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Warum El Mala nominiert werden muss

Im vierten und letzten Teil unseres WM-Kaderchecks geht es um die deutschen Offensivspieler. Wir erklären, warum Julian Nagelsmann im Sturm ein Luxusproblem hat und das Kölner Ausnahmetalent Said El Mala dennoch schon jetzt ein unverzichtbarer Bestandteil des Kaders werden kann.

Hier könnt ihr Teil 1 nachlesen, in dem es um die Rückkehr von Manuel Neuer und die anderen deutschen Torhüter ging. Im zweiten Teil wurde die deutsche Abwehr in den Fokus gerückt, im dritten Teil ging es um die Doppelsechs und die Frage nach der richtigen Position für Joshua Kimmich. Diesmal werfen wir einen Blick auf die deutschen Offensivspieler. Im Fokus steht diesmal ein Spieler, der bei der WM im DFB-Team debütieren könnte.

Er ist der größte Kölner Hoffnungsträger seit Lukas Podolski und soll nun auch in der Nationalelf für Furore sorgen: Said El Mala schoss in seiner Debütsaison in der Bundesliga 13 Saisontore für den 1. FC Köln und ist damit schon jetzt der torgefährlichste deutsche Flügelspieler.

Vergleichen wir zunächst die Scorer-Punkte deutscher Offensivspieler in den europäischen Top-5-Ligen:

  • Deniz Undav (19 Tore/6 Assists)
  • Said El Mala (13 Tore/5 Assists)
  • Maximilian Beier (9 Tore/9 Assists)
  • Jonathan Burkardt (13 Tore/4 Assists)
  • Nadiem Amiri (12 Tore/5 Assists)
  • Jamie Leweling (7 Tore/10 Assists)
  • Chris Führich (7 Tore/9 Assists)
  • Serge Gnabry (8 Tore/7 Assists)
  • Ragnar Ache (7 Tore/5 Assists)
  • Nick Woltemade (8 Tore/3 Assists)
  • Tim Lemperle (8 Tore/3 Assists)
  • Kevin Schade (7 Tore/4 Assists)
  • Karim Adeyemi; Julian Brandt (7 Tore/4 Assists)
  • Lennart Karl (5 Tore/6 Assists)
  • Florian Wirtz (5 Tore/3 Assists)
  • Jamal Musiala (3 Tore/5 Assists)

Um die Chancenverwertung zu bewerten, muss man die Anzahl der Tore ins Verhältnis zu den Expected Goals setzen. Hier schneiden vor allem die Dortmunder und Stuttgarter Offensivspieler gut ab. Was der deutsche Top-Torjäger Deniz Undav und Said El Mala gemeinsam haben: Sie spielen sich beide nicht nur viele hochkarätige Torchancen heraus, sie machen auch mehr daraus, als man erwarten würde.

Tore/xGoals:

  • Chris Führich (7/4,26 = 1,64)
  • Jamie Leweling (7/4,31 = 1,62)
  • Karim Adeyemi (7/4,87 = 1,44)
  • Serge Gnabry (8/6,26 = 1,28)
  • Julian Brandt (7/5,70 = 1,23)
  • Maximilian Beier (9/7,35 = 1,22)
  • Nick Woltemade (8/6,59 = 1,21)
  • Deniz Undav (19/16,40 = 1,16)
  • Said El Mala (13/11,22 = 1,16)
  • Nadiem Amiri (12/10,4 = 1,15)
  • Jonathan Burkardt (13/12,00 = 1,08)
  • Tim Lemperle (8/8,40 = 0,95)
  • Florian Wirtz (5/6,20 = 0,81)
  • Ragnar Ache (7/10,34 = 0,68)
  • Lennart Karl (5/7,46 = 0,67)
  • Kevin Schade (7/11,27 = 0,62)
  • Jamal Musiala (3/4,81 = 0,62)

Bei diesen Statistiken muss man beachten, dass Jamal Musiala lange verletzt war. Nick Woltemade und Florian Wirtz hatten Anlaufschwierigkeiten, nachdem sie in die Premier League gewechselt waren. Niclas Füllkrug und Tim Kleindienst, die als klassische Neuner auch auf Nagelsmanns Zettel standen, tauchen in dieser Statistik aus unterschiedlichen Gründen gar nicht auf und sollen folgerichtig auch nicht nominiert werden. Füllkrug konnte sich weder bei West Ham noch beim AC Mailand durchsetzen, wohin er im Winter gewechselt war. Kleindienst wiederum verpasste verletzungsbedingt fast die komplette Saison.

Dass mehrere deutsche Offensivspieler sich in der Premier League schwertaten, spricht auf den ersten Blick gegen die Qualität der Bundesliga, jedoch ist die Spielweise dort auch einfach härter und schneller. Der Sprung von der 3. Liga in die Bundesliga müsste normalerweise noch schwerer sein als der Schritt von der Bundesliga in die Premier League, doch dass El Mala in der Vorsaison noch bei Viktoria Köln gespielt hatte, merkte man ihm keinesfalls an. Er übernahm beim FC im Abstiegskampf gleich viel Verantwortung für einen jungen, unerfahrenen Spieler. Gegen Bremen schoss er sogar einen Elfmeter, den er eiskalt verwandelte. Vor allem aber begeisterte er mit seinen Tempo-Dribblings die Domstadt.

