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Incels: Scheitern mit Hass

Jasmina Eifert hält einen Vortrag über Incels im Rahmen der „Skeptics in the Pub“-Veranstaltungsreihe in Köln. Quelle: YouTube Screenshot

Im “Herbrand’s” in Ehrenfeld hielt die Psychologin Jasmina Eifert einen Vortrag mit dem Titel “Zwischen Opferrolle und Gewaltfantasie: Die Incel-Bewegung”.

Der Vortrag wurde von “Skeptics in the Pub Köln” veranstaltet. Dabei handelt es sich um eine Veranstaltungsreihe von Kölner Skeptiker*innen, die auf einer Idee aus Großbritannien basiert: Wissenschaftliche Vorträge finden hier nicht in einer typisch akademischen Atmosphäre, sondern in einer Kneipe statt.

Die Inhalte des Vortrags sollen hier kurz zusammengefasst werden.

Die Veranstaltung wurde übrigens auch auf YouTube gestreamt und kann dadurch nach wie vor in voller Länge angeschaut werden.

Zunächst erklärte Eifert den Begriff “Incel”, der sich aus den Wörtern “involuntary celibate” zusammensetzt. Dabei handelt es sich also um Männer, die unfreiwillig sexuell enthaltsam leben. Sex, Dating und Beziehungen stellen für viele dieser Männer jedoch ihre primären Lebensinhalte dar. Incels suchen die Ursache für ihren Misserfolg in diesen Bereichen jedoch nicht bei sich selbst, sondern bei Frauen und dem Feminismus.

Misogynie, also der Hass auf Frauen, ist ein zentraler Bestandteil der “Incel”-Ideologie. Frauen werden hier als reine Sexobjekte betrachtet, die Männern Sex schulden. Eine in der Incel-Bewegung weit verbreitete Idee ist zum Beispiel, dass der Staat allen Männern eine Ehefrau zuteilen soll. Dies bezeichnen sie als “sexuellen Marxismus”.

Viele Incels sind von psychischen Störungen wie Depressionen, Angststörungen oder Narzissmus betroffen. Auch kognitive Verzerrungen wie übermäßiges Misstrauen, paranoide Denkmuster und Schwarz-Weiß-Denken lassen sich bei Incels oft beobachten. Psychotherapie lehnen sie jedoch meist ab, diese halten sie für einen “Scam”.

Eine Änderung der eigenen Begehrtheit halten sie nicht für möglich, da sie überzeugt sind, dass Frauen bei der Partnerwahl ausschließlich auf körperliche Attraktivität und Genetik Wert legen.

Eifert war wichtig, zu betonen, dass Incels keine gesellschaftlich unbedeutende Randgruppe sind. Dies belegte sie mit diversen Statistiken:

  • 71 Prozent der jungen Männer glauben, persönliche Probleme selbst lösen zu müssen, ohne um Hilfe zu bitten.
  • 51 Prozent der jungen Männer sind der Überzeugung, sie seien schwach und angreifbar, wenn sie Gefühle zeigen.
  • Im Jahr 2023 gab es in Deutschland 180.715 weibliche Opfer häuslicher Gewalt.
  • Jede dritte Frau ist mindestens einmal in ihrem Leben von sexualisierter Gewalt betroffen.

Anschließend wurden die Kommunikationskanäle der Incel-Bewegung vorgestellt. Dabei handelt es sich um Blogs und Foren wie Incels.is. In diesen Foren gelten strenge Regeln: Frauen und Anhänger*innen der LGBTQ-Bewegung sind nicht erlaubt, auch darf man nicht positiv über Frauen oder Beziehungen sprechen. So schaffen sich die Incels eine Echokammer. Oft werten sie sich selbst und andere Incels ab, selbst Aufrufe zum Suizid sind keine Seltenheit.

Auch reddit war eine beliebte Plattform für Incels, bis das Subreddit r/incel gesperrt wurde. Weitere Kommunikationskanäle sind Telegram, Instagram und das Darknet.

Die Gewaltbereitschaft dieser Szene ist nicht zu unterschätzen. Im Jahr 2010 kam es erstmals zu einem Anschlag durch einen Incel. Solche Taten würden medial oft fälschlicherweise als “Lone-Wolf-Delikte” eingeordnet, so Eifert. Dabei handele es sich um terroristische Anschläge auf Grundlage einer extremistischen Ideologie.

Als motivationale Faktoren, sich der Incel-Bewegung anzuschließen, nannte die Psychologin das kollektive Überlegenheitsgefühl, das sie einsamen Männern bietet, sowie das Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit und klaren Antworten (“need for closure”).

Bei der Bekämpfung dieser Ideologie können laut Eifert die Förderung von Prävention und Intervention, eine möglichst frühe politische Bildung, die Stärkung des Selbstwerts junger Männer sowie die Förderung des kritischen Denkens und der Medienkompetenz helfen. Warnsignale wie ein auffälliger sozialer Rückzug oder die plötzliche Abwertung von Frauen oder Mädchen sollten ernstgenommen werden.

Zum Abschluss möchte ich noch zwei der Beratungsstellen verlinken, die in dem Vortrag empfohlen wurden. Falls man jemanden kennt, der Gefahr läuft, sich zu radikalisieren, kann man sich an https://sekten-info-nrw.de/ wenden. Opfer von Kriminalität oder Gewalt können sich an https://weisser-ring.de/ wenden.

 

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