
Was kann KI bei psychischen Problemen?
Künstliche Intelligenz verspricht Hilfe bei psychische Erkrankungen. Was der Staat dem Einzelnen vorenthält, soll die KI richten. Doch was leisten Chatbots, Apps und Smartwatches tatsächlich – und wo liegen ihre Grenzen? Darauf weisen Forschende der Max-Planck-Gesellschaft in aktuellen Mitteilungen hin.
In Deutschland leidet etwa jeder vierte Erwachsene im Laufe eines Jahres an einer psychischen Störung. Gleichzeitig vergehen im Schnitt mehrere Monate, bis eine Psychotherapie beginnt. Genau hier setzen digitale Angebote an: Sie sollen Wartezeiten überbrücken, den Alltag strukturieren und Menschen zwischen Therapiesitzungen begleiten.
Doch „KI“ ist nicht gleich KI. Forscher unterscheiden zwischen verschiedenen Systemen: Apps zur Selbsthilfe, medizinisch geprüfte Onlineprogramme und dialogbasierte Chatbots erfüllen unterschiedliche Funktionen. Einige Anwendungen – sogenannte Digitale Gesundheitsanwendungen – können von Ärzten verschrieben werden und bieten strukturierte Programme gegen Depressionen oder Angststörungen.
Andere Technologien setzen früher an. Wearables wie Smartwatches erfassen Bewegungs- und Schlafdaten und können Veränderungen im Verhalten sichtbar machen. Ziel ist es, erste Warnsignale zu erkennen, bevor sich Symptome verschärfen. Forschende arbeiten deshalb an sogenannten Biomarkern – objektiven Messgrößen, die psychische Zustände genauer beschreiben sollen als bisherige Diagnosen.
Besonders stark wächst der Bereich der Chatbots. LLMs wie ChatGPT werden von Nutzern als Gesprächspartner erlebt. Studien zeigen: Ein Teil junger Menschen nutzt solche KI bereits, um mit Stress oder Ängsten umzugehen. Das Problem: Die Systeme wirken verständnisvoll, ohne tatsächlich zu verstehen.
Genau hier sehen Forscher Risiken. KI könne Nähe simulieren und dadurch Erwartungen erzeugen, die sie nicht erfüllen kann. In sensiblen Situationen, etwa bei suizidalen Gedanken, kann das problematisch werden. Deshalb entstehen derzeit Projekte, die solche Systeme unter kontrollierten Bedingungen testen. Ein Beispiel ist „Elderbot“, ein speziell entwickelter Chatbot für ältere Menschen, der wissenschaftlich begleitet und überwacht wird.
Digitale Helfer können psychische Versorgung also sinnvoll ergänzen – aber (noch?) nicht ersetzen. Entscheidend ist nicht die technische Leistungsfähigkeit, sondern der Rahmen: transparente Entwicklung, wissenschaftliche Prüfung und Einbindung in bestehende Versorgungssysteme.


