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Auch hier wurden Bücher verbrannt – Führung und Lesung in Dortmund

Die Erforschung und Dokumentation von Orten innerhalb Deutschlands, an denen Bücher im Jahr 1933 von Nationalsozialistinnen und Nationalsozialisten verbrannt wurden, macht sich das Projekt „Verbrannte Orte: Orte der nationalsozialistischen Bücherverbrennungen“ zur Aufgabe. Im Mittelpunkt stehen dabei gerade jene Orte, die – anders als die heute weithin bekannte nationalsozialistisch inszenierte Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz (heute Bebelplatz) – oftmals aus dem öffentlichen Gedächtnis verschwunden sind. von unserer Gastautorin Charlotte Lenger.


Auch Dortmund, Bochum und Essen gehören zu den über 160 Orten, die bislang verzeichnet werden können. So heißt es auf der Website:

„Das Projekt soll Unsichtbares sichtbar machen und damit eine für alle zugängliche Informationsplattform zu den Orten der Bücherverbrennungen schaffen. Es soll Sorge tragen, dass diese Orte nicht weiter in Vergessenheit geraten.“

Überzeugt von der nationalsozialistischen Ideologie und der damit verbundenen Praxis der Vernichtung missliebiger Literatur und Kultur waren es nicht allein Parteiangehörige, sondern vor allem Bildungseliten, Hochschullehrende, Studierende und Intellektuelle, die flammende Reden hielten und der (mit Sicherheit auch zustimmenden) Öffentlichkeit demonstrierten, wozu sie in der Lage waren. Organisiert, durchgeführt und begleitet wurde das Ganze von SA, SS, dem Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) und der Hitlerjugend (HJ). Laut Presseberichterstattung sollen es um die 50.000 Dortmunderinnen und Dortmunder gewesen sein, die dem Spektakel beiwohnten. Zur Erinnerung regt heute nur noch (aber immerhin) eine Gedenktafel des Künstlers Michael Odenwaeller aus Bronze an.

Eine Kooperation der Arbeitsstelle Zukunft braucht Erinnerung – Jugendring Dortmund, der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, des Max-Planck-Gymnasiums Dortmund, des Vereins Verbrannte Orte e.V. und der Volkshochschule Dortmund bietet bereits seit dem 08. Mai und noch bis zum 03. Juni 2026 eine öffentlich zugängliche Ausstellung in den Räumen der VHS an, die über die Hintergründe, Orte und den lokalhistorischen Bezug zu Dortmund informiert. Wenn man darüber hinwegsehen kann, dass sich einem die Reihenfolge, in der die Ausstellung angebracht wurde, nicht gänzlich erschließt (trotz Nummerierung), ist dies eine sehr gute Möglichkeit, sich von engagierten und bewanderten Tour-Guides der Steinwache Dortmund durch die Ausstellung führen zu lassen.

Eine letzte Gelegenheit zur Führung durch die Ausstellung besteht morgen (30. Mai 2026) um 14:00 Uhr.

Zum Gedenken an den Tag, an dem vor 93 Jahren auch in Dortmund Bücher von intellektuellen Autorinnen und Autoren brannten, findet morgen, am 30. Mai 2026, außerdem eine Lesung am Ort des Geschehens, dem Hansaplatz in Dortmund, statt.
Wer mehr zu den verbrannten und verfemten Autorinnen und Autoren wissen möchte, sogar ihre Worte – der NS-Ideologie und ihren ausführenden Unterstützerinnen und Unterstützern zum Trotz – hören möchte, der bekommt morgen ab 18:00 Uhr die Möglichkeit dazu.
Neben Texten der Pazifistin und Autorin Annette Kolb (1870-1967), werden Auszüge von Hilde Domin (1909-2006), Gina Kaus (1893-1985) und sogar dem Dortmunder Juristen Curt Bloch (1908-1975) zu vernehmen sein, der im Niederländischen Exil in den frühen 1940er Jahren seine handgeschriebene Untergrundzeitschrift Het Onderwater-Cabaret vertrieb.

Im Gegensatz zu andern Dichtern, 
Die euch in einen Rausch versetzt, 
Will ich euch gern vom Rausch entnüchtern, 
Fühlt euch drum bitte nicht verletzt!
Und wirkt meine Gardinenpredigt, 
Seht ihr die alten Fehler ein, 
Dann fühle ich mich reich entschädigt 
Und wird mir’s ein Vergnügen sein.

Auszug aus: „An meine deutschen Leser“ Het Onderwater-Cabaret, 3. Juni 1944

VHS Dortmund, Kampstraße 47, 1. OG
geöffnet Montag bis Freitag, 8–20:00 Uhr (außer Feiertage)

Ausstellung vom 8. Mai bis 3. Juni 2026
Führung am 30. Mai um 14:00 Uhr (Anmeldung ist nicht notwendig)

Lesung am 30. Mai um 18:00 Uhr (am Hansaplatz)

Link zur Führung durch die Ausstellung:
https://www.dortmund.de/dortmund-erleben/veranstaltungskalender/termin_131755.html

Link zur Lesung:
https://www.dortmund.de/dortmund-erleben/veranstaltungskalender/termin_125724.html

Link zum Onlineatlas zu den Orten der nationalsozialistischen Bücherverbrennungen 1933:
https://verbrannte-orte.de

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