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2,1 Millionen gegen Desinformation – Wie ein Forschungsprojekt junge Menschen schützen will

TikTok, Instagram, YouTube – für viele Jugendliche sind soziale Medien die wichtigste Nachrichtenquelle. Doch genau dort verbreiten sich auch politische Falschinformationen besonders schnell. Ein neues Forschungsprojekt aus Düsseldorf will das nun systematisch untersuchen – und Lösungen entwickeln.

Unter dem Namen WIEGE („Wiederholt Getäuscht“) startet ein interdisziplinäres Projekt unter Leitung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Über drei Jahre stehen dafür 2,1 Millionen Euro Fördermittel bereit. Ziel ist es, besser zu verstehen, wie politische Desinformation entsteht, wie sie wirkt – und wie junge Menschen widerstandsfähiger dagegen werden können.

Im Fokus stehen Jugendliche und junge Erwachsene, deren politische Urteilsfähigkeit sich noch entwickelt. Gerade in dieser Phase können wiederholte Kontakte mit irreführenden Inhalten langfristige Folgen haben: für Vertrauen in Institutionen, politische Einstellungen und demokratisches Verhalten.

Das Projekt verfolgt vier zentrale Ansätze: Zunächst soll eine umfangreiche Datenbasis entstehen, die Desinformation plattformübergreifend erfasst. Darauf aufbauend entwickeln die Forschenden KI-gestützte Verfahren, um solche Inhalte automatisch zu erkennen. Parallel untersuchen sie in Studien, wie junge Menschen mit Desinformation umgehen – und welche Faktoren ihre Widerstandskraft stärken. Schließlich werden konkrete Bildungsangebote entwickelt, die direkt in Schulen eingesetzt werden können.

Dazu arbeiten Sozialwissenschaft, Informatik und Pädagogik eng zusammen. Neben der HHU sind unter anderem das Leibniz-Institut GESIS, die Universität Mainz und ein Bildungsunternehmen beteiligt. Auch das öffentlich-rechtliche Content-Netzwerk funk ist in die erweiterte Kooperation eingebunden.

Ein wichtiger Teil des Projekts ist die Praxis: Die Ergebnisse sollen nicht in Studien bleiben, sondern in Unterrichtskonzepte, Social-Media-Formate und Informationsmaterialien übersetzt werden. Ziel ist es, Jugendlichen Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie Informationen besser einordnen können.

Das Projekt zeigt damit ein zentrales Problem der Gegenwart: Nicht nur die Menge an Informationen wächst – sondern auch die Herausforderung, Wahrheit von Täuschung zu unterscheiden. Und genau hier entscheidet sich, wie stabil demokratische Gesellschaften künftig bleiben.

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