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Blood and Sinners: Blaxploitation meets Tarantino

Das Entscheidende vorweg. Blood & Sinners kann man gucken. Es ist eine stabile fünf (bis sechs – mit Wohlwollen) auf einer Zehnerskala. Ein relativ durchschnittlicher Vampir-Horrorfilm. Und jeder, der erzählen will, dass es anders ist, hat mehr über den Film gelesen, als ihn zu sehen.

Man muss sagen, Blood & Sinners (Originaltitel: Sinners) wäre ein unfassbar innovativer Horrorfilm. Menschen, die in einer Kneipe sind, in der getanzt und gefeiert wird und wo das Genre des Films bis zu diesem Zeitpunkt ein Drama ist, kippt auf einmal und alles ist voller Vampire, mit ein wenig Humor, klassischen Tötungsmethoden und moralischen Dilemmata.

Und auch die Art und Weise und auch die Idee, Rassismus rau und unverblümt, aber mit Humor, zumindest unter den Schwarzen, zu erzählen, wäre unfassbar innovativ und es wert, den Film einen Film mit Oscars zu überschütten.

Beides wäre eben so, wenn, ja, wenn es nicht From Dusk Till Dawn und Django Unchained gegeben hätte.

Ryan Coogler, der Regisseur des Films, versucht nun, insbesondere From Dusk Till Dawn einen Dreh zu geben, der zum einen schwarz und zum anderen antirassistisch ist. Es ist ihm genauso gut gelungen, wie seine beiden Black-Panther-Filme ein klares und glaubhaftes Statement gegen Antirassismus sein zu lassen. Insofern ist Coogler sich da treu geblieben. Absolut treu. Und auch der Humor, den Coogler einbindet, spielt auf dem Level der beiden Panther-Filme.

Das Hauptproblem an Blood & Sinners ist dann jedoch genau in dieser Linie, dass der Film sich nicht primär an Zuschauer zu richten scheint, die eher jugendlich sind und bisher weder mit Vampir noch mit Horror, geschweige denn Filmen zum Thema Rassismus groß in Kontakt gekommen sind. Für ein jugendliches Publikum wäre Blood & Sinners ein wunderbares Ding. Aber das hat sich Coogler selbst kaputt gemacht, durch Szenen voller Brutalität, Blut und Sexualität.

Es ist auch nicht schlimm, dass Coogler bis hin zur Bildsprache bei From Dusk Till Dawn und Django geklaut hat. Das kann man machen, und man könnte es sogar liebevoll als Hommage bezeichnen. Meinetwegen. Schön gelungen sind ihm dann auch die vorgeblich tiefgründigen Anspielungen wie die „Taufe“ durch den Vampir oder das uralte Motiv, dass das Böse nur hereinkommen kann, wenn man es hereinbittet.

Für ein naives/ amerikanisches Standardpublikum werden auch die angeblich tief ergründigen Aussagen wie die Übernahme der Musik und des Gedächtnisses in das Erbe des weißen Obervampirs ebenso subtil wirken wie der Umstand von Südstaaten-Banjo und irischer Musik auf Seiten des bösen weißen Obervampirs. Auf ein nicht völlig verblödetes Publikum wirkt das dann wiederum entweder mit dem Holzhammer geführt oder sich selbst satirisch über Antirassismusfilme der letzten zehn bis 15 Jahre lustig machend.

Und damit kommen wir zu meinem Hauptpunkt. Ich hoffe auf Coogler. Ich hoffe, dass der Film sich selbst letztlich als Satire auf Antirassismusfilme versteht, als Satire auf die Horror-Reboot-Welle, auf schlechte Reboots, wie sie Eggers uns im letzten Jahr mit Nosferatu präsentiert hat. Ich hoffe, dass Coogler sich vornahm, die beiden Vorlagen des weißen Tarantino zu übernehmen und so schlecht zu verwässern und zu re-inszenieren, wie dies die Weißen mit der Gedankenwelt und den Traditionen des Schwarzen, die sie als Sklaven nach Amerika verschleppt hatten, getan haben.

Und ich hoffe, dass genau das die Oscar-Jury vor Augen hatte, als sie den Film für 16 Oscars nominiert hat.  Gleichwohl ist das, was ich in den Medien dazu lese, so, als gäbe es diese Meterebene bei Coogler aber doch nicht.

Dann allerdings wäre der Film höchstens noch als Fortführung der Blaxploitation-Filme aus den 1970ern zu verstehen. Und ja, er ist visuell deutlich beeindruckender als Blackula und ähnliche Filme. Nur eigentlich sind wir im Kino jetzt über ein halbes Jahrhundert weiter.

Insofern: Ja, man kann sich den Film gut anschauen, auch wenn er mit über zwei Stunden viel zu lang ist und über große Intervalle einfach vor sich hin plätschert. Wenn man aber einen wirklich guten Horrorfilm aus dem Jahr 2025 schauen möchte, dann sollte die Wahl definitiv auf „Weapons – Die Stunde des Verschwindens“ falle. De-fi-ni-tiv.

Nachsatz: Den Soundtrack kann man sich gut anhören. Aber auch da hat Tarantino einfach ganz andere Standards gesetzt.

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