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WM 2026: Die Chancen der Außenseiter

Durch die Aufstockung der WM auf 48 Teilnehmerländer sind diesmal deutlich mehr kleine Länder auf der großen Fußballbühne vertreten als bei vergangenen Turnieren. Wir stellen die Außenseiter vor und bewerten ihre Chancen, die Gruppenphase zu überstehen.

Curaçao

FIFA-Weltrangliste: 82. Platz

Curaçao zählt zu den sogenannten „ABC-Inseln“ (Aruba, Bonaire, Curaçao), die noch bis 2010 zu den Niederländischen Antillen gehörten. Das Land ist zwar nach wie vor Teil des Königreichs Niederlande, aber nicht in der EU. Es ist das kleinste Land, das jemals an einer Weltmeisterschaft teilgenommen hat.

Alle Spieler besitzen auch die niederländische Staatsbürgerschaft. Mit Ausnahme des offensiven Mittelfeldspielers Tahith Chong, der bei Feyenoord Rotterdam ausgebildet wurde und später u.a. für Manchester United und Werder Bremen auflief, sind auch alle in der Niederlande geboren. Chong spielt mittlerweile bei Sheffield United in der Championship, der zweiten englischen Liga.

Als Kapitän führt Leandro Bacuna die Mannschaft aufs Feld. Mit 72 Länderspielen ist er Rekordnationalspieler von Curaçao. Gemeinsam mit seinem Bruder Juninho Bacuna spielt er im Mittelfeldzentrum. Beide wurden beim FC Groningen ausgebildet.

Innenverteidiger Riechedly Bazoer stammt aus der Jugend des PSV Eindhoven. In der U19 wechselte er zu Ajax Amsterdam und wurde dort zum Profi. 2017 wechselte er zum VfL Wolfsburg in die Bundesliga. Inzwischen spielt er bei Konyaspor in der türkischen Süper Lig. Bazoer absolvierte 6 Länderspiele für die Niederlande, bevor er den Verband wechselte.

Nationaltrainer ist Dick Advocaat, der schon für sein Heimatland, die Niederlande, sowie Russland und Südkorea bei großen Turnieren an der Seitenlinie stand.

Dass sich der Inselstaat nur 15 Jahre nach der Aufnahme in die FIFA zum ersten Mal für eine WM qualifizieren konnte, ist trotz des vergrößerten Teilnehmerfeldes eine Sensation. In der Gruppe E mit Deutschland, Elfenbeinküste und Ecuador dürften sie nur geringe Chancen haben, in die K.o.-Phase einzuziehen.

DR Kongo

FIFA-Weltrangliste: 46. Platz

Die Demokratische Republik Kongo mag ein Fußballzwerg sein, gemessen an der Einwohnerzahl (ca. 115 Millionen) ist das zentralafrikanische Land aber deutlich größer als die anderen hier genannten Nationen.

Als das Land noch Zaire hieß, gelang erstmals die Qualifikation für eine Weltmeisterschaft. 1974 schied Zaire jedoch in der Vorrunde als Gruppenletzter mit 0 Punkten und einem Torverhältnis von 0:14 aus. Diesmal könnte es besser laufen, da mit Usbekistan zumindest ein Gegner auf Augenhöhe in der Gruppenphase auf die Mannschaft wartet. Die anderen beiden Gruppengegner Portugal und Kolumbien dürften eine Nummer zu groß sein, doch mit einem Sieg gegen Usbekistan könnte die Mannschaft erstmals die K.o.-Phase erreichen.

Zudem ist der Kader so gut besetzt, dass man die Kongolesen eigentlich kaum als Außenseiter bezeichnen kann. In der Abwehr stehen mit Axel Tuanzebe und Aaron Wan-Bissaka zwei Spieler im Kader, die bereits für Manchester United gespielt haben. Beide spielen nach wie vor in der Premier League (Tuanzebe bei Burnley, Wan-Bissaka bei West Ham United). Auch Mittelstürmer Yoane Wissa spielt in der höchsten englischen Liga. Vor etwa einem Jahr wechselte er von Brentford zu Newcastle United, konnte sich dort jedoch bisher noch nicht durchsetzen.

