wenn die AfD liefert?
Verschiedentlich kann man nach der Wahl vom Wochenende nun hören, dass das Ganze doch vielleicht zwar nicht gut sei, aber gewissermaßen auch ein Testfall und die Möglichkeit einer Entzauberung der AfD. In dieses Horn stößt beispielsweise der Tübinger Obertübinger, aber auch an anderen Stellen kann man das hören. Nun würde die AfD nicht das leisten, was sie versprochen habe. Der Wähler würde das wahrnehmen, und dann wäre es das auch wieder. Einmal abgesehen davon, dass das menschliche Erinnerungsvermögen, zumal in Deutschland, relativ übersichtlich ist, was eine solche Strategie angeht: Blenden wir nun einmal zudem aus, dass die AfD nun zu einem Narrativ finden könnte, in dem sie zwar die Wahl…




