El Malas Marktwert liegt aktuell bei 35 Millionen Euro, der FC will dem Vernehmen nach mindestens 50 Millionen für den Flügelspieler. Durch eine WM-Nominierung, die laut übereinstimmenden Medienberichten bereits in trockenen Tüchern sein soll, könnte er noch teurer werden. In der Nationalelf könnte er als Joker gegnerische Abwehrreihen vor Probleme stellen, wie er es beim FC vor allem in der Hinrunde getan hat. Damals forderte Nagelsmann, dass El Mala sich erst im Verein durchsetzen müsse, um für die Nationalelf nominiert zu werden. Das hat er mittlerweile getan: Seit dem Trainerwechsel beim FC spielte er immer von Beginn an.

Lennart Karl, das andere deutsche Ausnahmetalent, ist beim FC Bayern zwar noch kein unumstrittener Stammspieler, doch er hat dort natürlich auch stärkere Konkurrenz. Für Karl spricht auch, dass er sogar in der Champions League schon mit seinen Toren für Furore sorgte. Für das Münchner Eigengewächs ist es ebenfalls die erste Saison im Profifußball. Als Zehner hat er aber auch in der Nationalmannschaft mit Florian Wirtz und Jamal Musiala zwei absolute Weltstars vor der Nase.

El Mala hat den Vorteil, dass sein Profil einzigartiger ist. Er vereint technische und athletische Fähigkeiten, die man in der Kombination nur äußerst selten sieht. Daraus ergibt sich auch eine gewisse Flexibilität. Unter Ex-Coach Lukas Kwasniok spielte El Mala meist als inverser Außenstürmer, der vom linken Flügel in die Mitte zieht, um mit seinem starken rechten Fuß abzuschließen. Unter René Wagner spielte er zuletzt vermehrt in einer Doppelspitze. Seine Sprintgeschwindigkeit kann vor allem in Kontersituationen ein echter Vorteil sein. Natürlich wird die Nationalelf taktisch anders agieren als der FC. Während die Kölner recht häufig versuchten, mit langen Bällen die gegnerische Abwehr zu überwinden, werden schnelle Konter in der Nationalelf nur in bestimmten Spielsituationen das Mittel der Wahl sein. Für diese Situationen ist aber kein Spieler so gut geeignet wie El Mala.

Das zeigt sich beim Blick auf den Top-Speed (hier sind nur Daten aus der Bundesliga aufgeführt):

  • Said El Mala (35,9 Km/h)
  • Karim Adeyemi (35,8 Km/h)
  • Maximilian Beier; Chris Führich (35,4 Km/h)
  • Jamie Leweling (35,1 Km/h)
  • Tim Lemperle (34,8 Km/h)
  • Jonathan Burkardt (34,4 Km/h)
  • Jamal Musiala (34,1 Km/h)
  • Serge Gnabry; Lennart Karl (33,2 Km/h)
  • Deniz Undav (32,3 Km/h)

Eine Schwäche des Kölners ist, dass er manchmal zu egoistisch ist und selbst den Abschluss sucht, statt zum besser postierten Mitspieler zu passen. Das ist verzeihbar, wenn man der mit Abstand beste Fußballer in der Mannschaft ist, in der Nationalelf kann sich El Mala das jedoch nicht erlauben. Zudem wird von Kritikern bemängelt, dass El Mala defensiv nicht genug mitarbeitet. In diesen Bereichen muss er noch an sich arbeiten.

Dass ein 19-Jähriger nach seiner ersten Bundesliga-Saison noch ein paar Schwächen hat, ist natürlich nicht überraschend. Entscheidend für seine weitere Entwicklung wird sein, wo er den nächsten Schritt gehen will: Bleibt er noch beim FC, wo er immerhin noch vor einem Jahr einen Vertrag bis 2030 unterschrieben hat? Oder zieht es El Mala in die Premier League, wo er vor allem mit Brentford und Brighton & Hove Albion in Verbindung gebracht wird?

Eine wichtige Rolle bei der Auswahl seines Vereins spielt sein Bruder Malek, der ebenfalls beim FC unter Vertrag steht, dort jedoch bisher nur in der U21 zum Einsatz kam. Die beiden Brüder sind unzertrennlich. Einst wurden sie bei Borussia Mönchengladbach aussortiert, bei Viktoria Köln wurden sie dann doch noch Profis. Medienberichten zufolge will Said nur zu einem Verein wechseln, der auch Malek verpflichten würde. Beraten lassen sie sich nicht von einem Spielerberater, sondern von ihren Eltern. Alle, die mit Said El Mala zusammengearbeitet haben, beschreiben ihn als bodenständigen Typen. Man kann daher davon ausgehen, dass er die Rolle, die der Bundestrainer ihm zuweist, annehmen und versuchen wird, mit Leistung zu überzeugen, statt öffentlich mehr Spielzeit zu fordern. Damit passt er auch von der Persönlichkeit her perfekt in die Überlegungen von Julian Nagelsmann.

Verwendete Quellen: Kicker

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