Wertvollster Spieler laut transfermarkt.de ist der Mittelfeldspieler Noah Sadiki mit einem Marktwert von 35 Millionen Euro. Sadiki ist Stammspieler beim AFC Sunderland und konnte sich mit dem Klub überraschend für die Europa League qualifizieren.

Haiti

FIFA-Weltrangliste: 83. Platz

Haiti nahm 1974 erstmals an einer Weltmeisterschaft teil. 52 Jahre später gelang es den Haitianern erneut, sich für eine WM zu qualifizieren. Die Rahmenbedingungen der beiden Turniere unterscheiden sich jedoch deutlich: 1974 nahmen nur 16 Mannschaft an der WM-Endrunde teil, nun sind es 48. 1974 fand die WM in Westdeutschland statt, nun in Kanada, Mexiko und den Vereinigten Staaten.

Alle Gruppenspiele der Haitianer finden auf US-amerikanischem Boden statt. In den USA gibt es eine große haitianische Community. Etwa 500.000 haitianische Staatsbürger sind derzeit von Abschiebung bedroht, weil die US-Regierung behauptet, dass Haiti sicherer geworden sei. Wie viele andere Nationen ist auch Haiti von Trumps generellem Einreisestopp betroffen, weshalb die Mannschaft auf die Unterstützung ihrer Fans verzichten muss.

Auch die FIFA legte dem haitianischen Verband noch Steine in den Weg: Nur wenige Tage vor dem Auftaktspiel gab sie bekannt, dass das Trikotdesign geändert werden muss, da dort eine Szene der Schlacht von Vertières dargestellt wurde. Mit dem Sieg in dieser Schlacht endete am 18. November 1803 der haitianische Unabhängigkeitskrieg. Am 222. Jahrestag der Schlacht gelang Haiti die Qualifikation für die WM 2026.

Einer der Hoffnungsträger ist Wilson Isidor. Der Stürmer vom AFC Sunderland schoss in der vergangenen Saison 6 Tore in der Premier League, die immerhin als beste Liga der Welt gilt. Jean-Ricner Bellegarde ist bei den Wolverhampton Wanderers zwar kein Stammspieler, auch er hat in der Premier League aber immerhin schon wertvolle Erfahrung gesammelt.

Kapitän der Mannschaft von Sébastien Migné ist der 38-jährige Stammtorwart Johny Placide. Der Keeper des französischen Zweitligisten SC Bastia hat bereits 82 Länderspiele absolviert. Kein Spieler im haitianischen Kader hat mehr Länderspielerfahrung.

Doch das Leistungsgefälle ist groß: Josué Duverger, der als dritter Torwart zur WM mitfährt, spielt z.B. in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar für den FC Cosmos Koblenz. Auf dem Papier hat Haiti klar den schwächsten Kader in Gruppe C.

Im ersten Gruppenspiel gegen Schottland zeigte Haiti eine starke Leistung, die jedoch nicht belohnt wurde. Am Ende ging das Spiel trotz leichtem Chancenplus mit 0:1 verloren. Die anderen beiden Gruppengegner Brasilien und Marokko sind deutlich stärker als die Schotten einzuschätzen. Daher dürfte für Haiti in der Vorrunde Schluss sein.

Irak

FIFA-Weltrangliste: 57. Platz

Der Irak nahm 1986 zum ersten Mal an einer WM-Endrunde teil. Damals war Mexiko alleiniger Gastgeber. Bei dieser WM finden jedoch alle Gruppenspiele der Iraker in Kanada oder den USA statt. 23 Jahre nach dem Irak-Krieg richtet sich der öffentliche Fokus zwar mehr auf das Nachbarland Iran, doch auch für die Iraker ist es brisant, eine WM auf US-amerikanischem Boden zu spielen.

