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Karteikästen im Hirn arbeiten zusammen – hä?

Warum erkennen wir einen Freund sofort – egal ob wir ihm im Büro, im Café oder auf der Straße begegnen? Und woher weiß unser Gehirn, ob wir gerade an ein gemütliches Abendessen oder an ein formelles Meeting denken sollen? Forscher der Universität Bonn haben genau dieses Alltagsrätsel untersucht – und dabei etwas Grundsätzliches über unser Gedächtnis gelernt.

Die Erkenntnis: Unser Gehirn speichert nicht alles in einem einzigen „Erinnerungsknoten“. Stattdessen arbeitet es arbeitsteilig. Bestimmte Nervenzellen merken sich den Inhalt einer Erinnerung – etwa eine Person, ein Gesicht oder einen Gegenstand. Andere Nervenzellen kümmern sich ausschließlich um den Zusammenhang, also darum, in welcher Situation etwas passiert ist.

Das ist so, als würde das Gehirn zwei getrennte Karteikästen führen: einen für das „Was“ und einen für das „Wann, Wo oder Wozu“. Erst wenn beide zusammenarbeiten, wie auch immer Karteikästen zusammenarbeiten, das Elend der Analogie, entsteht eine vollständige Erinnerung.

Um das zu zeigen, untersuchten die Forscher Menschen mit schwer behandelbarer Epilepsie, denen aus medizinischen Gründen Elektroden im Gehirn eingesetzt worden waren. Während sie einfache Aufgaben am Laptop lösten, also die Epileptiker, nicht die Elektroden, beobachtete das Team, wie einzelne Nervenzellen feuerten. Dabei zeigte sich: Einige Zellen reagierten immer auf dasselbe Bild, andere nur auf die jeweilige Aufgabe.

Besonders spannend: Je besser die beiden Zellgruppen miteinander abgestimmt waren, desto sicherer trafen die Teilnehmenden die richtige Entscheidung. Das Gehirn scheint also zu lernen, welche Inhalte zu welchem Kontext gehören – und ruft sie später gezielt gemeinsam ab.

Diese Trennung macht unser Gedächtnis extrem flexibel. Wir können dieselbe Person in immer neuen Situationen wiedererkennen, ohne jedes Mal eine neue Erinnerung „abspeichern“ zu müssen. Genau das erklärt, warum wir uns im Alltag so selbstverständlich orientieren können. Zumindest halbwegs, wie der Autor dieser Zeilen anmerken möchte, der immer wieder nach dem Namen einer Person sucht, wenn er sie im „falschen“ Kontext trifft. Aber immerhin kann man sich nun denken, woran es liegt: wahrscheinlich haben die Karteikästen immer noch nicht herausgefunden, wie sie zusammenarbeiten.

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