Meinung
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Wenn KI besser vorhersagt als wir
Während man in Deutschland noch darüber streitet, ob KI „wirklich schon etwas kann“ – und wo sie dem Menschen angeblich grundsätzlich unterlegen bleibt –, wird anderswo längst eine andere Frage verhandelt: Wann genau überholt sie uns? Und haben wir diesen Punkt vielleicht schon erreicht? In The Atlantic beschreibt Ross Andersen genau diese Verschiebung. Als bereits messbaren Prozess. Sein Schauplatz sind Prognose-Wettbewerbe wie Metaculus und die boomenden Prediction Markets wie Polymarket oder Kalshi. Dort werden keine abstrakten Intelligenztests gespielt, sondern konkrete Ereignisse bepreist: Wird es in einem Land einen Putsch geben? Wie entwickelt sich eine Frontlinie? Wie viele Songs schaffen es in die Charts? Trifft ein Hurrikan eine bestimmte Küste? Andersen…
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Blood and Sinners: Blaxploitation meets Tarantino
Das Entscheidende vorweg. Blood & Sinners kann man gucken. Es ist eine stabile fünf (bis sechs – mit Wohlwollen) auf einer Zehnerskala. Ein relativ durchschnittlicher Vampir-Horrorfilm. Und jeder, der erzählen will, dass es anders ist, hat mehr über den Film gelesen, als ihn zu sehen. Man muss sagen, Blood & Sinners (Originaltitel: Sinners) wäre ein unfassbar innovativer Horrorfilm. Menschen, die in einer Kneipe sind, in der getanzt und gefeiert wird und wo das Genre des Films bis zu diesem Zeitpunkt ein Drama ist, kippt auf einmal und alles ist voller Vampire, mit ein wenig Humor, klassischen Tötungsmethoden und moralischen Dilemmata.
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Schau! Böse! Schau böse!
„ … du sollst böse schauen, BÖSE! Ach, das wird schwierig hier…“ Die Tierheimmitarbeiterin schaut selbst eher ratlos. Wir sind in einem Tierheim irgendwo in Deutschland. Nachdem Sam, ein American Bully XL, seinen Halter totgebissen hat, haben die Reaktionen darauf für ein radikales Umdenken im Tierschutz gesorgt. Um diese Kehrtwende genauer zu ergründen, sind wir vor Ort. Erstaunt habe man zur Kenntnis genommen, dass sich unzählige Menschen sofort bereit erklärt haben, Sam bei sich aufzunehmen. Ganz offensichtlich möchten viele nichts lieber adoptieren als einen Hund, der einen Menschen getötet hat.
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Dschungelcamp: Ist Gil schlimmer als eine Totschlägerin?
Reality-TV lebt vom Urteil. Nicht vom Verstehen, nicht vom Einordnen, sondern vom schnellen, emotionalen Zuschreiben: echt oder unecht, Täter oder Opfer, gut oder schlecht. Das Dschungelcamp ist diesmal ein besonders verdichteter Raumm ein Aufeinanderprallen von Reality-Show-Menschen und Nicht-Reality-Show-Menschen. Wer dort einmal auf der falschen Seite steht, kommt kaum wieder heraus. Der aktuelle Umgang mit Gil Ofarim zeigt das deutlicher als jede Staffel zuvor – und wirft eine Frage auf: Wird hier jemand härter verurteilt als eine Frau, die tatsächlich einen Menschen getötet hat? 2009 gewann Ingrid van Bergen das Dschungelcamp. Eine Schauspielerin, die Jahrzehnte zuvor ihren Liebhaber erschossen hatte, wegen Totschlags verurteilt worden war und mehrere Jahre im Gefängnis saß.…
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Liberalismus war gestern: CDU wird sozialistisch
Die CDU setzt sich gerade dafür ein, dass der Einzelne nicht mehr frei über seine Lebensplanung entscheiden soll. Das wird als Beitrag zum „Gemeinnutz“ verkauft. Der Eigennutz wirkt dabei wie ein Verdachtsmoment. Kurz gesagt: Freiheit nur noch mit Genehmigung. Konkret geht es um einen Antrag des CDU-Wirtschaftsflügels. Er trägt den Titel „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit“. Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) will den gesetzlichen Anspruch auf Teilzeit an eine „besondere Begründung“ knüpfen. Als akzeptierte Gründe werden Kindererziehung, Pflege von Angehörigen und Weiterbildung genannt. Alles andere gilt dann als hübsches Hobby, das man bitte nach Feierabend erledigt.
