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Nagelsmann verstrickt sich in Widersprüche

Bundestrainer Julian Nagelsmann verstrickt sich bei seinen Versuchen, fragwürdige Entscheidungen bei der Kadernominierung zu erklären, immer mehr in Widersprüche.

Schon in unserem WM-Kadercheck sind wir auf einige der streitbaren Entscheidungen von Julian Nagelsmann eingegangen:

  • Im ersten Teil wurde bereits ausführlich auf das Neuer-Comeback eingegangen, das zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht offiziell bestätigt war.
  • Im zweiten Teil wurden die deutschen Innenverteidiger verglichen, die sich Chancen auf einen Kaderplatz ausrechnen konnten.
  • Im dritten Teil ging es um die Frage, auf welcher Position Joshua Kimmich eingesetzt werden sollte.
  • Im vierten Teil wurde begründet, warum Said El Mala nominiert werden muss.

Das sah und sieht Nagelsmann offenbar anders. Zunächst forderte er von El Mala, sich einen Stammplatz beim FC zu erarbeiten. Das hat der Kölner Außenstürmer auch geschafft: Seit dem 25. Spieltag stand El Mala immer in der Startelf, mit 13 Toren und 5 Assists hatte er entscheidenden Anteil am Kölner Klassenerhalt – und doch wurde er bei der Nominierung des WM-Kaders nicht berücksichtigt.

Nagelsmann begründete die Entscheidung damit, dass El Mala besser ins Kölner Spielsystem, das auf Konter ausgelegt ist, passe als in das offensivere System der Nationalelf. „Wenn man die Heatmap in Köln sieht, ist die schon sehr nah am eigenen Tor. Er hat viel Konterraum (…) Wir haben für die Konter Maxi Beier dabei, der eine tolle Saison gespielt hat – mit einem extremen Fleiß und einer unfassbaren Mentalität in jeder Spielsekunde“, erklärte der Bundestrainer.

Als Lennart Karl sich eine Verletzung zuzog, hatten viele mit einer Nachnominierung von El Mala gerechnet, doch Nagelsmann entschied sich stattdessen für Assan Ouédraogo von RB Leipzig. Ouédraogo war in der vergangenen Saison lange verletzt, in der Rückrunde bestritt er lediglich die letzten sieben Spiele. Diesmal erklärte Nagelsmann den erneuten Verzicht auf El Mala damit, dass dieser seit dem letzten Bundesliga-Spieltag kein Spiel mehr gemacht habe, während Ouédraogo kürzlich mit RB Leipzig ein Testspiel in Südafrika gegen die Mamelodi Sundowns bestritten hatte: „Said El Mala hat zwei Wochen nicht trainiert, nur ein bisschen Läufe gemacht. Sein letztes Spiel war am 16. Mai. Uns bringt kein Spieler was, den wir noch mal eine Woche heranführen müssen, sondern er muss sofort fit sein.“

Das gilt offenbar nicht für Manuel Neuer, der in den beiden Testspielen gegen Finnland und die USA nicht zum Einsatz kam, da er seine Verletzung an der Wade, die er sich am letzten Spieltag gegen Köln am 16. Mai zugezogen hatte, noch nicht ganz auskuriert hat.

Schon bei der Länderspielpause im Frühjahr hatte Nagelsmann bei vielen Fans für Unverständnis gesorgt, als er Nick Woltemade im Sturm den Vorzug vor Deniz Undav gab. Undav kam damals im ersten Testspiel gegen die Schweiz gar nicht zum Einsatz. Im zweiten Testspiel gegen Ghana wurde er erst zur Halbzeit eingewechselt und erzielte noch das Siegtor. Doch statt den Stuttgarter Stürmer zu loben, meinte Nagelsmann: „Wenn er vorher 70 Minuten marschiert, weiß ich nicht, ob er ihn so reinmacht. Es war schon ein langer Schritt, der nach 70 Minuten – auch im Hinblick auf den Sommer bei 42 Grad – für ihn schwierig sein kann.“

Offensichtlich war es dem Bundestrainer wichtiger, noch mal seine Aufstellung gegenüber der Presse zu rechtfertigen, anstatt einen Spieler zu loben, der nur zweite Wahl war und trotzdem performt hat. Die Argumentation ist jedoch alles andere als schlüssig, wenn man sich Undavs Statistiken ansieht: Wettbewerbsübergreifend schoss er 25 Tore, davon nur zwei als Einwechselspieler. Zwar zeigte sich Nagelsmann bei diesem Thema später einsichtig und meinte, die Aussagen seien „unnötig“ und „blöd“ von ihm gewesen. Dennoch ist auffällig, dass er ständig versucht, seine Entscheidungen, die Fans und Journalisten oftmals nicht nachvollziehen können, zu rechtfertigen – und damit nur noch mehr Kritik auslöst.

Kommunikation ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit eines Bundestrainers. Julian Nagelsmann macht hier in den letzten Monaten keine gute Figur. Man fühlt sich an Berti Vogts erinnert, der das Amt des Bundestrainers bei der WM 1994 bekleidete, die ebenfalls in Nordamerika stattfand. Vogts stand damals schon im Vorfeld des Turniers sehr in der Kritik und tatsächlich schied die DFB-Elf enttäuschend im Viertelfinale gegen Bulgarien aus. Eine Doku dazu findet ihr in der ARD Mediathek.

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