
Wie halogen ist E.T.?
Forscherinnen und Forscher der Universität Köln haben ein künstliches DNA-Basenpaar entwickelt, das nicht auf dem üblichen chemischen Prinzip beruht. Es geht in ihrer Arbeit nicht um Außerirdische. Und trotzdem lädt sie (mich zumindest) dazu ein, genau darüber einmal nachzudenken.
Bisher hatten wir ein ziemlich klares Bild von DNA: Sie besteht aus vier Bausteinen, die sich paarweise verbinden. Diese Paare halten durch sogenannte Wasserstoffbrücken zusammen – das sind schwache chemische Kräfte, die wie winzige Magnete wirken. So entstehen die zwei Stränge der berühmten Doppelhelix. Dieses Bauprinzip galt lange als eine Art Grundregel des Lebens, zumindest so, wie wir es von der Erde kennen. Wenn über außerirdische Organismen spekuliert wurde, stellte man sich meist vor, dass auch sie auf ähnlichen Bausteinen beruhen – vielleicht leicht verändert, aber nach demselben Grundmuster aufgebaut.
Das Kölner Team hat nun gezeigt, dass DNA auch anders funktionieren kann. Ihr künstliches Basenpaar nutzt nicht die üblichen Wasserstoffbrücken, sondern sogenannte Halogenbindungen. Dabei spielt ein Iod-Atom eine zentrale Rolle. Es wirkt wie eine gezielt platzierte Andockstelle, die zwei Bausteine zusammenführt. Entscheidend ist: Diese künstlichen Bausteine verbinden sich nicht nur im Reagenzglas stabil miteinander. Ein natürliches Enzym konnte sie sogar in eine wachsende DNA-Kette einbauen. Das zeigt, dass die chemischen Möglichkeiten des „genetischen Alphabets“ größer sind, als man lange dachte.
Und jetzt wird (meinerseits) mal spekuliert. Wenn selbst auf der Erde alternative chemische Kräfte Informationsspeicher wie DNA stabilisieren können, warum sollte das Universum auf genau eine Variante festgelegt sein? Angesichts von Milliarden Galaxien wirkt es gewagt, Leben ausschließlich nach unseren biochemischen Maßstäben zu suchen. Vielleicht existieren irgendwo Organismen, deren genetischer Code nicht nur anders aussieht, sondern auch anders zusammenhält.
Das heißt nicht, dass Außerirdische automatisch auf Halogenbindungen beruhen. Aber jede neue funktionierende Variante hier auf der Erde erweitert den Möglichkeitsraum. Vielleicht ist es auch einfach ein Ort mehr, an dem wir bislang nicht geschaut haben. Und es erinnert uns daran, dass wir bei der Suche nach Leben im All womöglich zu sehr nach dem Vertrauten suchen – statt nach dem, was grundsätzlich chemisch möglich ist.


