-
Der innere Erdkern ist wohl kein gleichmäßiger Klumpen
Der innerste Teil der Erde liegt fast 6.400 Kilometer unter unseren Füßen. Niemand kann ihn direkt sehen oder anfassen. Alles, was wir über ihn wissen, stammt aus indirekten Messungen – vor allem aus der Beobachtung von Erdbebenwellen. Und genau diese Wellen geben Forschenden seit Jahren Rätsel auf. Bestimmte Erdbebenwellen bewegen sich im inneren Erdkern je nach Richtung unterschiedlich schnell. Entlang der Erdachse sind sie einige Prozent schneller als in der Querrichtung. Außerdem verhalten sich die Wellen im innersten Bereich des inneren Kerns anders als weiter außen. Das deutet darauf hin, dass dieser Teil der Erde nicht überall gleich aufgebaut ist.
-
Was Mumien über den Alltag der Antike erzählen
Altgriechische Texte, die fast 2.300 Jahre alt sind, lagen jahrzehntelang unbeachtet in Archivkisten in Kalifornien. Nun sollen sie systematisch erschlossen werden. Möglich macht das ein neues Langzeitprojekt im Akademienprogramm der deutschen Wissenschaftsakademien, an dem die Universitäten Köln und Münster beteiligt sind. Der Schwerpunkt liegt auf klassischer Altertumsforschung – unterstützt durch digitale Methoden. Im Zentrum stehen rund 20.000 Papyrusfragmente aus dem antiken Tebtynis, einer Stadt im heutigen Ägypten. Tebtynis war in der hellenistischen Zeit ein wichtiges religiöses Zentrum, insbesondere für den Kult des Krokodilgottes Sobek. Die Papyri wurden um 1900 bei archäologischen Ausgrabungen entdeckt. Ursprünglich dienten sie ganz alltäglichen Zwecken: Sie enthalten Literatur, Verwaltungsakten, private Briefe, Verträge, Steuerquittungen und amtliche Berichte.…
-
Jugendkriminalität: Der große Rückgang – trotz gegenteiliger Wahrnehmung
Jugendkriminalität gilt in der öffentlichen Debatte oft als wachsendes Problem. Schlagzeilen, soziale Medien und Einzelfälle erzeugen den Eindruck, junge Menschen würden immer früher und immer häufiger straffällig. Die empirische Forschung zeichnet jedoch seit Jahren ein deutlich anderes Bild. In zahlreichen Industrienationen ist die Jugendkriminalität seit den 1990er Jahren stark zurückgegangen. Das zeigen Auswertungen des Kriminologen Dietrich Oberwittler vom Max-Planck-Institut zur Erforschung von Kriminalität, Sicherheit und Recht und seines Kollegen Robert Svensson von der Universität Malmö. Die Forscher werteten dafür eine große Zahl internationaler Studien aus – darunter offizielle Polizeistatistiken ebenso wie sogenannte Dunkelfeldbefragungen, in denen Jugendliche anonym über eigenes Verhalten berichten. Hinzu kamen Daten einer seit 2002 laufenden internationalen Schulbefragung…
-
Überraschender Mond: Vulkane bringen das Chlor
Chlor ist nicht nur im Schwimmbad wichtig – sondern auch auf dem Mond. Eine neue Studie unter Einbezug der Uni Münster zeigt: Die Gesteine auf der erdzugewandten Seite des Mondes enthalten deutlich mehr Chlor als erwartet. Offenbar haben urzeitliche Vulkane große Mengen an chlorhaltigen Gasen ausgestoßen und damit die Mondkruste chemisch verändert. Ein internationales Team unter Leitung der Universität Münster hat das nun erstmals im Labor nachgestellt. So konnten sie zeigen, wie sich das Element unter den extremen Bedingungen auf dem Mond verteilt. Besonders spannend: Bestimmte Regionen, wie das sogenannte KREEP-Gebiet, zeigen keine Chloranreicherung – sie könnten also noch ursprüngliches Material aus der Entstehungszeit des Mondes enthalten. Die neuen Erkenntnisse…
-
CO₂ aus der Luft – aber bitte mit Plan
Es mag trivial klingen – aber genau deshalb ist es wichtig. Wissenschaft ist nicht dazu da, nur steile Thesen zu überprüfen, sondern auch solche, die völlig logisch erscheinen. Denn manchmal ist das Offensichtliche eben doch nicht richtig. Genau das zeigt eine neue Studie des Forschungszentrums Jülich zur Technik der Direct Air Capture (DAC). Dabei wird CO₂ direkt aus der Luft gefiltert und gespeichert – ein Baustein, um Restemissionen auszugleichen. Doch: Ob sich das lohnt, hängt stark vom Standort ab. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und lokale Wind- und Solarenergie entscheiden darüber, wie viel Energie die Anlage braucht – und wie teuer sie arbeitet. Die Spannbreite reicht von 200 bis über 1000 Euro pro…
-
Spinwellen: Baustein für grüne KI-Technik
Ein Forschungsteam der Universitäten Münster und Heidelberg hat verlustarme Spinwellenleiter hergestellt, die sich gezielt steuern lassen. Ein Spinwellenleiter ist eine Struktur in einem magnetischen Material, in der wellenartige Veränderungen der Elektronen-Spins – sogenannte Spinwellen – gezielt geleitet und gesteuert werden können. Damit gelang erstmals ein großes Netzwerk für die spinbasierte Informationsverarbeitung – ein möglicher Baustein für energieeffiziente KI-Hardware der Zukunft. Klingt jetzt nicht wirklich spannend, oder? Aber hier einmal vier Gründe, wieso das wichtig sein könnte: 1. Weniger Energieverbrauch: Spinwellen transportieren Informationen ohne Stromfluss. Dadurch entsteht kaum Wärme. Das spart Energie – besonders bei Anwendungen mit hohem Rechenbedarf, wie Künstlicher Intelligenz oder großen Servern.
