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Medien benennen Minderheiten häufiger
In Medienberichten wird die Zugehörigkeit von Personen zu Minderheiten auffallend oft erwähnt, etwa ihre Herkunft oder nationale Zugehörigkeit. Bei Mehrheitsangehörigen geschieht das deutlich seltener. Dieser Unterschied wird häufig als Ausdruck von Vorurteilen gedeutet. Eine neue Studie aus der Sozialpsychologie der Ruhr-Universität Bochum kommt jedoch zu einem anderen Ergebnis. Ein Forschungsteam um die Psychologin Anna Schulte untersuchte in mehreren Studien mit insgesamt über 900 Teilnehmenden, warum bestimmte Merkmale in Berichten häufiger auftauchen als andere. Der zentrale Befund: Menschen neigen grundsätzlich dazu, seltene oder auffällige Informationen eher wahrzunehmen und weiterzugeben als häufige, „normale“ Merkmale. Dieses kognitive Prinzip der Differenzierung wirkt unabhängig von bewussten Einstellungen gegenüber Minderheiten.