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Klopps erster Fehltritt

Jürgen Klopp ist gerade erst zum Bundestrainer ernannt worden und schon jetzt hat er sich den ersten Fehltritt geleistet: Statt sich in der Pressekonferenz, in der seine Ernennung verkündet wurde, darauf zu fokussieren, wie viel Lust er auf diesen Job hat, holte er zur Medienschelte aus und sprach darüber, unter welchen Umständen er den Job wieder hinschmeißen würde. Dabei offenbarte er auch ein völlig falsches Verständnis von Journalismus.

Klopp richtete sich nämlich mit einer Warnung, ja fast schon einer Drohung, an die Pressevertreter: Wenn diese sich „daneben benehmen“ und seine Familie nicht in Ruhe lassen würden, „dann bin ich weg“. Er habe nämlich gesehen, wie diese seinen Vorgänger Julian Nagelsmann sowie den englischen Nationaltrainer Thomas Tuchel behandelt hätten.

Nun ist es natürlich vollkommen legitim und nachvollziehbar, dass Klopp die oft überzogene und reißerische Kritik mancher Medien an Tuchel und Nagelsmann sauer aufgestoßen ist. Doch das gibt ihm nicht das Recht, so undifferenziert die versammelten Journalisten, von denen viele gar nicht am „Bashing“ von Tuchel und Nagelsmann beteiligt waren, in den Senkel zu stellen.

Tuchel war vor allem von der englischen Presse scharf kritisiert worden, und das, obwohl er mit seiner Mannschaft den dritten Platz bei der WM geholt hatte und kurz davor war, auch Argentinien zu schlagen und ins Finale einzuziehen. Lediglich seine Wechsel in diesem Spiel kann man ihm anlasten, auch mit seiner Kadernominierung hat er sich angreifbar gemacht. Doch wenn man die Leistung der „Three Lions“ analysiert, muss man festhalten, dass es ein erfolgreiches Turnier war und Tuchel vieles richtig gemacht haben muss. Dass das in der medialen Nachbetrachtung zu kurz kam, kann und sollte man kritisieren. Doch was können die deutschen Journalisten, die sich naturgemäß eher auf die (Fehl-)Leistung der deutschen Mannschaft konzentriert haben, dafür?

Und was können die Journalisten anderer Medien dafür, dass manche Boulevard-Journalisten wie Alfred Draxler von der Bild die sachliche Ebene verlassen haben, als dieser sich darüber empörte, dass Nagelsmanns Mutter im Teamhotel war? Als Nagelsmann gemeinsam mit seiner Frau Lena mit dem Fahrrad zum Training fuhr, versuchte die Bild, auch das zu skandalisieren. Natürlich war diese Kritik völlig überzogen. Dennoch kann man nicht einfach alle Journalisten über einen Kamm scheren, wie es Klopp mit seiner Ansage getan hat.

Zudem ist es nun mal nicht die Aufgabe von Sportjournalisten, dafür zu sorgen, dass die Nationalmannschaft erfolgreich ist. Ihre Aufgabe ist, über das zu berichten, was sie als berichtenswert einschätzen, ungeachtet der Konsequenzen für eine Mannschaft oder einen einzelnen Sportler.

Dass Jürgen Klopp das nicht versteht, wurde schon in seiner Entschuldigung für die „Noch“-Aussage während seiner Arbeit als TV-Experte während der WM deutlich. Damals hatte Klopp betont, dass Nagelsmann noch über die Aufstellung entscheide, was schon damals so interpretiert wurde, dass er mit dessen baldigen Rauswurf gerechnet habe. Klopp entschuldigte sich bei Nagelsmann und erklärte, dass er in keiner Weise „den Ablauf stören“ wolle und komplett auf seiner Seite sei. Egal ob man als TV-Experte, Reporter oder Kommentator arbeitet, sollte man sich jedoch nicht auf eine Seite stellen und sich daran orientieren, ob die eigenen Aussagen irgendwen in dessen Ablauf stören könnten. Das ist schlichtweg Teil des Jobs. Wichtig ist nur, dass man die Kritik, die man äußert, auch sachlich begründen kann.

Sachlicher Kritik muss man sich als Bundestrainer stellen, und Julian Nagelsmann hatte immer wieder Anlässe für solche Kritik geliefert. Jürgen Klopp sollte sich darauf konzentrieren, das nicht zu tun, statt sich schon so kurz nach seinem Amtsantritt mit der gesamten Presselandschaft anzulegen. Sonst läuft er Gefahr, die Fehler seines Vorgängers zu wiederholen.

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