Musik

Random Jazz 12 – Open Sky

In dieser Reihe höre ich Jazz-Alben. Zufällig ausgewählte Jazz-Alben. Und über die spreche ich dann. Dies funktioniert nicht wie der berühmte Blindfold-Test im Downbeat-Magazin, weil ich vorher weiß, was ich höre. Aber ich weiß nicht, was ich als nächstes hören werde. Es wird ein zufälliges Album aus einer Liste von ungefähr 700.000 Möglichkeiten auf Discogs sein. In dieser Reihe höre ich Jazz-Alben. Zufällig ausgewählte Jazz-Alben. Und über die spreche ich dann. Dies funktioniert nicht wie der berühmte Blindfold-Test im Downbeat-Magazin, weil ich vorher weiß, was ich höre. Aber ich weiß nicht, was ich als nächstes hören werde. Es wird ein zufälliges Album aus einer Liste von ungefähr 700.000 Möglichkeiten auf Discogs sein.

Der P-Wert der statistischen Verteilung der Alben in diesem Experiment ist sicherlich immer noch sehr groß, aber irgendwie meint man einen Trend zu sehen, dahingehend, dass man mich unbedingt mit pianoloser Musik ärgern will. Oder mich kurieren will, von meiner Einschränkung, wer weiß. Jedenfalls haben wir hier erneut ein Werk in der Tradition von Ornette Coleman und so weiter. Mir gefällt auf Anhieb das hippie-artige Cover und es hätte auch Jazzrock dahinter stecken können. Es ist aber ein Trio aus den 70ern, mit David Liebman am Saxophon (der auch Jazzrock gemacht hat), Bob Moses an Drums und Frank Tusa am Bass.

Wenn ich mich nicht irre, habe ich Bob Moses mal live gesehen, mit Steve Kuhn. Frank Tusa ist ein wenig geheimnisvoll: Auf Discogs sind gerade mal 5 Platten mit ihm gelistet. Früh gestorben, dachte ich da, aber er lebt und wirkt noch. Auf seiner eigenen Homepage findet man eine etwas längere Discographie, aber er hat wirklich nicht mehr viel veröffentlicht. Es erinnert mal wieder daran, dass es da draußen unzählige Musiker gibt, die sehr gut sind und richtige Profis sind und dennoch nie den Legendenstatus erreichen, den wir durch die Brille des Konsumenten fast schon für selbstverständlich halten.

Was ist nun mit der Musik? Ich muss beim Hören die Hürde überwinden, die treuen Lesern dieser Kolumne schon bekannt ist. Nämlich eben, dass ich Musik ohne Akkorde per se erstmal wenig ansprechend finde. Es beginnt sogar noch schlanker, nur mit Liebmans Saxophon. Da werde ich leider ungeduldig. Aber wenn man sich drauf einlässt, ist das durchaus starke Musik. Und abwechslungsreich. Ich verorte das in dieser New York Loft-Szene. Und da ist genau diese Offenheit üblich, die ich ja liebe. Grenzenlose Avant-Garde kann mit traditionellen Elementen gemischt werden, oder mit Rock oder Gospel oder was auch immer. Am Schluss, wenn Gesang hinzukommt, wird es richtig schön 70er-Jahre-mäßig hippiehaft. Es groovt streckenweise großartig. Der unbekannte Bassist Tusa spielt beeindruckende Sachen. Manchmal spielt Bob Moses auch Vibraphon. Und da kommt auch mal ein Klavier vor. Da dachte ich mir direkt: Leute, ihr habt da anscheinend ein Klavier im Studio. Und Sängerinnen und Instrumente! Warum nicht diese tolle Musik um Akkorde ergänzen und sie noch schöner machen?

Aber ich lese im Nachhinein, dass das wohl wirklich ein reines Trio war (bis auf den Backgroundgesang in dem einen Lied) und teils Overdubs benutzt wurden. Piano und Vibraphon wurden wirklich nur sporadisch ergänzt, aber konnten eben kein Teil des Grundkonzepts sein. Muss man akzeptieren. Wir haben es hier jedenfalls mit starker Musik zu tun, von Leuten, die zum Zeitpunkt der Aufnahme noch einigermaßen jung waren. Das ist kein Konservieren von Bestand, sondern Aufbruch zu unerforschten Gebieten. Open Sky passt schon.

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