
Schau! Böse! Schau böse!
„ … du sollst böse schauen, BÖSE! Ach, das wird schwierig hier…“
Die Tierheimmitarbeiterin schaut selbst eher ratlos.
Wir sind in einem Tierheim irgendwo in Deutschland.
Nachdem Sam, ein American Bully XL, seinen Halter totgebissen hat, haben die Reaktionen darauf für ein radikales Umdenken im Tierschutz gesorgt. Um diese Kehrtwende genauer zu ergründen, sind wir vor Ort.
Erstaunt habe man zur Kenntnis genommen, dass sich unzählige Menschen sofort bereit erklärt haben, Sam bei sich aufzunehmen.
Ganz offensichtlich möchten viele nichts lieber adoptieren als einen Hund, der einen Menschen getötet hat.
„Ja, für uns war das ein echter Augenöffner“, so die Tierheimmitarbeiterin, die in der Hundeabteilung vor allem für das Training der Insassen zuständig ist.
„Bisher haben wir Wert darauf gelegt, dass die Hunde weniger bissig wurden statt mehr. Ruhetraining, Impulskontrolle, Frustrationstoleranz, solche Sachen haben wir versucht zu vermitteln. Und damit offensichtlich völlig am Markt vorbei gearbeitet. Kein Wunder, dass die Tierheime allesamt aus nahezu allen Nähten platzen!“
Sie erläutert weiter: „Wir müssen uns hier um 180° drehen. Und stehen damit vor ganz neuen Herausforderungen. Wir sind selbstverständlich an das Tierschutzgesetz gebunden, wir können nicht einfach so drauflos die Hunde kirre machen. Obwohl das der einfachste Weg wäre, es wäre halt auch ziemlich fies. Also arbeiten wir kleinschrittig.
Ein Hund, der verschmierte Leberwurst von einer Hose ableckt, ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Wenn er dann noch anfängt, an der Hose zu knabbern, gibt es ein Extra-Riesen-Lob.“
Sie seufzt und deutet auf einen größeren Hund, der offensichtlich gut gelaunt durch die Gegend läuft.
„Der Golden Retriever, mit dem gerade dort geübt wird, sitzt hier, weil sein Halter verstorben ist. Leider hat er ihn nicht totgebissen, das war ein natürlicher Tod… naja, immerhin haben wir ihn inzwischen soweit, dass er so eine künstliche Gummihand aus einem Halloween-Shop super apportiert.
Für die Vorstellungsfotos von ihm macht das schon ordentlich was her!
Aber wir bleiben bei den Vermittlungsgesprächen ehrlich und erklären,
dass es für manche Hunde noch ein sehr weiter Weg ist, bis sie unberechenbar und bissig sind. Es ist ja auch niemandem gedient, wenn wir hier ständig Rückläufer sitzen haben, weil der Hund einfach nur nett ist.“
„Bei anderen Kandidaten sind wir um einiges optimistischer. Sie könnten uns da auch gerade gern noch unterstützen – wir haben hier einen Hund aus sehr schlechter Haltung, der schon wiederholt Zähne gezeigt hat, der wird auch jedes Mal ganz wunderbar steif, wenn einer von uns versucht, ihm einen Maulkorb anzulegen. Von uns kann da ohne zusätzliche Sicherung keiner in den Zwinger, Arbeitsschutz und so… aber vielleicht könnte einer von ihnen da eben kurz rein? Mit ein bisschen Glück steigern sie die Vermittlungschancen für ihn gewaltig.“
In dem Moment ist unserem ganzen Team plötzlich eingefallen, dass sie dringend zum nächsten Termin in der Reptilienabteilung weitermüssen.
Das Thema: *Warum Krokodile die besseren Haustiere sind*


