
So bebildert das Bär-Ministerium selbst die 6G-Roadmap (© Illustration: BMFTR/familie redlich)
Dorothee Bär und das Versprechen von 6G
6G soll alles besser machen: schneller, sicherer, souveräner. So zumindest erzählt es die Politik. Doch während Ministerin Dorothee Bär den nächsten Mobilfunkstandard als Zukunftsmotor feiert, klingt die Wissenschaft deutlich vorsichtiger. Ein Blick auf das, was Forscher wirklich sagen.
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär hat die 6G-Forschungsroadmap 2025–2030 vorgestellt. Sie beschreibt sie als strategischen Fahrplan für den nächsten Mobilfunkstandard. 6G soll Deutschland technologisch unabhängiger machen, neue Innovationen ermöglichen und vor allem sicher und widerstandsfähig sein. Forschung, Wirtschaft und Politik sollen dafür eng zusammenarbeiten.
Das klingt nach Weitblick und Verantwortung. Schließlich will niemand, dass Deutschland bei der nächsten großen Technologiewelle nur zuschaut. Wer so spricht, vermittelt den Eindruck, man habe das Feld gut im Blick und wisse, wohin die Reise geht. Doch genau hier beginnt die Irritation.
Denn 6G ist bislang weder technisch festgelegt noch in seiner späteren Form absehbar. In der Wissenschaft gilt der Begriff eher als Sammelbezeichnung für sehr unterschiedliche Forschungsansätze. Vieles davon befindet sich noch im Grundlagenstadium. Von einem klaren Ziel oder einem verlässlichen Zeitplan kann keine Rede sein.
Forschende weisen seit Jahren darauf hin, dass 6G nicht einfach eine schnellere Version von 5G wird. Geplant sind hochkomplexe Netze mit vielen dezentralen Komponenten, stark automatisierten Entscheidungen und einem massiven Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Gerade diese Eigenschaften machen die Technologie schwer kontrollierbar.
Aktuelle wissenschaftliche Übersichtsarbeiten zeigen, dass solche Netze neue Sicherheitsprobleme schaffen. Je autonomer ein Netz arbeitet, desto größer wird die Angriffsfläche. Fragen nach Datenschutz, Verlässlichkeit und Schutz kritischer Infrastruktur sind dabei nicht gelöst, sondern erst eröffnet worden. Sicherheit ist hier kein Zusatz, sondern ein ungelöstes Grundproblem.
Auch andere Forschende warnen davor, 6G vorschnell als sicheren und stabilen Zukunftsstandard darzustellen. Die Verbindung aus KI, Edge-Computing und neuen Kommunikationsformen bringe Risiken mit sich, die bislang kaum verstanden seien. Viele der versprochenen Eigenschaften setzen Lösungen voraus, die es derzeit noch nicht gibt.
Vor diesem Hintergrund wirkt die politische Sprache auffällig glatt. Wenn von Sicherheit, Resilienz und Führungsanspruch die Rede ist, bleibt offen, wie unsicher der Weg dorthin tatsächlich ist. Die offenen Fragen, die die Wissenschaft beschäftigen, tauchen eher am Rand auf oder gar nicht.
Impulse zu setzen ist wichtig. Aber wer den Eindruck erweckt, man könne die Zukunft bereits strategisch festzurren, während die Forschung noch nach Grundlagen sucht, verschiebt die Perspektive. Politische Zuversicht ersetzt keine wissenschaftliche Klärung. Und technologische Souveränität entsteht nicht durch Ankündigungen, sondern durch das ernsthafte Aushalten von Unsicherheit.


