Meinung

Deutschlandfahnen schaden dem Stadtbild

Wenn ich in diesen Tagen durch Köln laufe, fällt es mir an jeder Ecke auf: Wir haben mal wieder dieses Problem im Stadtbild. Nein, nicht das, was Friedrich Merz meint. Ich rede von diesen unästhetischen schwarz-rot-goldenen Fahnen, die nun wieder so penetrant zur Schau gestellt werden.

Und als ob das nicht reichen würde, müssen sich die üblichen Verdächtigen auch noch beschweren, dass man die Deutschlandfahne ja nur zur WM aufhängen dürfe oder dies gleich ganz verboten würde. Das entspricht natürlich nicht der Realität.

Dass z.B. in der Kalk-Mülheimer-Straße eine große Fahne von der Stadt Köln abgehängt wurde, hatte entgegen der Darstellung der Männer, die sie aufgehangen hatten, bürokratische Gründe. Dies berichtet auch der Express, doch das hindert die Betroffenen nicht daran, ein anderes Narrativ über ihre Social-Media-Kanäle zu verbreiten. Ihrer Darstellung nach geht es ausschließlich darum, das Bekenntnis zu den deutschen Nationalfarben zu kriminalisieren.

Niemand will den deutschen Fans die Nutzung dieser Farben verbieten, aber ganz ehrlich: Ich bin froh, wenn Deutschland ausscheidet und man endlich wieder weniger schwarz-rot-goldene Fahnen sieht. Das hat natürlich nicht nur ästhetische Gründe, vielmehr geht es mir dabei um die aggressive Natur dieses Patriotismus, der einem als deutscher Fußballfan fast schon aufgezwungen wird.

Als Deutscher müsse man doch für Deutschland sein, höre ich immer wieder. Auf die Frage, warum ich eine Mannschaft oder einen Sportler supporten sollte, nur weil er dieselbe Nationalität hat wie ich, konnte mir noch niemand eine zufriedenstellende Antwort geben.

Wenn junge Männer mit Migrationshintergrund die deutsche Mannschaft supporten wollen, ist das einigen Deutschen aber auch wieder nicht recht. Als in Bielefeld die Feiern nach dem deutschen Sieg gegen die Elfenbeinküste ein wenig über die Strenge schlugen, wurde ein Video davon vom AfD-Bundestagsabgeordneten Maximilian Kneller mit den Worten „Bielefeld wurde zu Paris“ und „Bielefeld braucht Remigration“ auf Instagram geteilt. Doch was war passiert?

Im Gegensatz zu Paris, womit die Ausschreitungen nach dem Champions-League-Finale in der französischen Hauptstadt gemeint sein dürften, gab es hier keine Plünderungen und auch keine vergleichbaren Ausschreitungen. Es gab genau einen Verletzten, wobei es sich um einen Mann, der unprovoziert von einem Polizeihund gebissen wurde, handeln dürfte. Daraufhin flogen auch ein paar Fahrräder in Richtung der Polizisten, worauf diese mit dem Einsatz von Pfefferspray reagierten.

Ich möchte hier gar nicht das Narrativ, dass die Stadien unsicher seien, reproduzieren, aber wenn unter einem solchen Post kommentiert wird, dass Deutsche so etwas nicht machen würden, dann muss man widersprechen. Es gab schon deutlich heftigere Ausschreitungen mit Beteiligung von deutschen Fußballfans, und sowohl dort als auch in diesem Fall war die Polizei daran nicht unbeteiligt.

Hinzu kommt: Bei den Personen, die den Sieg der deutschen Mannschaft gefeiert haben und anschließend an der Auseinandersetzung mit der Polizei beteiligt waren, handelt es sich höchstwahrscheinlich um Deutsche. Der einzige Grund, warum ihnen das abgesprochen wird, ist, dass ihr optisches Erscheinungsbild nicht zu der Vorstellung von Rechten passt, wie ein Deutscher auszusehen hat.

Das ist aus meiner Sicht übrigens der entscheidende Unterschied zwischen Patriotismus und Lokalpatriotismus. Ich komme ursprünglich aus dem Oberbergischen und bin erst als junger Erwachsener nach Köln gezogen, und doch habe ich mich immer mit Köln und dem FC identifiziert und diese Identifikation wurde mir auch nie von jemandem abgesprochen, nur weil ich zugezogen und nicht in der Stadt geboren und aufgewachsen bin.

Daher sind Patriotismus und Lokalpatriotismus aus meiner Sicht unterschiedlich zu bewerten. Ich liebe meinen Verein und meine Stadt, aber Nationalstolz liegt mir fern. Es ist auch ganz allein mir überlassen, welche Mannschaft ich supporte oder nicht.

Im Gegensatz zur Darstellung der „Patrioten“ will ihnen niemand ihr Bekenntnis zu Deutschland verbieten. Sie sind es, die es Anderen aufzwingen wollen.

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