
Reporter ohne Grenzen kritisiert neue US-Visavorgaben
Die US-Regierung hat neue Visaregeln für ausländische Journalistinnen und Journalisten beschlossen. Künftig dürfen viele von ihnen zunächst nur noch 240 Tage in den Vereinigten Staaten bleiben. Anschließend muss eine Verlängerung beantragt werden. Für Medienschaffende aus China gelten noch strengere Vorgaben: Ihre Visa sollen auf 90 Tage begrenzt werden.
Reporter ohne Grenzen (RSF) kritisiert die Änderungen scharf. Die Organisation warnt, dass internationale Korrespondentinnen und Korrespondenten dadurch dauerhaft in Unsicherheit leben müssten. Wer alle acht Monate erneut um seine Aufenthaltserlaubnis bangen müsse, könne langfristige Recherchen oder Berichterstattungen nur schwer planen.
Nach Angaben der US-Regierung sollen die neuen Regeln eine häufigere Überprüfung der Visainhaber ermöglichen. Bislang wurden Visa für ausländische Journalistinnen und Journalisten in der Regel für fünf Jahre ausgestellt. Die verschärften Vorgaben waren bereits im August 2025 angekündigt worden.
Reporter ohne Grenzen sieht darin jedoch ein erhebliches Missbrauchsrisiko. Die Organisation befürchtet, dass Behörden Visa künftig gezielt nicht verlängern könnten, wenn Journalistinnen oder Journalisten kritisch über Regierung oder Behörden berichten. In autoritär regierten Staaten gilt diese Praxis seit Jahren als bekanntes Mittel, um unliebsame Berichterstattung zu erschweren oder ganz zu verhindern.
Die neuen Visaregeln sind nach Einschätzung von RSF Teil einer breiteren Entwicklung. So geht die US-Regierung nach Angaben der Organisation derzeit verstärkt gegen Veröffentlichungen geheimer Informationen vor. In den vergangenen Wochen wurden unter anderem Journalistinnen und Journalisten der New York Times vorgeladen. Sie sollten im Zusammenhang mit Berichten über Sicherheitsprobleme der neuen Präsidentenmaschine Air Force One aussagen. Die Zeitung wehrt sich juristisch gegen diese Vorladungen. Auch Mitarbeitende des Wall Street Journal und der Washington Post waren zuvor von ähnlichen Maßnahmen betroffen.
Die US-Regierung begründet ihr Vorgehen mit dem Schutz der nationalen Sicherheit und der Bekämpfung unerlaubter Informationsweitergaben. Kritiker befürchten dagegen, dass investigativer Journalismus dadurch erschwert werden könnte.
In der aktuellen Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen belegen die USA Platz 64 von 180 Staaten.


