Meinung,  Politik

Gebt Amthor seinen Strandkorb wieder!

Philipp Amthor hat sich von seinem Strandkorb getrennt. Wieso? Weil eine angeblich menschliche Meute im Internet sich darüber empörte, dass das ja nicht sein könne, dass der Politiker auf dem Balkon seines Büros einen solchen Strandkorb habe.

Angeblich menschlich deswegen, weil es eine Empörung ist, die vor allem durch das Internet grassierte. Bots machen einen erheblichen Teil der Kommunikation in sozialen Netzwerken aus, und betrachtet man den gesamten Web-Traffic, so machen sie sogar über 50 Prozent aus.

Es zeigt sich hier ein generelles Problem, nämlich dass sowohl Journalisten als auch Politiker nach wie vor Empörung im Netz mit echter Empörung verwechseln. Vielleicht auch deswegen, da sie vermeintlich sichtbarer ist und man insbesondere auch bei Redaktionen das Gefühl hat, hier einfach Stimmen in beide Richtungen für Artikel abgreifen zu können. Es sei hier keine einzelne Redaktion genannt, aber manchmal spiegelt sich ein Stern.

Wie problematisch ist also Philipp Amthors Strandkorb wirklich?

Die Antwort ist zu erahnen: gar nicht.

Es kann nicht sein, dass wir in der Wirtschaftspsychologie davon sprechen, dass Menschen dann am produktivsten sind, wenn sie ein angenehmes Arbeitsumfeld haben, und bei einer Gen Z lobend anerkennen müssen – gerade diejenigen, die nicht zur Gen Z gehören –, dass sie ein vernünftiges Verhältnis dazu entwickelt, wie Arbeit und Freizeit miteinander vereinbar sind.

Nun gehört Philipp Amthor zwar nicht per Definition zur Gen Z, aber man kann wirklich einem Menschen nicht vorwerfen, wenn er sich mehr um moderne Konzepte bemüht, als sein Alter vermuten ließe.

Man könnte ansonsten sicherlich Leuten vorwerfen, dass sie nicht an den Drift der Kontinentalplatten glauben oder den menschengemachten Klimawandel leugnen. Aber das ist wieder mal eine andere Geschichte und soll wieder mal ein anderes Mal erzählt werden.

Philipp Amthor hatte also nun aus eigener Tasche einen Strandkorb finanziert und baut diesen nun also ab.

Es ist eine Kapitulation. Eine erneute Kapitulation vor den Wutbürgern und sozialen Neidern da draußen im Land und der überwältigenden Anzahl von Bots, Trollfabriken und KI-Agenten.

Es ist wieder einmal der Sieg der Wut nicht nur über die Ratio, sondern über alle anderen Gefühle.

Wieso gönnen wir Philipp Amthor nicht einfach seinen Strandkorb?

Wieso denken wir uns nicht einfach: Ach cool, das freut mich für ihn. Ich hätte auch gerne so was. Cool, dass er das hinbekommt.

Weil wir über die letzten Jahre gelernt haben, in Neid und Missgunst dem gegenüber zu versinken, der es vermeintlich besser hat als wir.

Niemand will wirklich zur Kenntnis nehmen, wie lang der Arbeitstag eines Bundestagsabgeordneten mitunter ist. Und zwar deswegen, weil allein die Annäherung an diese Frage für viele etwas beinhaltet, was in ihr gar nicht drinsteht.

Die Frage „Weißt du, wie viel ein Bundestagsabgeordneter am Tag arbeitet?“ ist nämlich nicht: „Ich aber auch und noch viel mehr“, sondern schlicht: „Nein, weiß ich nicht.“

Die Anerkennung der Leistung anderer ist keine automatische Abwertung der eigenen Leistung. Gönnen können heißt nicht, dass das Eigene weniger wert ist.

Neid und Gier waren nie gute Ratgeber, gesellschaftlich sowieso nicht, aber auch auf persönlicher Ebene nicht.

Und deswegen kann man nur sagen: Gebt Philipp Amthor seinen Strandkorb wieder!

Möge er ihm bei der Entspannung nach einem harten Arbeitstag helfen. Möge er ihm Zufriedenheit bringen und möge er mitunter auch dazu beitragen, dass er bemüht ist, diese Zufriedenheit in seiner Regierungsarbeit an Bürgerinnen und Bürger weiterzugeben.

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