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Furcht fixer verlernen: Wie das Gehirn Angst abbaut

Angst ist lebenswichtig. Sie schützt uns vor Gefahren. Genauso wichtig ist aber die Fähigkeit, Angst wieder loszulassen, wenn keine Bedrohung mehr besteht. Wer etwa nach einem belastenden Erlebnis noch lange panisch reagiert, obwohl objektiv nichts mehr passiert, erlebt genau dieses Problem: Die Angst bleibt, obwohl sie nicht mehr nötig ist.

Ein Forschungsteam der Ruhr-Universität Bochum hat nun gezeigt, dass sich dieser Lernprozess gezielt beeinflussen lässt. In Experimenten mit Mäusen fanden die Wissenschaftlerinnen heraus, dass bestimmte Nervenzellen im Gehirn dabei eine Schlüsselrolle spielen.

Die Tiere hatten gelernt, auf ein bestimmtes Signal mit Angst zu reagieren. Normalerweise schwächt sich diese Reaktion ab, wenn das Signal wiederholt auftritt, ohne dass etwas Negatives folgt. Die Forschenden konnten nun gezielt die Aktivität einer bestimmten Gruppe von Nervenzellen verändern. Wurden diese Zellen aktiviert, verloren die Mäuse ihre Angst deutlich schneller. Wurden sie gehemmt, hielt die Angst länger an.

Bereits in einer früheren Studie hatte das Team gezeigt, dass Mäuse ohne eine bestimmte Andockstelle für den Botenstoff Serotonin erlernte Angst schneller abbauen. Man könnte daraus schließen, Serotonin sorge grundsätzlich dafür, dass Angst länger anhält. So pauschal lässt sich das aber nicht sagen. Serotonin wirkt im Gehirn über verschiedene Andockstellen und in unterschiedlichen Regionen. Je nach Signalweg kann es Angst verstärken, abschwächen oder Lernprozesse beeinflussen. In diesem Fall geht es um einen speziellen Mechanismus, der offenbar steuert, wie schnell das Gehirn lernt, dass eine Situation nicht mehr gefährlich ist.

Die Ergebnisse helfen besser zu verstehen, wie Angst im Gehirn reguliert wird – und warum sie sich manchmal nur schwer abbauen lässt. Das ist auch für die Behandlung von Angststörungen und Traumafolgen von Bedeutung.

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