Meinung

Will Trump die Zwischenwahlen absagen?

Foto: Voice of America/Wikimedia commons Public Domain

Es ging zwischen der Gefangennahme des Venezuelischen Machthabers Maduro, der erneuten Drohung, Grönland zu annektieren und den Todesschüssen auf eine Zivilistin etwas unter, was US-Präsident Trump am 6.1.2026 auf dem „House Republicans retreat“ (einer Art Klausurtagungen der Fraktion der Republikaner) zu den Zwischenwahlen sagte. Es ging auch unter, weil es, wie immer, kryptisch und versteckt war. Aber es ist aufschlussreich:

“I won’t say, ‘Cancel the election, they should cancel the election,’ because the fake news will say, ‘He wants the elections canceled. He’s a dictator.’”

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Übersetzt: Ich werde nicht sagen: „Sagt die Wahlen ab, sie sollten die Wahlen absagen“, denn die Fake Medien werden sagen, „er will die Wahlen absagen. Er ist ein Diktaktor.“

Die Sätze sind eingebunden in einen wie gewohnt diffusen Kontext von Gedankensprüngen und grammatisch unvollständigen Sätzen. Wortwörtlich sagt er, er werde die Wahlen nicht absagen. Dennoch muss einen dies misstrauisch stimmen. Das Muster ist nämlich bekannt und bemerkenswert. Wer öfter mit narzisstischen Menschen zu tun hat, kennt es: Leute wie Trump sind Meister darin, Legenden zu lancieren. Der Narzisst möchte als großartig bewundert werden, hat aber das Problem, dass er diese Großartigkeit ja nicht einfach behaupten kann – jedenfalls nur bis zu einem gewissen Grad (manche übertreiben ganz schön und kommen trotzdem damit durch). Er muss den Eindruck erwecken, dass andere so über ihn denken, wie er selbst möchte, dass über ihn gedacht wird. Er muss das Bild von sich, das herrscht, aktiv gestalten. Das heißt, dass er selbst die Erzählung verbreitet, die angeblich über ihn kursiert, und diese somit Realität werden lässt. Narzissten sagen Dinge wie: „Ach, die Leute sagen immer, ich bin der Beste, dabei bin ich einfach ein Mensch, der sich Mühe gibt.“ Es klingt vordergründig bescheiden, setzt aber geschickt die Behauptung in die Welt, die Person würde allgemein als „der Beste“ angesehen. Damit diese Taktik unauffällig bleibt, wird sie eingeflochten, in die ganzen Dinge, die der Narzisst den ganzen Tag sagt. Es ist ein ständiges Jonglieren mit Worten, alles bleibt unverbindlich und halb-ernst, alles ist immer in der Schwebe, während man sich noch über die Dreistigkeit einer Aussage wundert, wird man schon wieder abgelenkt und umgelenkt und in die nächste Falle gelockt. Diese Taktik bestimmt alles, was Trump sagt und tut. Und sie eignet sich eben auch, um andere Punkte einzuschmuggeln, als nur Behauptungen über die eigene Grandiosität. Man konnte das immer wieder beobachten, wie Testballons gestartet und Ideen lanciert wurden. Die Erzählung manifestiert sich um ihn herum, in der Wolke aus Gelaber, nimmt Gestalt an und verschleiert ihren Urheber. Wir werden beobachten, ob die Zwischenwahlen kommen. Dass Trump herbeigelogenen Terrorismus als Ausrede für verfassungsferne Maßnahmen zu verwenden bereit ist, hat sich schon erwiesen. Es wäre jedenfalls nicht überraschen, wenn die Vogelstimmen demnächst immer häufiger vom Canceln der Midterms zwitschern, bis keiner mehr weiß, wer damit angefangen hat und wie absurd es mal klang, als es neu war.

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