
Gegen die Einsamkeit: Die smarte Parkbank
Einsamkeit wird zu einem immer größeren gesellschaftlichen Problem. Die Weltgesundheitsorganisation WHO behandelt fehlende soziale Kontakte inzwischen als ernstes Gesundheitsrisiko. Sie können unter anderem mit Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einem erhöhten Risiko für einen frühen Tod verbunden sein.
Social Media kann Menschen verbinden und Kontakte erhalten. Aber Bildschirmkontakte sind offenbar keine einfache Lösung gegen Einsamkeit. Forscher der Universität Siegen drehen die Frage deshalb um: Was wäre, wenn Technik uns nicht noch länger auf einen Bildschirm schauen ließe – sondern dazu brächte, mit dem Menschen neben uns zu sprechen?
Im Oktober 2026 startet dort das Forschungsprojekt ENACT. Rund zwei Millionen Euro stellt die VolkswagenStiftung dafür bereit. Fünf Jahre lang soll untersucht werden, wie intelligente Technik soziale Begegnungen im öffentlichen Raum unterstützen könnte.
Dabei geht es bewusst um ungewöhnliche Ideen. Eine bewegliche Parkbank könnte Menschen wiederholt zufällig zusammenbringen. Eine intelligente Bushaltestelle könnte versuchen, bei einem Streit zwischen Wartenden zu vermitteln. Gebaut werden soll die smarte Streitschlichter-Haltestelle aber zunächst nicht.
Die Forscher wollen mögliche Technologien im Theater und auf öffentlichen Plätzen ausprobieren und beobachten, was passiert. Fühlen Menschen sich tatsächlich stärker verbunden? Oder geht ihnen die helfende Technik nach fünf Minuten gewaltig auf die Nerven? Genau diese Frage gehört zum Experiment. Denn Technik im öffentlichen Raum ist nicht automatisch neutral oder hilfreich. Sie kann Menschen auch bevormunden, überwachen oder schlicht stören. ENACT soll deshalb herausfinden, welche Anwendungen wünschenswert wären – bevor Städte sie tatsächlich aufstellen.
Vielleicht braucht die digitale Zukunft am Ende also nicht noch ein soziales Netzwerk.
Vielleicht braucht sie eine Parkbank.


