
Klimaschäden erzeugen keinen Klimaschutz
Das Klima schützt man nicht durch Schadensvermeidung. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt eine neue Studie des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie und der University of Oxford. Ein Verhaltensexperiment zeigt: Selbst wenn Menschen wiederholt mit klimabedingten Schäden konfrontiert werden, führt das nicht automatisch zu dauerhaft mehr gemeinschaftlichem Klimaschutz.
In dem Experiment spielten Gruppen von jeweils sechs Personen über mehrere Runden ein sogenanntes Klimaspiel. Jede Person erhielt ein Startbudget und musste entscheiden, wie viel sie in einen gemeinsamen Klimafonds einzahlt. Nur wenn die Gruppe insgesamt ein festgelegtes Ziel erreichte, konnten alle ihr restliches Geld behalten. Wurde das Ziel verfehlt, drohte mit hoher Wahrscheinlichkeit ein vollständiger Verlust – als Modell einer Klimakatastrophe.
Ein Teil der Gruppen war zusätzlich mit simulierten Extremereignissen konfrontiert. Kam es zu solchen Ereignissen, verloren alle Geld, sofern zuvor nicht ausreichend investiert worden war. Zwar stiegen die Beiträge nach solchen Verlusten kurzfristig an, doch dieser Effekt hielt nicht an. Zwischen den Schadensereignissen sanken die Einzahlungen wieder.
Entscheidend war nicht die Höhe der Schäden, sondern das Verhalten innerhalb der Gruppe. Einige Teilnehmende verhielten sich dauerhaft kooperativ und zahlten ihren Anteil so, als würden alle mitziehen. Andere beteiligten sich kaum oder gar nicht und setzten darauf, dass die Engagierten aus Angst vor dem gemeinsamen Verlust mehr leisten würden. Diese Strategie ging häufig auf: Wer wenig beitrug, profitierte am Ende oft am meisten.
Für die kooperativen Teilnehmenden blieb es lange rational, die Lücken zu schließen, solange das gemeinsame Ziel noch erreichbar schien. Erst wenn sich zu viele entzogen, scheiterte das Projekt insgesamt – mit Verlusten für alle. Die Studie zeigt zudem, dass ein erheblicher Teil der Menschen dauerhaft unkooperativ bleibt und sich durch Schäden nicht zu mehr Beteiligung bewegen lässt.
Übertragen auf den Klimaschutz bedeutet das: Erfahrungen mit Extremwetter und steigenden Schäden reichen allein nicht aus, um gemeinsames Handeln zu sichern. Ohne verbindliche Regeln und politische Instrumente geraten diejenigen unter Druck, die bereit sind, mehr beizutragen. Klimaschutz entsteht nicht durch Leidensdruck, sondern durch verlässliche Strukturen, die gemeinsames Handeln absichern und Trittbrettfahren begrenzen.


