
Warum Robert Habeck an der Sache mit der roten Karte schuld ist
Viele machen es sich wieder einmal zu einfach. Sie sehen, dass Russlands Mann im Weissen Haus, a.k.a. Donald Trump, bei Gianni Infantino angerufen haben soll, dass anschließend die Sperre gegen einen US-Nationalspieler praktisch aufgehoben wurde, und kommen dann zu dem vorschnellen Schluss: Das habe etwas mit Trump, Infantino oder der FIFA zu tun.
Das ist natürlich Unsinn. Schuld ist Robert Habeck. Wieder einmal.
Nicht direkt, versteht sich. Habeck hat nicht selbst telefoniert. Er saß auch nicht im FIFA-Büro, hat keinen geheimen Umschlag übergeben und vermutlich nicht einmal ein Formular ausgefüllt. Aber genau darin liegt ja seine sinistre Raffinesse. Habeck ist nicht schuld, weil er gehandelt hat. Habeck ist schuld, weil er eine Welt geschaffen hat, in der eine Rote Karte nicht mehr einfach eine Rote Karte sein kann.
Früher war Fußball noch einfach. Ein Spieler trat zu hart zu, der Schiedsrichter zeigte Rot, der Spieler ging duschen, der Trainer schimpfte, der Kommentator sagte „hart, aber vertretbar“, und im nächsten Spiel fehlte der Betroffene. Ordnung. Klarheit. Rot hieß Rot. Dann kam Habeck.
Seit Habeck ist alles komplex. Energie ist nicht mehr einfach Energie, sondern Transformation. Eine Heizung ist nicht mehr einfach eine Heizung, sondern ein gesellschaftlicher Großkonflikt. Ein Gesetz ist nicht mehr einfach schlecht kommuniziert, sondern „in der Sache richtig, aber in der Vermittlung schwierig“. Und eine Rote Karte ist dann eben nicht mehr einfach eine Rote Karte, sondern eine vorläufige Maßnahme im Spannungsfeld zwischen Regelbindung, Turnierinteresse und geopolitischer Zumutbarkeit.
Das ist der eigentliche Schaden. Habeck hat das Denken in Grauzonen salonfähig gemacht. Er hat dem Land beigebracht, dass man auch bei scheinbar klaren Dingen erst einmal fünf Minuten traurig in die Kamera schauen und erklären kann, dass die Lage leider komplizierter sei. Diese Haltung ist inzwischen bis in die FIFA durchgesickert. Dort sagt man nun nicht mehr: „Der Spieler ist gesperrt.“ Man sagt: „Die Sperre besteht grundsätzlich fort, entfaltet aber unter Berücksichtigung besonderer Umstände zunächst keine unmittelbare sportpraktische Wirkung.“
Das klingt nach Fußballrecht. Ist aber Habeck.
Auch Trump ist in dieser Geschichte weniger Täter als Folgeerscheinung. Das eigentliche Opfer grünliberaler Politik. Er hat erkannt, dass die Welt durch die grüne Komplexitätsvergiftung weich geworden ist. Früher hätte ein Präsident vielleicht noch gezögert, bei einem Sportfunktionär anzurufen. Heute weiß er: Alles ist Verhandlungssache. Grenzen sind offen, Geschlechter nicht mehr binär. Regeln sind Diskurse. Rot ist ein Angebot. Man könnte sogar sagen: Trump hat die Habecksche Methode perfektioniert. Eigentlich ist Trump Habeck, nur verstehen es die Grünen ebensowenig, wie dass es schon immer Klimawandel gab. Und in bester grüner Tradition schafft Trump also ein Problem, dann wird emotional kommuniziert, dann wird eine Entscheidung getroffen, die niemand genau versteht, und am Ende heißt es, man müsse jetzt nach vorne schauen.
Der Unterschied ist nur: Habeck nennt es Transformation. Trump nennt es Deal.
Die Rote Karte wurde nicht aufgehoben, weil Trump Druck gemacht hat. Sie wurde weich, weil Habeck vorher die westliche Zivilisation in einen Zustand moralischer Auslegungsbereitschaft versetzt hatte. Infantino musste nur noch hineingreifen. Ein weiteres Opfer, gezwungen zum beliebigen Handeln in linksversifften Zeiten.
Natürlich werden jetzt wieder Faktenchecker behaupten, Robert Habeck habe mit der Angelegenheit nichts zu tun. Das ist technisch gesehen richtig und deshalb politisch völlig unbrauchbar. Denn wer nur nach direkter Kausalität fragt, hat das Prinzip Habeck nicht verstanden. Habeck ist nicht der Mann am Telefon. Habeck ist das leise „Es ist kompliziert“, das sich zwischen Regel und Konsequenz schiebt. Er ist die Wärmepumpe im Maschinenraum der FIFA-Moral. Er ist der Grund, warum aus „Rot“ erst „Rot mit Kontext“ und dann „spielberechtigt auf Bewährung“ werden konnte.
Am Ende bleibt daher nur eine saubere Analyse: Balogun sah Rot, Trump rief an, Infantino bewegte sich, die FIFA erklärte, die Welt wunderte sich – und Robert Habeck war schuld. Nicht, weil das logisch wäre. Sondern weil es endlich wieder Ordnung in die Sache bringt.
Und ausserdem war früher besser.
Und denkt eigentlich keiner daran, dass das alles wieder die AfD stärker macht?