Favorit in der Gruppe I ist Frankreich, das auf dem Papier den womöglich besten Kader von allen WM-Teilnehmerländern hat. Auch die Norweger sind nicht zu unterschätzen. Nicht nur dank der beiden Superstars Erling Haaland und Martin Ödegaard wurden sie von vielen Experten zum Geheimfavoriten erklärt. Auch Senegal ist kein leichter Gegner, immerhin gewann die Mannschaft um Sadio Mané sportlich den Afrika-Cup, bevor der Titel am grünen Tisch Gastgeber Marokko zugesprochen wurde, da die Senegalesen zwischenzeitlich den Platz verlassen hatten. Es dürfte sehr schwer für die Iraker werden, in dieser Gruppe zu bestehen.

Doch selbst wenn das nicht gelingen sollte, könnte Jalal Hassan, Kapitän und Stammtorwart der irakischen Nationalelf, bei der WM sein 100. Länderspiel machen.

Jordanien

FIFA-Weltrangliste: 63. Platz

Der größte Erfolg der jordanischen Nationalmannschaft auf kontinentaler Ebene liegt gerade einmal zwei Jahre zurück: Anfang 2024 zogen „Al Nashama“ (dt. „Die Ehrenhaften“ / „Die Tapferen“) ins Finale des AFC Cup ein, wo sie Gastgeber Katar mit 1:3 unterlagen. Nun gelang der Mannschaft von Jamal Sellami erstmals die Qualifikation für eine WM-Endrunde.

Als Schlüsselspieler gilt Rechtsaußen Mousa Tamari vom französischen Erstligisten Stade Rennes. Tamari wird auch „jordanischer Messi“ genannt, ließ jedoch wissen, dass er diesen Spitznamen nicht mag. In der vergangenen Saison hatte er mit 6 Toren und 9 Assists entscheidenden Anteil daran, dass sich Stade Rennes für die Conference League qualifizieren konnte.

Für die Tore zuständig sein dürfte in erster Linie Mittelstürmer Ali Olwan, der bisher 27 Tore in 59 Länderspielen erzielen konnte.

Ansonsten ist die Mannschaft aber nicht sonderlich stark besetzt, zumal die Offensivspieler Ibrahim Sabra und Yazan Al-Naimat die WM verletzungsbedingt verpassen.

Mit Argentinien, Algerien und Österreich hat Jordanien zudem starke Gruppengegner erwischt. Alles andere als ein Vorrundenaus wäre daher eine faustdicke Überraschung.

Kap Verde

FIFA-Weltrangliste: 67. Platz

Kap Verde war bis 1975 eine portugiesische Kolonie. Viele Spieler besitzen auch die portugiesische Staatsbürgerschaft.

Kapitän ist Rekordnationalspieler Ryan Mendes. Der Flügelspieler schoss in 96 Länderspielen 22 Tore und spielt zurzeit in der zweiten türkischen Liga. Ein weiterer Schlüsselspieler ist der Innenverteidiger Logan Costa. In der Saison 2024/25 war er noch Stammspieler beim FC Villarreal, jedoch bestritt er in der darauffolgenden Saison verletzungsbedingt nur zwei Pflichtspiele.

Im vorletzten Testspiel vor dem Turnierstart zeigte sich Kap Verde schon in WM-Form und schlug Serbien mit 3:0. In der Gruppenphase warten mit Spanien und Uruguay zwei starke Gegner auf die Mannschaft, deren größter Erfolg der zweimalige Viertelfinaleinzug beim Afrika Cup war (zuletzt 2023). Saudi-Arabien dürfte dagegen ein Gegner sein, den Kap Verde an einem guten Tag schlagen könnte. Ein Sieg könnte reichen, um sich als Gruppendritter für’s Sechzehntelfinale zu qualifizieren.

Katar

FIFA-Weltrangliste: 56. Platz

Katar hat 2022 zum ersten Mal an einer WM teilgenommen. Damals war der Wüstenstaat jedoch als Gastgeber automatisch qualifiziert. Nun ist es der katarischen Mannschaft zum ersten Mal gelungen, sich sportlich für eine WM zu qualifizieren.

