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Felix Nmecha: Christfluencer in der Kabine?

Felix Nmecha hat im deutschen WM-Auftaktspiel gegen Curaçao als offensiver Achter überzeugt. Mit seinem Treffer zum 1:0 eröffnete er den Torreigen. Im deutschen Mittelfeld ist er neben Aleksandar Pavlovic gesetzt. Beim BVB hatte er zunächst Anlaufschwierigkeiten, nun ist er dort nach Nico Schlotterbeck der wertvollste Spieler im Kader. Wir wollen heute jedoch nicht seine sportlichen Leistungen analysieren, sondern den Fokus auf die Kritik an seinen Social-Media-Posts und die dahinterstehende Ideologie richten.

Felix Nmecha sagte einst über sich selbst: „Ich bin ein Christ, der Fußball spielt.“ Beim Torjubel streckt er oft die beiden Zeigefinger in den Himmel. Vor dem 7:1 gegen Curaçao war er auf dem Weg in die Kabine mit einer Bibel in der Hand abgelichtet worden. Dagegen ist zunächst einmal nichts einzuwenden.

Doch Nmecha sorgte schon mehrfach durch das Teilen von Instagram-Posts für Empörung, in denen die LGBT-Bewegung im wahrsten Sinne des Wortes dämonisiert und der Tod des rechtspopulistischen Aktivisten Charlie Kirk betrauert wurde. Der Dortmunder begründet seine Haltung mit seinem christlichen Glauben. Genau wie Kirk zählt er zur Evangelikalen-Bewegung.

Es gibt im Fußball ein Netzwerk von Evangelikalen, die gezielt versuchen, Mitspieler zu missionieren und oft fundamentalistische Positionen vertreten. Wer sich für das Thema interessiert, sollte sich die Folge des Rasenfunk dazu anhören.

Jedenfalls stehen Nmechas Ansichten im starken Kontrast zur Haltung, die Leon Goretzka sowohl beim EM-Vorrundenspiel gegen Ungarn 2021 als auch ein Jahr später bei der WM in Katar eingenommen hatte. In beiden Fällen gab es öffentliche Debatten darüber, ob Solidaritätsbekundungen mit der LGBT-Bewegung im Rahmen von Fußballspielen stattfinden dürfen. Goretzka formte damals im Spiel gegen Ungarn ein Herz in Richtung der ungarischen Fans beim Torjubel. Diese waren zuvor mit homophoben Gesängen negativ aufgefallen.

Beim DFB hat man sich nach den Debatten um die Regenbogenbinde und dem anschließenden Vorrundenaus in Katar entschieden, einen möglichst großen Bogen um politische Themen zu machen. Inwiefern das sportliche Scheitern der deutschen Mannschaft gegen Japan mit deren Protestaktion vor dem Spiel zusammenhängt, weiß wohl nur Rudi Völler. Insgesamt machte der DFB bei gesellschaftspolitischen Themen in den letzten Jahren meist keine gute Figur. Angesichts der Debatte um Mesut Özil, der sich nach seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft dem türkischen Autokraten Erdogan und den rechtsextremen „Grauen Wölfen“ zugewendet hat, sollte man hinterfragen, ob man einen Spieler mit solch radikalen Ansichten für die Nationalelf nominieren sollte. Beim DFB teilt man diese Bedenken offenkundig nicht.

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