
Wie AfD ist Ihre Milch?
Als die AfD die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gewann, schrieb Theo Müller ihrer Bundesvorsitzenden Alice Weidel: „Gratuliere zum sensationellen Erfolg!“ Die Bürgerinnen und Bürger hätten ein Signal an das ganze Land gesendet. Müller nannte das Ergebnis einen „Glücksfall“.
Kurz darauf erklärte der Mehrheitsgesellschafter der Unternehmensgruppe Theo Müller im Interview mit der Welt am Sonntag, Bundeskanzler Friedrich Merz solle die SPD aus der Regierung entlassen. Danach könne er mit wechselnden Mehrheiten regieren. „Da bliebe nur die AfD übrig“, sagte Müller. Sein Ideal: „Schwarz und Blau. Dann wäre Deutschland bald saniert.“
Das ist nicht die erste Berührung zwischen dem Molkereiunternehmer und der AfD. Müller bestätigte 2023 mehrere private Treffen mit Weidel. Später bezeichnete er sie als Freundin. Im Februar 2026 scheiterte er vor dem Landgericht Hamburg mit dem Versuch, Campact die Aussage zu untersagen, er unterstütze die AfD. Das Gericht wertete den Satz als zulässige Meinungsäußerung. Es stellte nicht fest, Müller habe die Partei finanziert. Müller bestreitet Spenden an die AfD bis heute.
Die Äußerungen vom September gehen über Treffen und Bekanntschaft hinaus. Theo Müller fordert offen eine Zusammenarbeit von CDU und AfD. Er hält die Debatte über den AfD-Begriff „Remigration“ für überzogen. Er will die deutsche Unterstützung für die Ukraine beenden, die Energiewende stoppen, Entwicklungshilfe streichen und Subventionen abbauen. Einen Austritt aus EU und Euro lehnt er ab.
Müller ist nicht nur Müllermilch. Die Unternehmensgruppe beschäftigt nach eigenen Angaben rund 35.000 Menschen, betreibt 22 Produktionsstandorte und setzte 2025 10,3 Milliarden Euro um. Zu ihr gehören Müller, Weihenstephan, Sachsenmilch, Landliebe, Puddis, Südmilch, Mondelice, Almhof, Elinas, Lünebest und Biotiful. Bei Käse finden sich Loose, Harzbube, Bönsel und Rusack. Im Kühlregal und bei Feinkost stehen Homann, Nadler, Hamker, Lisner und Graal, in Polen auch Neptun, Mealbox und Kuchnia Staropolska. Seit diesem Sommer gehört außerdem der pflanzliche Anbieter Berief dazu. NORDSEE gehört nicht zur Gruppe; Homann produziert jedoch NORDSEE-Produkte für den Supermarkt unter Lizenz.
In Aretsried, Freising, Leppersdorf, Bad Essen, Poznań und vielen weiteren Orten arbeiten Menschen für diesen Konzern. Sie füllen Becher, verarbeiten Milch, fahren Lkw, entwickeln Produkte, verkaufen Mayonnaise, Joghurt und Haferdrinks.
Man kann das alles als private politische Meinung des Eigentümers behandeln. Man kann fragen, wie privat sie noch ist, wenn er sich nach einer Landtagswahl öffentlich für eine Regierungszusammenarbeit mit der AfD ausspricht.
Und dann bleibt die praktische Frage: Wo ziehen Beschäftigte, Kundinnen, Kunden und Handel ihre Grenze? Bei einer Parteispende? Bei der Freundschaft mit einer Parteichefin? Bei einer Gratulationsnachricht? Oder erst bei der Forderung nach „Schwarz und Blau“?


