
Bewegungsfreiheit? Nicht für Fußballfans!
Am vergangenen Wochenende ist es wieder zwei Mal passiert: Fußballfans, die auf dem Weg zu einem Auswärtsspiel waren, wurden von der Polizei zurück in ihre jeweilige Heimatstadt geschickt.
Diesmal traf es einerseits etwa 700 Fans des 1. FC Köln, die auf dem Weg nach Stuttgart waren, und andererseits eine kleinere Gruppe von etwa 150 Fans des SC Paderborn, die ihren Verein nach Bochum begleiten wollten.
Die Begründung der Polizei war im Fall der FC-Fans, dass ein Aufeinandertreffen mit der Fanszene von Borussia Mönchengladbach verhindert werden sollte. Der Derbygegner vom Niederrhein musste am selben Tag nämlich in Frankfurt antreten, wodurch die beiden Fanlager jeweils über die A3 fahren mussten.
Solche Situationen sollen eigentlich schon durch die Ansetzung der Spiele verhindert werden. Inwiefern es gerechtfertigt ist, 700 Menschen präventiv daran zu hindern, von einer Stadt in eine andere zu reisen, ist hier durchaus zu hinterfragen. Dieses Vorgehen kennt man so in Deutschland nur bei Fußballfans.
Noch absurder ist jedoch die Begründung, mit der die Bochumer Polizei die Paderborner Fanszene an der Reise zum Auswärtsspiel beim VfL Bochum hinderte. Das einzige Verbrechen der Paderborner, die ohnehin nicht gerade für eine gewaltbereite Fanszene bekannt sind, war nämlich, ihren Anreiseweg selbst gewählt zu haben. Offenbar hatten die Fans des ostwestfälischen Zweitligisten keine Lust, sich diesen von der Polizei vorgeben zu lassen, sondern wollten mit der S-Bahn zum Ruhrstadion fahren. Jedoch wäre auf diesem Weg ein Zusammentreffen der Bochumer Fanszene möglich gewesen, weshalb die Polizei die Fans zurück nach Paderborn schickte.
Beide betroffenen Fanszenen machten das Beste daraus und unterstützten spontan ihre jeweilige 2. Mannschaft. Die Kölner Fanszene hatte in den letzten Monaten durch die Unterstützung der U19 bei den Spielen der UEFA Youth League für viel Aufsehen gesorgt.
Man muss sich das mal vorstellen: Diese “Jecken” (kölsches Wort, das sinngemäß „positiv Bekloppte“ beschreibt) fahren unter der Woche nach Luxemburg und ins dänische Midtjylland, um die U19 ihres Vereins anzufeuern. Auch die U21, die in der Regionalliga spielt, unterstützen sie, wann immer es der Spielplan zulässt. Zu Spielen der 1. Mannschaft fahren sie ohnehin immer, wenn ihnen die Polizei dabei nicht mal wieder einen Strich durch die Rechnung macht.
So geschah es zum Beispiel auch beim rheinischen Nachbarschaftsduell gegen Bayer Leverkusen, als einzelne Fans von Nacktkontrollen betroffen gewesen sein sollen. Die Kölner Szene trat daraufhin geschlossen die Heimreise an. Sogar die verfeindete Leverkusener Szene solidarisierte sich und verließ das Stadion. Die Stimmung in der “BayArena” war anschließend zu keinem Zeitpunkt eines solchen Spiels würdig.
Der Konflikt zwischen der Polizei und den Ultras eskaliert in den letzten Jahren zunehmend. Das sieht man auch an den Ausschreitungen in Magdeburg, als Anhänger des 1. FC Magdeburg Polizeibeamte mit diversen Gegenständen bewarfen (darunter laut Schilderungen einer im Netz kursierenden Sprachnachricht eines Polizisten auch Gullydeckel).
Das ist natürlich auch ein Teil der Wahrheit: Die Polizei ist für Ultras und auch andere Fangruppen längst ein Feindbild geworden und es gibt in den Fanszenen durchaus Personen, die dieses Feindbild nicht nur durch Spruchbänder und Gesänge, sondern auch durch Angriffe auf die Polizei pflegen.
Die Vorfälle in Magdeburg sind allerdings nicht nur in ihrer Intensität, sondern auch in der Entstehung eine Ausnahme. Normalerweise entstehen Auseinandersetzungen zwischen Fans und der Polizei, wenn die Polizei gegen Teile der Fans vorgeht und sich andere Fans mit den Betroffenen solidarisieren.
Dabei lässt die Polizei in den Augen von Fans häufig jegliches Fingerspitzengefühl vermissen und trägt selbst zur Eskalation bei, zum Beispiel, wenn in Menschenmengen Pfefferspray eingesetzt wird, das zwangsläufig auch Unbeteiligte trifft. Ein solches Vorgehen verfehlt dann auch letztlich das eigentliche Ziel der Polizei, die öffentliche Sicherheit bei Fußballspielen zu gewährleisten.
Der Autor fährt selbst seit 14 Jahren zum Fußball und hat in dieser Zeit auch einige Auswärtsfahrten erlebt. Dabei kam es fast nie zu Auseinandersetzungen mit gegnerischen Fans, aber einige Male zu Konflikten zwischen Fans und der Polizei.
Das mag nur anekdotische Evidenz sein, doch es ist eine Erfahrung, die viele Fußballfans teilen. Daher ist es kaum verwunderlich, dass die Polizei in vielen Kurven ein Feindbild ist. Je mehr Fans von polizeilichen Maßnahmen betroffen sind, ohne selbst Straftaten begangen zu haben, desto mehr verfestigt sich dieses Feindbild.


