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Wie Tiere die Schrift erfanden – oder so ähnlich

Schrift gilt als große Erfindung der Menschheit. Tatsächlich war sie eher ein langsamer Bastelprozess – und begann möglicherweise mit Tierlauten. Darauf weist ein neues Buch des Ägyptologen Ludwig Morenz von der Universität Bonn hin.

Die ägyptische Schrift entstand demnach nicht plötzlich, sondern entwickelte sich über Jahrhunderte hinweg. Ausgangspunkt waren einfache Lösungen für konkrete Probleme, etwa Namen festzuhalten.

Erst nach und nach entstand daraus ein System. Überraschend: Einige Hieroglyphen könnten direkt auf Geräusche aus der Umwelt zurückgehen. So steht der Laut „w“ im Ägyptischen für eine Wachtel – und möglicherweise für deren Ruf „wi-wi-wi“. Auch andere Vogelzeichen wie Eule oder Geier stehen für Konsonanten. Aus Bildern wurden also Laute.

Das rückt die Schriftentwicklung in ein anderes Licht. Statt eines abstrakten Systems zeigt sich ein Prozess, der stark von Wahrnehmung geprägt ist: Menschen hörten und sahen – und übersetzten beides in Zeichen. Schrift entstand nicht nur für Verwaltung, sondern auch für Religion, Machtinszenierung und Kommunikation mit Göttern. Viele dieser Funktionen griffen ineinander.

Entscheidend ist: Schrift wurde nicht erfunden, sondern ausprobiert. Über Generationen hinweg entwickelten sich aus Bildern erst Sinnbilder, dann Wortzeichen und schließlich Lautzeichen. Erst damit wurde Sprache systematisch verschriftlichbar.

Für Morenz ist das mehr als ein historischer Befund. Es zeigt, wie Kommunikation sich ständig verändert – von Hieroglyphen über Alphabete bis zu Emojis.

Oder kürzer: Der Weg zur Schrift beginnt nicht mit Buchstaben, sondern mit dem Versuch, die Welt in Zeichen zu übersetzen.

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