-
Podcast: Suizidalität, Zwang und Diagnosen – Kinder- und Jugendpsychiatrie im Alltag
Was passiert, wenn ein Kind in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird? In einer neuen Folge des Podcasts Salziger Pudding sprechen Aline Strutz und Sebastian Bartoschek mit Dr. Jan Oude-Aost, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, über den Alltag in der stationären Versorgung. Themen sind unter anderem Suizidalität bei Kindern, Wege in die Klinik, Abläufe auf geschlossenen Stationen und die Frage, wann Medikamente oder Fixierungen überhaupt zum Einsatz kommen. Oude-Aost erläutert, unter welchen Bedingungen eine Einweisung erfolgt, welche Rolle richterliche Beschlüsse spielen und wie lange Kinder und Jugendliche durchschnittlich in der Klinik bleiben. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Spannungsfeld zwischen medizinischer Einschätzung, familiärem Umfeld und rechtlicher Einordnung. Was bedeutet…
-
Was uns versorgt – und was das über uns sagt
Stromnetze, Wasserleitungen, Verkehrswege – Infrastrukturen versorgen uns. Aber sie zeigen auch, was eine Gesellschaft für lebensnotwendig hält. Eine neue Forschungsgruppe an der Ruhr-Universität Bochum will genau das untersuchen: Wie Infrastrukturen Vorstellungen vom guten Leben prägen, wer versorgt wird – und wer nicht. Unter Leitung von Prof. Dr. Jörn Etzold (Theaterwissenschaft) rücken dabei nicht nur technische, sondern auch ästhetische und gesellschaftliche Fragen in den Fokus. Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft ab Oktober 2025, vereint das Projekt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus sechs Ländern. Gemeinsam erforschen sie die historischen und gegenwärtigen Spuren kolonialer, industrieller und extraktiver Infrastrukturen – und fragen, wie man sie sichtbar machen kann.
-
Wie legal ist Esoterik-Werbung?
Heute Abend, am 10. Juli findet im Herbrand’s in Köln-Ehrenfeld ein Vortrag der Veranstaltungsreihe „Skeptics in the Pub Köln” statt. “Skeptics in the Pub” ist eine britische Kneipen-Edutainment-Idee. In Köln ist der erste deutsche Ableger dieser britischen Idee. Das Besondere: Die Atmosphäre! Beim Vortrag kann getrunken und gegessen werden. Nicht das übliche bei einem wissenschaftlichen Vortrag, aber genau das ist die Zielsetzung von Skeptics in the Pub Köln. Wissenschaft aus den Vorlesungssälen zu holen und für jeden verfügbar und leicht zugänglich zu machen. Auch bei einem Feierabendbier am Donnerstagabend. Veranstaltet wird die Reihe von Kölner Skeptiker*innen. Den Vortrag hält Richter Ralf Neugebauer. Er ist seit 2007 Richter am Oberlandesgericht Düsseldorf und dort in dem unter anderem für irreführende…
-
„Die Hemmschwelle zur digitalen Hassrede scheint niedriger zu sein“
Dr. Jana Büchter hat in ihrer juristischen Dissertation an der Universität Münster erforscht, ob das bestehende Strafrecht dem Phänomen „Hate Speech“ im Internet inhaltlich und hinsichtlich der Strafzumessung gerecht wird. Die Antwort, die die Rechtsanwältin in ihrer Arbeit gibt, ist: Ja, die bestehenden Gesetze reichen auch in der digitalen Welt aus. Im Interview mit Hanna Dieckmann weist sie darauf hin, warum es bei Teilaspekten wie der erschwerten Strafverfolgung dennoch wichtig ist, achtsam zu sein und gegebenenfalls nachzuschärfen. Wie wird das Phänomen „Hate Speech“ im Internet aktuell juristisch eingeordnet?,Hate Speech‘ ist kein eigener Straftatbestand im deutschen Recht. Stattdessen können solche Äußerungen – je nach Inhalt – unter bestehende Tatbestände wie Beleidigung, Verleumdung oder Volksverhetzung…


























