
Hubertus Koch im Rabbit Hole
Die kürzlich erfolgte Veröffentlichung neuer Auszüge aus den Epstein-Files hat international hohe Wellen geschlagen. Mehr als 3 Millionen Seiten umfassen die Dokumente, die Ende Januar durch das US-Justizministerium veröffentlicht wurden.
Dabei sind einerseits einige Stellen geschwärzt, weshalb Kritiker fürchten, dass dadurch Täter geschützt werden. Andererseits wurden private Informationen von Opfern veröffentlicht, was ebenfalls zu Kritik geführt hat.
In der weltweiten öffentlichen Debatte über die Epstein-Files geht es oft vor allem darum, welche Politiker und Unternehmer darin auftauchen. In Großbritannien wird vor allem über die Rolle von Prinz Andrew diskutiert, in Norwegen wird gegen den ehemaligen Ministerpräsidenten Thorbjörn Jagland ermittelt. In deutschen Medien wurde berichtet, dass Lars Windhorst, der frühere Investor von Hertha BSC, Epstein unbedingt treffen wollte.
Darüber hinaus hat der Epstein-Skandal Verschwörungstheorien befeuert. Wieder mal fühlen sich Schwurbler bestätigt, dass sie „mit allem Recht gehabt” hätten. Doch auch Menschen, von denen man es eigentlich nicht erwarten würde, verbreiten nun klassische Verschwörungsmythen, als ob es sich dabei um Fakten handeln würde. So zum Beispiel der Journalist Hubertus Koch, der u.a. mit dem öffentlich-rechtlichen Format “Einigkeit & Rap & Freiheit” Bekanntheit erlangte.
Koch hat nach hiesiger Meinung am 4. Februar in einem Instagram-Post den Eindruck erweckt, dass durch die Epstein-Files satanische Praktiken und sogar Fälle von Kannibalismus nachgewiesen worden seien. Nach 60 Minuten „Rabbithole Epstein“ fühle er nur noch Fassungslosigkeit und Überforderung.

Zudem wies Koch darauf hin, dass Epstein einmal einen Pullover der “Israel Defense Forces” (IDF) getragen habe und ihm Verbindungen zum israelischen Geheimdienst “Mossad” nachgesagt würden. Der Filmemacher spekulierte auch, dass hinter dem Epstein-Skandal eine sogenannte “Honigfalle” des Mossad stecke, mit der Mächtige kompromittiert und kontrollierbar gemacht werden sollten. In der Kommentarspalte des Posts wurde Koch kritisiert, antisemitische Narrative reproduziert zu haben. Hinterher editierte er die Caption und schrieb dort, es könne auch der russische Geheimdienst dahinterstecken.
Die Theorie von der Honigfalle wurde auch von der britischen “Daily Mail” verbreitet, auf die sich wiederum die Hamburger Morgenpost in einem Instagram-Post bezog. Im Gegensatz zu Koch wies die “MOPO” allerdings darauf hin, dass in den veröffentlichten Dokumenten keine gerichtsfesten Beweise zu finden waren.
Man muss in der ganzen Debatte beachten: Nur, weil jemand in den “Epstein-Files” namentlich erwähnt wird, heißt das nicht, dass die Person sich irgendetwas zuschulden kommen lassen hat. Dass Epstein Verbindungen zum “Mossad” gehabt haben soll, ist übrigens nicht mehr als ein Gerücht. Dieses basiert hauptsächlich auf Epsteins Verhältnis zum ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak.
Zudem wirft Kochs Post die Frage auf, inwiefern das Tragen eines IDF-Pullovers für dieses Thema irgendeine Relevanz besitzt. Diese und weitere Fragen haben wir auch Hubertus Koch gestellt. Unsere Presseanfrage ließ der Journalist, der ARD und “funk” zu seinen Auftraggebern zählt, jedoch unbeantwortet.
von Yannik Stracke


