diesdas,  Politik,  Sport

Update: Vom Hooligan zum Staatsanwalt?

Update (23.09.26): Die WAZ hat nun als erstes Medium bestätigt, dass die Person, die in einer Doku aus den 80er Jahren antisemitische Aussagen tätigt und den Hitlergruß macht, tatsächlich der heutige Bochumer Oberstaatsanwalt Andreas Bachmann ist. Er selbst hat das ebenfalls zugegeben, behauptet aber, dass er damals weder gewaltbereit noch rechtsextrem gewesen sei und seine früheren Aussagen unter Alkoholeinfluss getätigt worden seien. Diese Erklärung wirkt allerdings äußerst zweifelhaft. Dass Bachmann in der Doku davon sprach, das an den SS-Totenkopf angelehnte Banner der Gruppe „Mighty Blues“ entworfen zu haben, deutet darauf hin, dass er eine gewisse Stellung innerhalb der Gruppe gehabt haben dürfte. Laut der Doku wurde die Gruppe bereits 1981, also zwei Jahre vor den Interviews, gegründet.

Es ist ein ungeheurer Vorwurf, den die „Antifaschistische Linke Bochum“ erhebt: Laut einem Instagram-Post soll der Bochumer Oberstaatsanwalt Andreas Bachmann früher Mitglied der rechtsextremen Schalker Hooligan-Gruppe „Mighty Blues“ gewesen sein.

Bekanntheit erlangte die Gruppe vor allem durch die Dokumentation „Die sind eben so“ von 1983, in der Mitglieder der „Mighty Blues“ sowie der Dortmunder „Borussenfront“ zu Wort kommen.

Einer der Protagonisten der Doku tätigt mehrfach offen antisemitische Aussagen und erzählt zudem, dass er das Gruppenlogo, das an den Totenkopf der SS angelehnt ist, entworfen habe. Zudem macht er den „Hitlergruß“ und skandiert „Sieg Heil“. Genau diese Person soll, so behauptet es der Verfasser des Posts, Andreas Bachmann sein. Worauf sich diese Behauptung stützt, wird nicht erwähnt.

Dennoch nahm die „Fanhilfe Bochum“ den Post zum Anlass, mit einem eigenen Statement zu reagieren. Dabei wird betont, dass Menschen sich ändern und politische Einstellungen ablegen können und dass es ein „Recht auf Vergessen“ gibt. Jedoch bedeutet das nach Einschätzung der Bochumer Fanhilfe nicht, dass man die vermeintlich rechtsextreme Vergangenheit eines Oberstaatsanwalts nicht mehr thematisieren dürfe. In ihrem Statement wirft sie die Frage auf, ob und wann Bachmann diese hinter sich gelassen habe.

Natürlich ist genau das eine der Fragen, die auch wir uns gestellt haben (neben der Frage, ob es sich bei der Person wirklich um Bachmann handelt und ob sich diese Behauptung nachweisen lässt). Unsere Anfrage wollte die Bochumer Staatsanwaltschaft jedoch nicht kommentieren, da das Thema „keinen Bezug zu hier anhängigen Ermittlungsverfahren oder eine sonstige hiesige Zuständigkeit erkennen“ lasse.

Unklar ist auch, welche Rolle Bachmann bei Ermittlungen gegen Fußballfans, die sich zuletzt gehäuft hatten, spielt. Sowohl die „Antifaschistische Linke“ als auch die „Fanhilfe Bochum“ kritisieren, dass die Bochumer Staatsanwaltschaft in den letzten Jahren vermehrt Öffentlichkeitsfahndungen gegen Fußballfans beantragte (u.a. 2021 wegen des Zündens von Pyrotechnik bei der Aufstiegsfeier des VfL Bochum, was als „schwere Gefährdung durch das Freisetzen von Giften“ gewertet wurde).

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Consent Management Platform von Real Cookie Banner