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KI: NRW-Fahnder finden entscheidende Spuren in 20 Millionen Dateien

NRW setzt ein eigenes KI-System zur Bekämpfung von Finanzkriminalität ein. In ersten Tests konnten Ermittler innerhalb weniger Wochen Datenmengen auswerten, deren manuelle Durchsicht nach Behördenangaben Jahre gedauert hätte.

20 Millionen Dateien. Darunter Dokumente, Chatverläufe, Bilder, Audioaufnahmen und Videos. In diesen Datenbeständen suchen Ermittler nach Beweisen für Finanzkriminalität. Bislang mussten sie solche Datenmengen weitgehend manuell durchsuchen. Nun übernimmt Künstliche Intelligenz einen Teil dieser Arbeit.

Das nordrhein-westfälische Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität hat gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) eine Software namens ForenSight entwickelt. Das System kann Dokumente übersetzen und zusammenfassen, Audio- und Videodateien transkribieren sowie Personen, Unternehmen und Orte erkennen. Anschließend stellt es deren Verbindungen in Netzwerken dar.

In einem Pilotverfahren identifizierten Ermittler innerhalb weniger Wochen rund 1.000 relevante Seiten aus einem Bestand von 20 Millionen Dateien. Nach Angaben des NRW-Finanzministeriums hätte die manuelle Auswertung Jahre gedauert. In weiteren Testfällen fanden die Ermittler mithilfe der KI rund 60 Prozent mehr relevante Dokumente als mit bisherigen Methoden.

Neben der Geschwindigkeit verändert die Software auch die Art der Ermittlungsarbeit. Statt einzelne Dokumente nacheinander zu lesen, können Fahnder Zusammenhänge zwischen Personen, Geldflüssen und Unternehmen untersuchen, die über Millionen von Dateien verteilt sind. Die KI kann dabei Informationen aus unterschiedlichen Quellen miteinander verknüpfen und mögliche Beziehungen sichtbar machen.

Allerdings bleibt eine Grenze bestehen: Die KI liefert Hinweise, keine Beweise im juristischen Sinne. Ob ein Dokument tatsächlich relevant ist, welche Schlussfolgerungen zulässig sind und ob ein Tatverdacht begründet ist, müssen weiterhin Menschen beurteilen. Auch fehlerhafte Zuordnungen oder unzutreffende Zusammenhänge lassen sich bei KI-gestützten Analysen nicht grundsätzlich ausschließen.

Die veröffentlichten Leistungszahlen stammen bislang aus Pilot- und Testverfahren. Ob sich die Ergebnisse im langfristigen Routineeinsatz bestätigen, bleibt abzuwarten. Eine unabhängige wissenschaftliche Überprüfung der angegebenen Leistungssteigerung ist bislang nicht dokumentiert.

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