
Trumps Amerika – Moskaus billiger Feigling
Es gab eine Zeit, da war die amerikanische Idee größer als Amerika selbst. Es begann lange vor Demokraten und Republikanern. George Washington sprach 1789 vom „heiligen Feuer der Freiheit“. Amerika sollte nicht einfach nur funktionieren. Es sollte etwas bedeuten – auch für Menschen, die keine Amerikaner waren.
John F. Kennedy, Demokrat, versprach 1961, jeden Preis zu zahlen, jede Last zu tragen, jeden Freund zu unterstützen und jedem Gegner entgegenzutreten, damit Freiheit überlebt. Ronald Reagan, Republikaner, formulierte denselben Anspruch anders. Amerika war für ihn die „shining city upon a hill“: eine leuchtende Stadt auf dem Hügel, sichtbar für die Welt, offen für Menschen, die Freiheit suchen. In seiner Abschiedsrede beschrieb er sie als Leuchtfeuer und Magnet für jene, die aus den verlorenen Orten der Welt in die Freiheit streben.
George H. W. Bush, Republikaner, sprach 1990 von einer Ordnung, in der das Recht das Gesetz des Dschungels ersetzt und die Starken die Rechte der Schwachen achten. Sein Sohn erklärte 2005, Amerikas eigene Freiheit hänge zunehmend vom Erfolg der Freiheit in anderen Ländern ab. Barack Obama, Demokrat, sagte 2013 in Berlin, amerikanische Werte verlangten, sich um Menschen zu kümmern, denen man niemals begegnen werde.
Demokrat. Republikaner. Demokrat. Republikaner.
Natürlich war amerikanische Außenpolitik nie reine Menschenliebe. Staaten haben Interessen. Der Marshallplan war auch Machtpolitik, Bündnisse dienten auch amerikanischer Sicherheit. Aber der Anspruch ging darüber hinaus: Macht verpflichtet. Freiheit kostet. Bündnisse sind keine Kundenbeziehungen. Und manchmal hilft man anderen auch deshalb, weil man glaubt, dass es richtig ist. Und weil man es einfach kann. Weil die Starken den Schwachen helfen, in Freiheit zu leben.
Dann Donald Trump. „America First“.
Die Meinung, dass die europäischen NATO-Staaten mehr für ihre Verteidigung ausgeben sollten – an sich nicht falsch. Aber es geht für Trump nicht ohne Drohungen, ohne Abwertungen. Auss Bündnissen macht er Rechnungen, wie bei einer McDonalds Bestellung zu seinem Golfplatz. Unterstützung wird danach bewertet, was sie Amerika einbringt. Partner sollen zahlen, kaufen, liefern. Die Frage lautet kaum noch: Was verteidigen wir gemeinsam? Sondern: Was springt für uns dabei heraus?
Es ist die freiwillige Verzwergung einer Weltmacht. Die Abkehr von Bündnissen, der Versuch, Vasallenstaaten zu schaffen, und die dann auch wieder zu beschämen.
Moskau muss Trump dafür nicht gekauft oder gesteuert haben. Es reicht, auf das Ergebnis zu schauen: Je weniger verlässlich Washington ist, je stärker westliche Bündnisse zu Geschäftsbeziehungen degradiert werden und je mehr Amerika sich aus der Rolle des Garanten einer freiheitlichen Ordnung zurückzieht, desto günstiger ist das für Russland. Russisches Gas ist in Europa günstiger als Trump-Gas.
Reagan wollte eine leuchtende Stadt auf dem Hügel. Kennedy wollte Lasten tragen. Bush wollte, dass die Starken die Rechte der Schwachen achten. Obama sprach von Verantwortung für Menschen, die man nie treffen wird.
Trump fragt nach dem Preis. Und glaubt, dass der zwischen Staaten in Dollar oder Euro gemessen wird.
Vielleicht ist genau das das Erschreckende. Amerika wird nicht von Moskau besiegt. Es entscheidet sich selbst dafür, kleiner zu werden. Aus Reagans „shining city upon a hill“ wird ein Kassenhäuschen am Fuß des Hügels.
Und Moskau bekommt die Rechnung nicht einmal.


