Meinung,  Musik

PA69: K.I.Z auf Wish bestellt

PA69 haben einen satirischen WM-Song veröffentlicht. Wer jetzt denkt, dass die FIFA und die Trump-Regierung hier einfach nur ihr verdientes Fett wegkriegen, der irrt. Der Song „Die Welt zu Gast bei Feinden“ strotzt nur so vor antiamerikanischen Ressentiments.

Beispiel gefällig? Werfen wir einen Blick auf die Lyrics, genauer gesagt auf den ersten Part von DJ Dope:

Ich hab‘ neun, elf im Turm wie die Twin Towers
Es gibt kein Bier bei McDonald’s, ich bin stinksauer
Endlich Weltmeisterschaft, die Welt zu Gast bei Feinden
Es ist nicht gleich ein Völkermord, da muss man unterscheiden
Aber Schwamm drüber, ihr habt uns Halloween geschenkt
Und die Friedensmission wird aus Ramstein gelenkt
Ich war noch niemals in New York und glaub‘ auch nicht, dass ich das brauch‘
Denn genau wie der Iran hab‘ ich Amerika zuhaus‘

Schon der Titel des Tracks, „Die Welt zu Gast bei Feinden“, ist nicht sonderlich originell. Genau derselbe Titel wurde bereits vom Stern für einen Artikel über die politischen Rahmenbedingungen dieser Weltmeisterschaft genutzt. Jakob Maschke von der Thüringer Allgemeinen drückt es immerhin etwas differenzierter aus. Sein Kommentar zu Trumps Einfluss auf die WM ist mit „Die Welt zu Gast bei einem Feind“ betitelt. Schon 2018 titelte 11Freunde angesichts des weit verbreiteten Rassismus im damaligen Gastgeberland Russland: „Die Welt zu Gast bei Feinden?“, wobei die provokante und in beiden Fällen durchaus gerechtfertigte These hier durch das Fragezeichen etwas abgemildert wurde.

Es muss allerdings die Frage gestellt werden, wer hier wen als Feind betrachtet. Natürlich ist Trump kein Alleinherrscher, insofern kann man sicherlich den Plural nutzen, um eine Regierung zu beschreiben, die ihre eigenen Partner bedroht und erpresst und Menschen aus 75 verschiedenen Ländern gar nicht mehr einreisen lassen will.

Bei den weiteren Zeilen drängt sich dann aber der Eindruck auf, dass gar nicht die Trump-Regierung, sondern gleich das ganze Land und dessen Kultur gemeint sind. Hier wird ein Gegensatz zwischen der guten deutschen und der bösen amerikanischen Kultur aufgemacht. Dass für den Song ein Sample von „Ich war noch niemals in New York“ von Udo Jürgens verwendet wird, passt ins Bild.

An der 9/11-Line sollte man sich gar nicht lange abarbeiten. Das ist kalkulierte Provokation nach dem Vorbild von Kollegah und Farid Bang, die aber nicht an deren lyrisches Niveau herankommt.

Die Line „Es ist nicht gleich ein Völkermord, da muss man unterscheiden“ dürfte ein Seitenhieb gegen Menschen sein, die Israel gegen den Vorwurf verteidigen, einen Genozid in Gaza zu begehen. Darauf an dieser Stelle einzugehen, würde zu weit weg vom eigentlichen Thema führen, daher sei hier auf einen Artikel von Thomas von der Osten-Sacken über den Drang, den Krieg in Gaza als Völkermord zu bezeichnen, verwiesen.

Zurück zu den Lyrics: Da geht es einerseits um Weltpolitik und andererseits um Halloween und McDonald’s. Diese Kritik an der amerikanischen Kultur ist durchaus massentauglich: Fast jeder zweite Deutsche hält Halloween für einen US-amerikanischen Kulturimport, der die deutsche Kultur gefährde – und das, obwohl Halloween ursprünglich gar nicht aus den USA, sondern aus Irland kommt.

Doch es folgen noch weitere Klischees, so z.B. die Friedensmission, die „aus Ramstein gelenkt“ wird. Schon „Die Ärzte“ veröffentlichten 1993 einen Song namens „Friedenspanzer“ und auch K.I.Z stießen mit „Frieden“ in dasselbe Horn. Nun wird das Argument, dass man mit militärischen Mitteln keinen Frieden herstellen könne, also auch von PA69 noch mal aufgegriffen. Sahra Wagenknecht würde das gefallen.

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