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Max-Planck-Forscher zu KI: “Neu ist die Qualität der Autonomie”
Neue KI-Sprachmodelle können Cyberangriffe nicht nur sprachlich vorbereiten, sondern technische Teilschritte zunehmend eigenständig ausführen. Darauf weist das Max-Planck-Institut für Sicherheit und Privatsphäre in Bochum hin. Gemeint sind sogenannte agentische Modelle wie Claude Mythos von Anthropic oder ChatGPT-5.5 von OpenAI. Sie können Aufgaben planen, Werkzeuge einsetzen, Ergebnisse prüfen und Fehlversuche in weiteren Schritten korrigieren. Der Informatiker Prof. Dr. Thorsten Holz beschreibt den Unterschied zu früheren Modellen mit der Qualität der Autonomie. Bisherige Systeme konnten etwa Phishing-Texte erstellen oder bei der Analyse von Code helfen. Neuere Modelle sind stärker darauf ausgelegt, mehrstufige Aufgaben selbständig zu bearbeiten. Für die Cybersicherheit ist das relevant, weil Angriffe häufig aus wiederholtem Testen, Anpassen und erneutem Ausführen…
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Satelliten zeigen: So unruhig sind wir wirklich
Nachts wirkt die Erde aus dem All wie ein gleichmäßig heller Planet. Doch das stimmt nicht. Forscher der University of Connecticut, der NASA und der Ruhr-Universität Bochum haben erstmals tägliche Satellitendaten ausgewertet. Ihr Ergebnis: Unser nächtliches Licht ist alles andere als stabil. Es flackert, schwankt und verändert sich ständig. Im Schnitt wird die Erde zwar jedes Jahr etwas heller – etwa zwei Prozent. Doch dieser Wert täuscht. In vielen Regionen nimmt das Licht stark zu, in anderen geht es deutlich zurück. In helleren Gebieten stiegen die Werte um rund ein Drittel, anderswo sanken sie fast genauso stark. Am Ende bleibt nur ein kleines Plus – aber dahinter stecken große Unterschiede.…
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Furcht fixer verlernen: Wie das Gehirn Angst abbaut
Angst ist lebenswichtig. Sie schützt uns vor Gefahren. Genauso wichtig ist aber die Fähigkeit, Angst wieder loszulassen, wenn keine Bedrohung mehr besteht. Wer etwa nach einem belastenden Erlebnis noch lange panisch reagiert, obwohl objektiv nichts mehr passiert, erlebt genau dieses Problem: Die Angst bleibt, obwohl sie nicht mehr nötig ist. Ein Forschungsteam der Ruhr-Universität Bochum hat nun gezeigt, dass sich dieser Lernprozess gezielt beeinflussen lässt. In Experimenten mit Mäusen fanden die Wissenschaftlerinnen heraus, dass bestimmte Nervenzellen im Gehirn dabei eine Schlüsselrolle spielen. Die Tiere hatten gelernt, auf ein bestimmtes Signal mit Angst zu reagieren. Normalerweise schwächt sich diese Reaktion ab, wenn das Signal wiederholt auftritt, ohne dass etwas Negatives folgt.…
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Wir glauben, was wir klicken
Man liest eine Schlagzeile, klickt darauf, scrollt weiter – und ein paar Tage später begegnet einem dieselbe Aussage wieder. Plötzlich klingt sie vertraut. Und was vertraut klingt, wirkt oft glaubwürdiger. Selbst dann, wenn man gar nicht mehr genau weiß, woher man die Information kennt. Genau dieses Phänomen haben Forscherinnen und Forscher der Ruhr-Universität Bochum untersucht. Die Grundidee dahinter ist nicht neu: Je öfter wir eine Aussage hören oder lesen, desto eher halten wir sie für wahr. Das nennt man den sogenannten Truth-Effekt. Wichtig ist der Unterschied zu einem ähnlichen Mechanismus, dem Mere-Exposure-Effekt. Der bedeutet: Was wir häufiger sehen, finden wir sympathischer oder angenehmer. Beim Truth-Effekt geht es jedoch nicht um…
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Warum wir bei Bauchschmerzen besonders mitfühlen
Fast jeder kennt es: Bauchschmerzen vor einer Prüfung. Bauchweh nach schlechtem Essen. Und wenn dann jemand sagt: „Ich habe Bauchschmerzen“, reagiert man oft mit: „Oh je, das ist übel. Das tut mir echt leid,“ oder ähnlichem, in jedem Fall mit irgendeinem Ausdruck von Mitleid und Mitgefühl. Vielleicht kommen Zahnschmerzen noch in die Nähe, oder Regelschmerzberichte unter Frauen – aber Bauchschmerz hat da irgendwie etwas Besonderes. Wir nehmen ihn sehr ernst. Und wir leiden oft stärker mit. Und genau dieses „irgendwie etwas Besonderes“ haben Forscherinnen und Forscher der Ruhr-Universität Bochum untersucht. Schmerzen aus dem Körperinneren – etwa Bauchschmerzen – werden nicht nur als intensiver empfunden als äußere Schmerzen wie Hitzeschmerz auf…
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6G: so arbeitet Bochum an den Grundlagen
An der Ruhr-Universität Bochum startet Anfang 2026 das Forschungsprojekt „6GEM+“. Ziel ist es, Grundlagen für die nächste Mobilfunkgeneration 6G zu entwickeln und für industrielle Anwendungen nutzbar zu machen – etwa in der Produktion oder Logistik. Das Projekt läuft vier Jahre und wird im Rahmen des Bundesprogramms „6G-Transfer-Hubs“ mit 25 Millionen Euro gefördert. 6G soll mehr leisten als heutige Mobilfunknetze. Während 5G vor allem schnelle Datenübertragung ermöglicht, sollen künftige Netze gleichzeitig extrem zuverlässig, sehr reaktionsschnell und deutlich energieeffizienter sein. Man kann es sich vorstellen wie einen Verkehrsknotenpunkt, der auch bei hohem Andrang, schlechtem Wetter und Baustellen reibungslos funktioniert.
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Quantentechnologie in NRW: Düsseldorf und Bochum liefern
Quantentechnologie kann eine Schlüsseltechnologie der Zukunft sein, vieles spricht dafür. Ob Kommunikation, Simulation oder Computing – es winken Anwendungen mit enormem Potenzial. Klassische Computer stoßen an ihre Grenzen, viele Probleme bleiben unlösbar. Quantenphysik eröffnet neue Zugänge – vorausgesetzt, Material, Theorie und Technik greifen ineinander. Genau hier setzt aktuelle Forschung in NRW an.
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Was uns versorgt – und was das über uns sagt
Stromnetze, Wasserleitungen, Verkehrswege – Infrastrukturen versorgen uns. Aber sie zeigen auch, was eine Gesellschaft für lebensnotwendig hält. Eine neue Forschungsgruppe an der Ruhr-Universität Bochum will genau das untersuchen: Wie Infrastrukturen Vorstellungen vom guten Leben prägen, wer versorgt wird – und wer nicht. Unter Leitung von Prof. Dr. Jörn Etzold (Theaterwissenschaft) rücken dabei nicht nur technische, sondern auch ästhetische und gesellschaftliche Fragen in den Fokus. Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft ab Oktober 2025, vereint das Projekt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus sechs Ländern. Gemeinsam erforschen sie die historischen und gegenwärtigen Spuren kolonialer, industrieller und extraktiver Infrastrukturen – und fragen, wie man sie sichtbar machen kann.






















