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Sicherheit in Menschenmengen: Was Alter und Erschöpfung verändern

Wie sicher sich Menschen in dichten Menschenmengen bewegen können, hängt stark von ihrem Alter und ihrem körperlichen Zustand ab. Das zeigen Untersuchungen von Forschenden des Forschungszentrums Jülich und der Deutschen Sporthochschule Köln. In Experimenten analysieren sie, wie Bewegung, Gleichgewicht und Reaktionsfähigkeit im Gedränge zusammenwirken – und wann daraus Risiken entstehen.

Bei großem Andrang, etwa auf Bahnsteigen, bei Konzerten oder in Stadien, bewegen sich viele Menschen gleichzeitig auf engem Raum. Unterschiedliche Gehgeschwindigkeiten und Reaktionsweisen treffen direkt aufeinander. Je dichter die Menge wird, desto schwerer lassen sich kleine Störungen wie Ausweichbewegungen oder kurze Unsicherheiten ausgleichen. Dadurch steigt das Risiko für Stürze und gefährliche Kettenreaktionen.

Im Forschungsprojekt „LoStInCrowds“ („Verloren in der Menge“) untersuchen die Forschenden diese Situationen systematisch. Rund 60 Teilnehmende aus verschiedenen Altersgruppen bewegten sich unter kontrollierten Bedingungen durch verengte Durchgänge. Ein Teil der Versuche fand nach gezielter körperlicher Anstrengung statt, um den Einfluss von Müdigkeit zu erfassen.

Die ersten Auswertungen zeigen deutliche Unterschiede: Mit zunehmendem Alter und bei Erschöpfung reagieren Menschen langsamer auf plötzliche Veränderungen im Gedränge. Das Gleichgewicht wird instabiler, und Ausgleichsbewegungen gelingen seltener. Besonders kritisch ist die Kombination aus hoher Dichte, gemischten Altersgruppen und körperlicher Ermüdung – etwa gegen Ende großer Veranstaltungen.

Erfasst wurden die Bewegungen mithilfe von Kameras, die die Wege jeder einzelnen Person aufzeichneten. Ergänzend lieferten kleine Messgeräte Daten zu Bewegungsabläufen und körperlicher Belastung. Diese Daten machen sichtbar, an welchen Stellen und unter welchen Bedingungen Risiken entstehen.

Auf dieser Grundlage wollen die Forschenden bestehende Modelle zur Bewegung von Menschenmengen gezielt verbessern. Die Ergebnisse sollen helfen, Sicherheits- und Evakuierungskonzepte realistischer zu planen und kritische Situationen frühzeitig zu erkennen – bevor Gedränge für Einzelne gefährlich wird.

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