
Halluzinationen sind kein Defekt, sondern ein Modus
Psychedelika machen das Gehirn nicht einfach „verrückt“ – sie schalten es um. Ein internationales Team unter Beteiligung der Ruhr-Universität Bochum (RUB) zeigt nun erstmals hochauflösend im Tiermodell, wie dieser Wechsel aussieht. Nach Gabe einer psychedelisch wirkenden Substanz verstärken sich langsame, rhythmische Aktivitätswellen im visuellen Kortex. Genau dieser neue Takt koppelt das Sehsystem enger an ein Hirnareal, das Gedächtnis und Assoziationen integriert.
Der Effekt: Wahrnehmung wird weniger von aktuellen Sinnesreizen gespeist, sondern stärker aus inneren Inhalten konstruiert. Halluzinationen erscheinen damit nicht als bloßes „Rauschen“ oder Defekt, sondern als systematischer Netzwerkmodus – fast wie partielles Träumen bei offenen Augen. Das Gehirn greift stärker auf gespeicherte Bilder, Bedeutungen und Erinnerungsfragmente zu.
Für die Psychotherapie ist das relevant. Wenn sich Wahrnehmung kurzfristig stärker mit Gedächtnisinhalten verschaltet, könnten sich auch festgefahrene, negativ gefärbte Denkmuster leichter verändern lassen. Die Arbeit der RUB und ihrer Partner liefert damit einen konkreten biologischen Mechanismus für die Wirkung psychedelischer Zustände.


