
73 Euro für Windeln & Milch: Betrug in Bochum?
Bochumer Innenstadt. Drehscheibe. Fußgängerzone. Dienstag, 13. Mai. 18.20 Uhr. In etwa. Eine junge Frau spricht mich an. Augenscheinlich irgendwo aus Südosteuropa, Nordafrika, oder, keine Ahnung, auf jeden Fall dunkler Teint und starker Akzent. Sie bittet mich nicht um Geld, sondern um Hilfe. Darum, dass ich für ihr Kind, Windeln und Babynahrung im Rossmann kaufe.
Ich ließ mich darauf ein, und ging mit ihr in den Drogeriemarkt. Die ganze Zeit über dankte sie mir mit zur Gebetsgeste gefalteten Händen. Ich wiederholte immer wieder, dass sie mir nicht danken solle, dass wir das jetzt holen, und auch gut sei.
Immer wieder benannte sie dann, nicht lesen zu können, bat darum, die Originalpampers und auch das „gute“ Milchpulver kaufen zu können. Ich willigte ein. War kurz irritiert, dass sie die Pampers in zwei verschiedenen Größen wollte. „Mein Bruder braucht auch,“ war die Antwort. Zusammen waren das dann 73 Euro. Nicht wenig, wirklich nicht wenig. In meinem Kopf hatte ich mit 20 Euro gerechnet, und halt einfach total vergessen, was die Dinge kosten; bei meinen Kindern ist es dann doch länger her als ich dachte. Den Bon behielt ich. Weil ich mich schon die ganze Zeit beim Einkauf fragte, wie ich hier gerade betrogen werde. Und ich wollte zumindest verhindern, dass sie die Ware direkt mit dem Bon wieder gegen Geld zurücktauschte.
Spätestens als die Dame dann mit den Pampers und dem Milchpulver in einer Tasche von dannen zog, fragte ich mich in Ruhe: war das wirklich eine Notsituation – oder ein kalkulierter Trick, eine Masche?
Die Polizei Bochum teilte auf Anfrage bestätigt, dass ihr bisher keine vergleichbaren Fälle bekannt sind:
„Die Rückmeldung aus der Fachdirektion Kriminalität hier bei uns im Haus hat keinen vergleichbaren Fall zutage gefördert. Insofern scheint die ‚Masche‘ in Bochum, Herne und Witten entweder noch nicht vorgekommen zu sein oder zumindest nicht angezeigt worden zu sein“.
Man verwies von Seiten der Polizei jedoch auf Berichte über ähnliche Vorfälle in Emsdetten und Münster. Dort soll sich eine bettelnde Person den Bon aushändigen lassen haben – mit dem Ziel, die Ware später umzutauschen. Auch ein Weiterverkauf auf Plattformen wie eBay sei denkbar.
Und natürlich gibt es auch einen Reddit-Thread dazu.
Die Polizei rät zur Zurückhaltung:
„Ich würde Menschen in vergleichbaren Situationen empfehlen, sich nicht auf einen gemeinsamen Einkauf mit hohen Kosten für andere einzulassen. Jemandem etwas zu essen oder ein Getränk zu spendieren, klammere ich davon allerdings aus.“


Ein Kommentar
Aly
Hallo,
ich war gestern nach der Arbeit auf dem Weg zu DM, als mich sehr wahrscheinlich diese Frau an der Drehscheibe ansprach.
Sie fragte mich, ob ich Englisch spreche und ob ich ihr Windeln kaufen könne.
Sie hat mich extrem in die Ecke gedrängt, wenn ich einen Schritt zurück ging, ist sie immer wieder sehr nah an mich ran gekommen und wollte meine Hände haben.
Diese junge Frau hat mir so ein extrem schlechtes Gewissen gemacht, dass ich ihr zwei große Packungen Windeln und zwei Dosen Aptamil gekauft habe für insgesamt 70€.
Den Kassenzettel wollte sie nicht. Aber sie hat mir danach noch etwas unter Tränen von Prostitution erzählt und, dass sie 50€ bräuchte, um nicht mit einem Mann schlafen zu müssen.
Ich habe mich die gesamte Situation so schlecht gefühlt, dass ich ihr nicht mehr helfen konnte, dass ich vergessen hatte, dass es Ende des Monats ist und diese 70€ mein letztes Geld für diesen Monat waren.
Ich bin mir jetzt sehr unsicher, ob diese Frau wirklich Hilfe brauchte oder, ob ich betrogen wurde.