Sport

Ein kurdischer Klub an der Spitze der Süper Lig

Es ist eine dieser Geschichten, die nur der Fußball schreibt: Amedspor, ein Verein mit kurdischer Identität aus Diyarbakır (kurdisch: Amed), ist erst vor wenigen Monaten erstmals in die türkische Süper Lig aufgestiegen. Nachdem in den ersten Spielen mit Siegen gegen Trabzonspor, Beşiktaş und einem 5:0 gegen Erdogans Lieblingsklub Başakşehir drei der finanzstärksten Klubs der Liga geschlagen wurden, ist Amedspor nun Tabellenführer.

Dabei sind der Verein und seine Fanszene immer wieder rassistischer Gewalt und der Repression des türkischen Staates ausgesetzt. Vor drei Jahren gab es einen besonders schlimmen Vorfall: Bei einem Auswärtsspiel gegen Bursaspor wurden die Spieler von Amedspor sowohl von Fans als auch von Spielern der gegnerischen Mannschaft attackiert, es wurden Flaschen, Messer und Feuerwerkskörper geworfen. In türkischen Medien wurde die Gewalt damit gerechtfertigt, dass beim vorangegangenen Aufeinandertreffen der beiden Klubs kurdische Fahnen gezeigt worden seien.

Die kurdische Flagge zu zeigen, ist in türkischen Stadien ebenso untersagt wie Banner in kurdischer Sprache. Die Farben rot, gelb und grün, die Bestandteile der kurdischen Flagge sind, spielen aber auch bei der Fankultur von Amedspor eine große Rolle, so z.B. im Logo der Gruppe „Barikat“.

Das Logo der Gruppe „Barikat“. Autor: Doxann

Die Fans von Amedspor durften jahrelang nicht zu Auswärtsspielen reisen. Zwar versuchten sie zunächst, inkognito anzureisen, jedoch konnten sie sich bei Toren der eigenen Mannschaft nicht zurückhalten und jubelten, was zu Auseinandersetzungen mit der Staatsmacht führte. Solidarität erfuhren sie u.a. von Ultras des FC Bayern München, der „Schickeria“, die mit einem Banner die Aufhebung der Auswärtssperre forderten.

In Deutschland schlug vor allem der Fall von Deniz Naki hohe Wellen. Naki, der vor seiner Zeit bei Amedspor u.a. für den FC St. Pauli aufgelaufen war, hatte den Sieg in einem Pokalspiel kurdischen Zivilisten gewidmet, die bei türkischen Militärschlägen getötet worden waren. Daraufhin wurde er vom türkischen Fußballverband TFF lebenslang gesperrt. Ihm wurde „Diskriminierung und ideologische Propaganda“ vorgeworfen.

Das ist mittlerweile acht Jahre her. Damals hatte Amedspor nicht nur mit den bereits erwähnten Repressionen zu kämpfen. Sportlich befand sich der Klub damals noch im Tabellenkeller der dritten Liga. Dass Amedspor nun Spitzenreiter der Süper Lig ist, hätte damals kaum jemand für möglich gehalten. Natürlich ist das erstmal nur eine Momentaufnahme, aber Abstiegssorgen muss der Klub offenbar nicht haben. Zu den Leistungsträgern zählen zwei Neuzugänge, die manchen Fußballfans auch hierzulande bekannt sein dürften.

Die Garanten des sportlichen Erfolgs

Im Tor steht Alban Lafont, der in der Nationalmannschaft der Elfenbeinküste die Nr. 2 hinter Yahia Fofana vom Liga-Konkurrenten Çaykur Rizespor ist. Lafont kam erst in diesem Sommer vom FC Nantes nach Amed, hat aber sofort die Kapitänsbinde übernommen. Er bringt die Erfahrung aus 278 Spielen in der französischen Ligue 1 mit.

Auch der nigerianische Stürmer Gift Orban, der von der TSG Hoffenheim ausgeliehen wurde, spielt eine wichtige Rolle beim Aufsteiger. Orban schoss in den ersten 6 Spielen 7 Tore und bereitete zudem 2 Tore vor.

Zweitbester Torschütze ist der offensive Mittelfeldspieler Dia Saba, der bisher drei Tore erzielen konnte. Saba ist Israeli mit arabischen Wurzeln. Er ist israelischer Nationalspieler, hat jedoch auch schon in den Vereinigten Arabischen Emiraten gespielt. Als er vor einem Jahr nach Amed wechselte, hatte das in der Türkei kritische Reaktionen ausgelöst. Der Transfer wurde trotzdem vollzogen und sowohl der Verein als auch die Fanszene von Amedspor stellten sich hinter den Spieler.

In der Aufstiegssaison war Mbaye Diagne noch der Top-Torjäger. Mit 29 Toren und 7 Assists hatte der Senegalese entscheidenden Anteil am bisher größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Als er bei der Aufstiegsfeier eine senegalesische Fahne schwenkte, hielten die eingesetzten Polizisten diese für eine kurdische Flagge und wollten sie konfiszieren. Der Vorfall zeigt, welch absurde Züge die Diskriminierung der kurdischen Bevölkerung in der Türkei mittlerweile angenommen hat.

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