
Warum unser Gehirn unterschiedlich altert
Warum bleiben manche Menschen bis ins hohe Alter geistig fit, während andere früher abbauen? Zwei internationale Studien mit Beteiligung des Forschungszentrums Jülich zeigen: Eine einfache Antwort gibt es nicht. Das Gehirn altert nicht wegen eines einzelnen Faktors. Viele Einflüsse wirken zusammen.
Die Forschenden sprechen vom Exposom. Damit meinen sie alle Umwelt- und Lebensfaktoren, die einen Menschen im Laufe seines Lebens prägen. Dazu gehören Ernährung, Bewegung, Rauchen, Alkohol, Krankheiten, Luftqualität, soziale Lage und der Zugang zu medizinischer Versorgung.
Eine Studie in Nature Communications nutzte Daten der UK Biobank. Die Forschenden werteten mehr als 260 Faktoren aus und verbanden sie mit MRT-Daten des Gehirns. Dabei setzten sie auch KI-gestützte Modelle ein. Besonders wichtig waren Herz-Kreislauf-Gesundheit, Stoffwechsel, Rauchen, Alkohol und Ernährung.
Die Studie zeigt: Es zählt nicht nur, ob ein Risikofaktor vorhanden ist. Wichtig ist auch, wie lange er wirkt und in welcher Lebensphase. Wer über viele Jahre Bluthochdruck hat oder raucht, kann ein höheres Risiko für ungünstige Veränderungen im Gehirn haben.
Eine zweite Studie in Nature Medicine betrachtete Daten von rund 18.700 Menschen aus 34 Ländern. Hier ging es stärker um äußere Lebensbedingungen. Auch Luftverschmutzung, Klima, soziale Ungleichheit und Unterschiede in der Gesundheitsversorgung stehen demnach mit der Gehirnalterung in Verbindung.
Die Ergebnisse machen deutlich: Gehirngesundheit ist beeinflussbar. Bewegung, Ernährung und medizinische Vorsorge können eine Rolle spielen. Aber auch die Umgebung zählt. Saubere Luft, gute Gesundheitsversorgung und stabile soziale Bedingungen können dazu beitragen, dass Menschen gesünder altern.
Für die Demenzprävention ist das wichtig. Wer Risiken früher erkennt, kann gezielter vorbeugen. Die Studien zeigen aber auch: Prävention ist nicht nur eine private Aufgabe. Sie hängt auch davon ab, unter welchen Bedingungen Menschen leben.


