• Meinung

    Der Bildschirm als moderner Erziehungsfeind

    Es gibt wenige Dinge, auf die sich Eltern aus bildungsnahen Milieus so zuverlässig einigen können wie auf die Skepsis gegenüber Bildschirmen. Tablets gelten als verdächtig, Smartphones als problematisch, Medien insgesamt als etwas, das man Kindern möglichst lange vom Leib halten sollte. Wer sein Kind „gut begleitet“, so der unausgesprochene Konsens, setzt auf Holzspielzeug, Vorlesen und klare Regeln – und hält digitale Geräte auf Abstand. Diese Haltung ist nicht böswillig. Sie ist Ausdruck von Fürsorge. Aber sie ist auch erstaunlich stabil, selbst dort, wo die Forschung längst widerspricht. Besonders hartnäckig ist die Angst vor dem Abend. Das Tablet kurz vor dem Einschlafen? Für viele Eltern ein No-Go. Zu groß die Sorge,…

  • Wissen

    Johanna Haarer: wie ein NS-Erziehungsbuch bis heute wirkt

    Johanna Haarer war Ärztin, Autorin und NS-Propagandistin. Geboren wurde sie am 3. Oktober 1900 in Tetschen-Bodenbach (Böhmen), gestorben ist sie am 30. April 1988 in München.  Sie war Fachärztin für Lungenkrankheiten, nicht für Pädiatrie oder Geburtshilfe. Und doch schrieb sie ab 1933/34 über Säuglingspflege und Erziehung und traf damit einen Nerv: ein Ratgeber, der sich als praktische Hilfe ausgab, dabei aber ein ziemlich geschlossenes Menschenbild transportierte.  Politisch war das nicht „irgendwie Zeitgeist“. Haarer trat 1937 in die NSDAP ein, schrieb unter anderem im „Völkischen Beobachter“ und übernahm Funktionen im Umfeld der NS-Frauenschaft (unter anderem als „Gausachbearbeiterin für rassenpolitische Fragen“).  Der Ratgeber als Ideologie im Kittel „Die deutsche Mutter und ihr erstes…

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