
Die deutsche Abwehr im WM-Kadercheck
Am 21. Mai wird Bundestrainer Julian Nagelsmann 26 Spieler für die WM 2026 in Nordamerika nominieren. Wir werfen einen Blick auf die aussichtsreichsten Kandidaten für die verschiedenen Mannschaftsteile und analysieren deren Statistiken. Im zweiten Teil geht es um die Innenverteidigung. Den ersten Teil könnt ihr hier nachlesen.
Die klassische Aufgabe eines Innenverteidigers ist natürlich, Zweikämpfe und Kopfballduelle zu führen. Wenn man die Statistiken der deutschen Verteidiger vergleicht, sticht vor allem Jeff Chabot vom VfB Stuttgart hervor. Chabot hat auch den Vorteil, dass er einer der wenigen Linksfüßer in der Innenverteidigung ist. Von den Spielern, die sich Hoffnung auf einen Platz im WM-Kader machen können, trifft das sonst nur auf Nico Schlotterbeck zu. Chabot hat jedoch andere Schwächen, doch dazu später mehr.
Gewonnene Zweikämpfe:
- Jeff Chabot (67 %)
- Malick Thiaw (65 %)
- Thilo Kehrer (64 %)
- Antonio Rüdiger (64 %)
- Waldemar Anton (63 %)
- Nico Schlotterbeck (62 %)
- Matthias Ginter (61 %)
- Yann Bisseck (61 %)
- Robin Koch (60 %)
- Nnamdi Collins (60 %)
- Jonathan Tah (59 %)
Gewonnene Kopfballduelle:
- Jeff Chabot (70 %)
- Jonathan Tah (70 %)
- Antonio Rüdiger (70 %)
- Malick Thiaw (66 %)
- Yann Bisseck (66 %)
- Nico Schlotterbeck (63 %)
- Matthias Ginter (62 %)
- Robin Koch (62 %)
- Thilo Kehrer (61 %)
- Waldemar Anton (59 %)
- Nnamdi Collins (58 %)
Bei den Kopfballduellen sind Jonathan Tah und Antonio Rüdiger auf einem ähnlichen Niveau wie Chabot. Während Tah neben Schlotterbeck gesetzt sein dürfte, muss sich Rüdiger vermutlich mit einem Platz auf der Bank gegnügen. Rüdiger hatte in dieser Saison verletzungsbedingt einige Spiele verpasst. Nur in 43 Prozent der Spiele stand er bei Real in der Startelf.
Dass Rüdiger nicht mehr erste Wahl ist, könnte durchaus auch seinem Verhalten auf und neben dem Platz geschuldet sein. Besonders hohe Wellen schlug sein Ausraster im spanischen Pokalfinale gegen den FC Barcelona im April 2025, als er den Schiedsrichter beleidigte und mit einem Eisbeutel bewarf. Seine Mitspieler konnten ihn nur mit Mühe zurückhalten. Damals gab es bereits Diskussionen, ob er zukünftig noch für die Nationalmannschaft nominiert werden sollte.
Kritiker von Rüdiger argumentieren, dass man als Nationalspieler auch eine Vorbildfunktion habe. Jedoch kann seine Aggressivität auch als Stärke gesehen werden, solange sie nicht über die Stränge schlägt. Oft wird kritisiert, dass der deutschen Mannschaft genau diese Aggressivität fehlt. Wenn es darum geht, könnte man allerdings auch auf Robert Andrich setzen. Der Leverkusener Kapitän gilt als knallharter Abräumer, der oft an der Grenze des Erlaubten spielt. Andrich kann sowohl auf der Sechs als auch in der Innenverteidigung spielen.
Ein weiterer aussichtsreicher Kandidat auf einen Kaderplatz ist Schlotterbecks Dortmunder Teamkollege Waldemar Anton. Die beiden haben bereits 62 Spiele beim BVB und in der Nationalmannschaft zusammen absolviert. Anton ist mit einer Startelf-Quote von 94 Prozent die größte Konstante in der Dortmunder Abwehr. Diesen Wert erreichen außer ihm nur der Frankfurter Kapitän Robin Koch, der mit der Eintracht eine Saison zum Vergessen erlebte, und Matthias Ginter, der als Führungsspieler einen wichtigen Anteil daran hatte, dass der SC Freiburg zum ersten Mal in der Geschichte des Klubs ins Europa-League-Finale einziehen konnte. Viel wurde in den letzten Tagen über ein mögliches Comeback von Ginter in der DFB-Elf diskutiert, er bringt die Erfahrung aus 51 Länderspielen mit.
Schaut man sich den Top-Speed der deutschen Verteidiger an, wird jedoch klar, dass Jeff Chabot und Matthias Ginter im Vergleich zu den anderen deutschen Verteidigern Tempo-Defizite haben. Möglicherweise ist das ein Grund, warum sie trotz ihrer jeweils starken Saisonleistung unter Nagelsmann bisher keine Rolle spielen, denn der Bundestrainer bevorzugt schnellere Verteidiger.