Nationaltrainer ist der Spanier Julen Lopetegui. Bei der WM 2018 sollte er eigentlich die spanische Nationalmannschaft trainieren, wurde jedoch zwei Tage vor dem ersten Spiel entlassen. Grund für die Entlassung war, dass bekannt geworden war, dass Lopetegui nach dem Turnier zu Real Madrid wechseln würde, worüber er den spanischen Verband nicht vorab informiert hatte. Nun darf er doch noch eine WM als Trainer erleben, allerdings mit völlig anderen Vorzeichen.

Die meisten katarischen Nationalspieler spielen in der heimischen Liga und sind daher ein deutlich niedrigeres Niveau gewohnt als Mannschaften, deren Spieler in den europäischen Top-Ligen spielen. Kapitän und Rekordnationalspieler ist Hasan Al-Haydos vom katarischen Meister Al-Sadd SC. Al-Haydos absolvierte bisher 168 Länderspiele. Es dürfte wohl die letzte Chance für den 35-Jährigen sein, bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein. Größter Hoffnungsträger dürfte aber der Linksaußen Akram Afif sein, der ebenfalls für Al-Sadd spielt und in der vergangenen Saison wettbewerbsübergreifend an 36 Toren beteiligt war.

Ins Eröffnungsspiel gegen die Schweiz ging Katar als krasser Außenseiter, konnte dann jedoch in der 94. Minute den Ausgleich erzielen und sich so überraschend einen Punkt sichern. Da Kanada gegen Bosnien-Herzegowina ebenfalls Unentschieden spielte und auch nicht als große Fußballnation gilt, ist es nun durchaus möglich, dass Katar überraschend der Einzug ins Sechzehntelfinale gelingt.

Usbekistan

FIFA-Weltrangliste: 50. Platz

Usbekistan ist eine ehemalige Sowjetrepublik in Zentralasien und das erste Land in dieser Region, das an einer WM-Endrunde teilnimmt.

In der usbekischen Mannschaft stechen wenige Namen heraus. Mittelstürmer Eldor Shomurodov vom Istanbuler Klub Basaksehir ist mit 44 Treffern in 92 Länderspielen Rekordtorschütze des zentralasiatischen Landes. Bei der WM wird er nicht nur aufgrund seiner Qualitäten als Torjäger, sondern auch aufgrund seiner Führungsrolle als Kapitän entscheidend für den Erfolg der usbekischen Mannschaft sein.

Abdukodir Khusanov ist der mit Abstand wertvollste Spieler im Kader (Marktwert laut transfermarkt.de: 50 Mio. Euro). Der 22-jährige Innenverteidiger spielt bei Manchester City und hat, gemessen an seinem Alter, schon viel Länderspielerfahrung. 27 Spiele bestritt er für die A-Nationalmannschaft, zudem stand er 2024 im Kader für die Olympischen Spiele und stand dort in allen drei Gruppenspielen auf dem Platz.

Fun Fact: Auch der deutsche Innenverteidiger Waldemar Anton hat die usbekische Staatsbürgerschaft, hat sich aber entschieden, für Deutschland zu spielen.

Der größte Star der usbekischen Mannschaft ist ihr Trainer, denn der hat als einziger nicht nur schon einmal an einer Weltmeisterschaft teilgenommen, sondern sogar den WM-Pokal in die Höhe gereckt: Fabio Cannavaro führte 2006 die italienische Mannschaft zum Triumph. Als Trainer hat er noch keine großen Erfolge vorzuweisen, ist jedoch schon viel rumgekommen: Er trainierte Mannschaften in Italien, Kroatien, China und Saudi-Arabien.

Usbekistan trifft in Gruppe K auf Portugal, Kolumbien und DR Kongo. Die zuvor vorgestellte kongolesische Mannschaft erscheint hier als „machbarster“ Gegner. Auch hier gilt: Ein Sieg könnte schon reichen, um das Sechzehntelfinale zu erreichen. Diese Aussicht allein dürfte den Usbeken und allen anderen Außenseitern Mut machen. Jedes dieser Teams wird den Anspruch haben, nicht einfach nur dabei zu sein, sondern sich möglichst gut zu präsentieren.

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