
Ministerin Bär entdeckt die „hybride Bedrohung“
Man kann Konservativen nicht vorwerfen, zu nah am Puls der Zeit zu sein. Jemals. Und Forschungsministerin Doro Bär ist eine gute Konservative. Frau Bär hat nun erkannt, dass es hybride Bedrohungen gibt.
Hybride Bedrohungen! Also Dinge wie Cyberangriffe, Desinformation, Spionage – all das, womit sich Militärs, Sicherheitsbehörden, Journalisten und eigentlich jeder, der die letzten 15 Jahre nicht als Schwamm im Marianengraben verbracht hat, schon länger beschäftigt.
Aber jetzt ist es offiziell: Das Forschungsministerium hat eine Förderrichtlinie veröffentlicht. Man möchte sich die Szene vorstellen: irgendwo in Berlin ein Raum, ein Whiteboard, betretenes Schweigen – und dann sagt jemand vorsichtig: „Was, wenn Angriffe nicht nur militärisch sind?“ Kurzes Nicken. Dann: „Was, wenn sie auch digital stattfinden?“ Atemlose Stille. Schließlich: „Und… vielleicht sogar Desinformation?“ – Durchbruch.
Natürlich ist das Thema real. Natürlich sind Cyberangriffe, Einflussoperationen und Sabotage ein Problem. Neu ist daran nichts. Wahlen sind so manipuliert worden. Russische und chinesische Bots. Online-Angriffe auf kritische Infrastruktur. Neu ist höchstens, dass ein Ministerium jetzt Geld dafür ausgibt, darüber zu forschen – und das als große sicherheitspolitische Erkenntnis verkauft.
Dabei ist die Logik dahinter so alt wie das Internet selbst: Technologien verändern Angriffsformen, Staaten reagieren, Forschung folgt. Dass man dafür Programme aufsetzt, ist sinnvoll. Dass man so tut, als hätte man das Problem gerade erst entdeckt, ist es weniger.
Oder es ist ehrlich. Erschreckend ehrlich. Im buchstäblichen Sinne.


