Meinung

Es gibt kein Happyend für die Iraner!

Um es direkt zu Beginn zu sagen: Ich freue mich über jede Bombe, die auf das Regime in Teheran geworfen wird. Um es noch deutlicher zu sagen: Kein Diktator, kein Folterknecht, kein Vertreter des brutalen Regimes im Iran, aber auch anderswo auf der Welt, sollte für sich die Sicherheit haben, am nächsten Morgen wohlbehalten aufzuwachen. Für mich ist das nicht verhandelbar. Für mich ist das eine der Lehren aus Nürnberg und generell aus der Weltgeschichte. Wer dabeisteht, während ein Volk unterdrückt wird und immer nur etwas davon faselt, dass das Volk sich selbst befreien müsse, ist von seinem Empathie-Niveau nicht in der Jetztzeit angekommen. Keinen dieser Sätze hier will ich durch die nachfolgenden Zeilen relativiert wissen. Und wer es dergestalt liest, der liest es bösartig, und er mag bitte noch einmal an diesen ersten Absatz zurückgehen.

Es folgt jetzt auch kein Aber, das alle soeben gemachten Aussagen relativieren soll. Was vielmehr folgt, ist die nüchterne Betrachtung dessen, was da im Moment läuft und wem es etwas bringt, aber vor allem, wem es nichts bringt.

Die Menschen im Iran leiden unter einem Regime. Dieses Regime hält sich viel zu lange an der Macht. Es unterstützt weltweit Terrorismus und andere Regime, es unterdrückt seine Bürger und hält für frei denkende Menschen nichts bereit, das anstrebenswert wäre, und vieles, dem man nur mit Angst entgegensehen kann, wenn man davon betroffen ist. Wer Handel treibt mit Mitgliedern dieses Regimes, der ist moralisch nicht „schwierig“, der hat keine Moral.

Das Regime in Teheran muss abgelöst und beendet werden, die Macht zurück an jeden einzelnen Menschen im Iran gehen. Wer fragt, was danach kommt, dem bin ich bereit zuzuhören, solange er es nicht nur deswegen fragt, weil er ein Einfallstor sucht, wieso es besser sei, angesichts von Mord und Unterdrückung daneben zu stehen, statt einzugreifen.

Nüchtern gilt es festzuhalten: Die israelischen und US-amerikanischen Bombardements werden das Regime nicht stürzen. Wie sollen sie das auch?

Das einzige Mal, dass Schläge einer Luftwaffe dazu führten, dass ein Regime kapitulierte, waren die beiden Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, die dazu beitrugen, den Zweiten Weltkrieg zu beenden und das japanische Regime zur Kapitulation zu zwingen. Niemand wird Atomwaffen auf Teheran abwerfen. Die Situation dort ist eine andere.

Das Regime in Teheran kann sich, das zeigen die Massenproteste der letzten Wochen, schon lange nicht mehr auf die Bevölkerung in ihrer Mehrheit stützen. Man kann offen benennen, dass unklar ist, wann dies zuletzt der Fall war.

Aber das Regime in Teheran hat in den letzten Jahrzehnten, im Übrigen auch unterstützt von deutschen Betrieben, die immer noch sehr motiviert sind, judenhassenden Ländern Dinge zu liefern, von denen sie dann überrascht sind, wofür sie genutzt werden, einen Machtapparat aufgebaut, auch einen militärischen, der etwas anderes ist als die Hinterhofbasteleien der Hamas in Gaza. Und selbst in Gaza hat man gesehen, dass ohne Truppen auf dem Boden ein solches Regime nicht abzulösen ist. Und nach wie vor ist sogar unklar, ob das Regime in Gaza wirklich beendet ist.

Schaut man nun auf den Iran, gilt es nüchtern festzuhalten: Die USA werden keine Bodentruppen schicken, und Israel, selbst wenn es wollte, kann das realistisch nicht.

Unklar darf man momentan lediglich auf die Frage schauen, ob die Menschen, die so tapfer für all die armen Menschen in Gaza demonstriert haben und dann nicht einen Hauch von Empathie für die Menschen im Iran hatten, nun einen Weg finden, gegen die Militärschläge gegen das Regime auf die Straßen zu gehen. Meine persönliche These ist: Sie werden es hinbekommen, der Deutsche lässt den Moment nicht verstreichen, in dem er gegen Juden auf die Straße gehen kann. Aber das ist für die Betrachtung hier nachrangig. Entscheidend ist, es bräuchte eine Bodenoffensive, um das Regime in Teheran zu stürzen, und diese Bodenoffensive wird es nicht geben.

Es lässt mich ein wenig ratlos zurück, was ich mir eigentlich wünsche. Natürlich wünsche ich mir eine Bodenoffensive, damit das Regime in Teheran gestürzt wird. Aber wessen Kinder sollen da sterben? Wir waren es lange gewohnt, dass es im Zweifelsfall die Kinder der US-Mütter und -Väter sind. Nun kann man Donald Trump nicht vorwerfen, zu berechenbar in seiner Politik zu sein, aber es scheint zumindest heute, am Samstag, dem 28.2.2026, ausgeschlossen, dass US-Bodentruppen auf Teheran vorrücken werden.

Und was ist mit der Opposition im Iran? Das sind doch diejenigen, von denen der Deutsche beim Feierabendbier erwartet, dass sie für ihr Land kämpfen. Ja, und das tun sie auch. Und auch wenn die deutschen Medien, wieso auch immer, nicht konsequent über die Zehntausenden Toten in den letzten Wochen und Monaten berichten, gilt es doch festzuhalten, dass es sie gab und dass man einfach anerkennen muss, dass die militärische Macht des Regimes in Teheran größer ist als das, was die Demonstranten zu bieten haben.

Ich wünschte mir einen schönen Schluss für diesen Artikel. Ich habe ihn nicht, so wie es aktuell wohl auch keinen schönen Schluss für die Menschen gibt, die im Iran leben.

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