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Staatsempfang für Islamisten?
Am Montag, den 19. Januar, sind in Berlin etwa 2.000 Menschen auf die Straße gegangen. Anlass dafür war der mittlerweile verschobene Staatsbesuch des syrischen Interimspräsidenten Ahmed al-Sharaa. Gründe, gegen den geplanten Staatsempfang al-Sharaas und allgemein gegen die Zusammenarbeit der Bundesregierung mit der syrischen Übergangsregierung zu demonstrieren, gibt es viele.
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Mehr Krankheitstage sind ein Zeichen einer fortgeschrittenen Zivilisation
Unser Bundeskanzler hält die gesamte Bevölkerung für faul, weil sich mehr Menschen als früher krankgemelden. Man kann sicherlich nicht in seine Position kommen, ohne ein Workaholic zu sein. Dennoch spricht es für einen Mangel an Reflexionsvermögen, wenn man sein eigenes Arbeitspensum zum Maßstab der Allgemeinbevölkerung macht. Dass sich mehr Menschen krankmelden als früher, ist ein Zeichen unserer hohen Zivilisationsstufe.
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Wie man mit Trump reden sollte – ein Leitfaden
Viel und oft wurde versucht mit Trump zu verhandeln, ihm zu schmeicheln und ihm entgegen zu kommen. Von Erfolg gekrönt waren diese Bemühungen nie, da er am Ende des Tages eh das macht worauf er gerade Lust hat. Deshalb habe ich einen semi-humoristischen Leitfaden erstellt, wie man stattdessen mit ihm umgehen sollte:
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Leistung zählt – nur nicht für alle
In einem funktionierenden System sollten Leistung und Potenzial darüber entscheiden, welche Wege offenstehen. Genau das gilt auch für Bildung. Doch in Deutschland zeigt sich seit Jahren das Gegenteil: Der Bildungsweg von Kindern wird weniger durch ihre Fähigkeiten bestimmt als durch ihre Herkunft. Damit versagt nicht nur die Idee der Chancengleichheit, sondern auch ein zentrales Prinzip jeder leistungsorientierten Ordnung. Eine aktuelle Studie des Exzellenzclusters ECONtribute der Universitäten Bonn und Köln bestätigt dieses Problem erneut. Selbst bei gleichen schulischen Leistungen wechseln Kinder aus sozial benachteiligten Familien deutlich seltener auf das Gymnasium als Kinder aus besser gestellten Haushalten. Statt dass Leistung wirkt und gefördert wird, blockieren soziale Strukturen den Zugang zu weiterführender Bildung.
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Will Trump die Zwischenwahlen absagen?
Es ging zwischen der Gefangennahme des Venezuelischen Machthabers Maduro, der erneuten Drohung, Grönland zu annektieren und den Todesschüssen auf eine Zivilistin etwas unter, was US-Präsident Trump am 6.1.2026 auf dem „House Republicans retreat“ (einer Art Klausurtagungen der Fraktion der Republikaner) zu den Zwischenwahlen sagte. Es ging auch unter, weil es, wie immer, kryptisch und versteckt war. Aber es ist aufschlussreich: “I won’t say, ‘Cancel the election, they should cancel the election,’ because the fake news will say, ‘He wants the elections canceled. He’s a dictator.’”