
Ist das noch von der Kunstfreiheit gedeckt?
Danger Dan und Igor Levit sollten eigentlich in der ZDF-Sendung “Die Anstalt” ihren neuen Song “Keine Angst” präsentieren. Doch dann wurden sie plötzlich ausgeladen, weil das ZDF bestimmte Passagen des Songtextes als Gewaltaufruf interpretiert hatte.
Offenbar hatte man beim ZDF sehr wohl Angst und zwar vor der erwartbaren Reaktion von rechten Medien. “Das ZDF, das durch unsere Zwangsgebühren finanziert wird, wirbt für linke Gewalt” – so oder so ähnlich hätten deren Schlagzeilen gelautet.
Das hat man sich mit der Ausladung natürlich erspart, und gewissermaßen hat man sogar dafür gesorgt, dass der Song nun viel mehr Reichweite erhalten hat, als er durch die ursprünglich geplante Premiere erhalten hätte.
Doch während andere linke Künstler in solchen Fällen eine Welle der Solidarität erfahren hätten, begrüßten einige die Entscheidung in den Kommentaren aufgrund dessen antisemitismuskritischer und israelsolidarischer Haltung.
Doch was hat Danger Dan denn nun so schlimmes gesagt, dass er den Zorn von Rechten, Konservativen und anti-imperialistischen Linken gleichermaßen auf sich gezogen hat? Das Musikvideo findet sich auf YouTube, den kompletten Text kann man auf Genius nachlesen. Dabei handelt es sich im Prinzip um eine Anleitung zur Gründung einer Antifa-Gruppe:
Eine Handvoll Leute reichen meistens aus
Eigene lokale Antifastruktur’n aufzubau’n
Als Nächstes müsst ihr die rechten Struktur’n recherchier’n
Heimlich ihre Treffen und Demonstration’n fotografier’n
Findet raus, wer sie sind, was sie tun, wo sie leben
Wo sie arbeiten und findet raus, mit wem sie sich umgeben
Baut Fake-Accounts bei TikTok und bei Telegram
Dokumentiert alles, was sie schreiben, alles, was sie sagen
Holt den Papiermüll ab, lauft ihn’n nach
Zu ihren Häusern, ihren Wohnung’n, den Treffpunkten und Bars
Meldet euch bei jeder Singlebörse an
Irgendwie und irgendwann kommt man an jeden Nazi ran
Tatsächlich sorgen Antifa-Gruppen seit jeher dafür, dass sich Nazis insbesondere in Großstädten nicht allzu wohlfühlen. Nachdem Reporter des rechten Online-Mediums “Apollo News” am Rande der Demonstration gegen den Bundesparteitag der AfD angegriffen wurden, muss man an dieser Stelle betonen: Gewalt, die das Leben der Angegriffenen gefährdet, ist nicht humanistisch, auch wenn es sich dabei um Nazis handelt.
Ehrlicherweise muss man feststellen, dass auch die Aktionen der Antifa Ost, auf die sich Danger Dan in seinem Songtext bezieht, in diese Kategorie einzuordnen sind.
Ist eh klar, was zu tun ist, ich sag‘ nichts mehr dazu
Liebe Grüße an Lina, Gucci, Maja und Nanuk
Es ist gut möglich, dass genau diese Zeile dazu geführt hat, dass sich das ZDF zu der Ausladung von Danger Dan und Igor Levit entschieden hat.
Linke Gewalt richtet sich jedoch längst nicht mehr nur gegen Rechte, sondern auch gegen andere Linke, wie zuletzt bei den Auseinandersetzungen um das Jugendzentrum “La Casa” in Berlin-Hellersdorf. So viel dürfte auch Danger Dan klar sein: In den Augen einiger anti-imperialistischer Linker sind israelsolidarische Menschen ebenso rechts wie AfD-Politiker und Reporter von “Apollo News”. Danger Dan zählt spätestens seit dem Song Oktober in Europa ebenfalls zu deren Feindbildern.
Bevor man dazu aufruft, dass nun massenhaft neue Antifa-Gruppen entstehen, sollte sich die linke Szene erstmal kritisch damit auseinandersetzen, wie militant Antifaschismus sein darf und wie man zwischen Faschisten und politischen Gegnern unterscheidet. Solange sich Linke untereinander gewalttätige Auseinandersetzungen liefern, wird man sich nicht effektiv gegen den Rechtsruck wehren können.