Top-Speed (Bundesliga):
- Nnamdi Collins; Nico Schlotterbeck (34,8 Km/h)
- Jonathan Tah (33,4 Km/h)
- Robin Koch (33,3 Km/h)
- Waldemar Anton (32,9 Km/h)
- Jeff Chabot (32,1 Km/h)
- Matthias Ginter (31,9 Km/h)
Top-Speed (UEFA-Wettbewerbe):
- Nico Schlotterbeck (33,86 Km/h)
- Malick Thiaw (33,35 Km/h)
- Yann Bisseck (33,08 Km/h)
- Robin Koch (33,06 Km/h)
- Jonathan Tah (33,00 Km/h)
- Waldemar Anton (32,19 Km/h)
- Antonio Rüdiger (32,17 Km/h)
- Nnamdi Collins (32,14 Km/h)
- Thilo Kehrer (31,72 Km/h)
- Matthias Ginter (31,09 Km/h)
- Jeff Chabot (30,73 Km/h)
Da die anderen europäischen Ligen im Gegensatz zur Bundesliga nicht den Top-Speed aller Spieler veröffentlichen, kann man bei den Spielern, die im Ausland spielen, lediglich auf die Daten aus den UEFA-Wettbewerben zurückgreifen. Diese sind jedoch aufgrund des kleineren Samples nicht mit den Daten aus der Bundesliga vergleichbar, weshalb hier zwischen dem ermittelten Top-Speed in der Bundesliga und den UEFA-Wettbewerben unterschieden wird.
Yann Bisseck zählt mit 33,08 Km/h zu den schnellsten deutschen Verteidigern in den UEFA-Wettbewerben und verfügt auch über eine sehr hohe Passgenauigkeit (93 Prozent). Bisseck debütierte bereits mit 16 Jahren beim FC in der Bundesliga, konnte sich dort jedoch nicht durchsetzen und wurde mehrfach verliehen. Mittlerweile spielt er bei Inter Mailand, wo er allerdings kein unumstrittener Stammspieler ist. Bisseck stand in der laufenden Saison der Serie A nur in 54 Prozent der Spiele in der Startelf.
Der 22-jährige Nnamdi Collins, der im vergangenen November beim 0:2 gegen die Slowakei in der Nationalmannschaft debütierte, konnte sich bei Eintracht Frankfurt ebenfalls noch nicht so richtig durchsetzen, wie die Startelf-Quote von 47 Prozent zeigt. Doch auch wenn er im Verein nicht gesetzt ist: Mit dem Top-Speed des Frankfurters (34,8 Km/h) kann nur Nico Schlotterbeck mithalten.
Ähnlich wie bei den Torhütern ist es auch bei Innenverteidigern im modernen Fußball deutlich wichtiger als früher, dass sie sich auch am Spielaufbau beteiligen können. Daher muss auch hier die Passquote berücksichtigt werden, wobei man hier nicht nur zwischen kurzen und langen Pässen unterschieden, sondern auch berücksichtigt werden muss, wie viele progressive Pässe ein Verteidiger gespielt hat. Darunter versteht man Pässe, die dem Team helfen, in Richtung des gegnerischen Tors zu kommen.
Passquote (gesamt):
- Jonathan Tah (96 %)
- Yann Bisseck (93 %)
- Antonio Rüdiger (93 %)
- Robin Koch (92 %)
- Waldemar Anton (90 %)
- Malick Thiaw (90 %)
- Jeff Chabot (89 %)
- Nico Schlotterbeck (88 %)
- Matthias Ginter (87 %)
- Thilo Kehrer (87 %)
Nico Schlotterbeck, Matthias Ginter und Jeff Chabot spielen laut DataMB die meisten progressiven Pässe der hier aufgezählten Spieler. Es ist daher nur logisch, dass sie eine geringere Passquote als die meisten ihrer Konkurrenten haben. Jonathan Tah spielt zwar nur selten progressive Pässe, verfügt aber über die mit Abstand höchste Passgenauigkeit.
Tah und Schlotterbeck ergänzen sich hier gut. Bisher standen sie in 11 Spielen, genauer gesagt 698 Minuten lang, gemeinsam für die DFB-Elf auf dem Platz. In dieser Zeit kassierte Deutschland 7 Gegentore, was etwa 0,9 Gegentoren in 90 Minuten entspricht. Lediglich das 3:3 gegen Italien, als die beiden mit Antonio Rüdiger in einer Dreierkette spielten, war ein negativer Ausreißer. Bei der EM dürfte Nagelsmann jedoch auf eine Viererkette setzen.
Verwendete Quellen: Kicker, transfermarkt, UEFA



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