Wissen
-
Liminal Spaces: Warum uns leere Übergangsräume so unheimlich vorkommen
Da ist erst dieses Bild aus der U-Bahn. Ein geschlossener Shop, grün gekachelte Wand, Anzeigetafel, alles geschniegelt, alles da, wo es hingehört. Und trotzdem kippt der Ort ins Seltsame. Nicht, weil etwas passiert. Sondern wegen des Gegenteils: ein Raum, der eigentlich für Bewegung gebaut ist, wirkt plötzlich wie eingefroren. Genau darin steckt schon fast alles, worum es bei „Liminal Spaces“ geht: Orte des Dazwischen, die normal aussehen und gerade deshalb falsch wirken. Der Begriff klingt nach akademischem Seminar, und ganz falsch ist das nicht. „Liminal“ kommt vom lateinischen limen, also Schwelle. Der französische Ethnologe Arnold van Gennep beschrieb 1909 Übergänge im Leben als Abfolge von Trennung, Schwelle und Wiedereingliederung.…
-
KI: Google verändert Überschriften – und verkauft das als Service
Google testet derzeit eine Funktion, bei der journalistische Überschriften in den Suchergebnissen per KI umformuliert werden. Reporter ohne Grenzen, kurz RSF, warnt vor einem Angriff auf die redaktionelle Freiheit. RSF ist die internationale Organisation Reporters sans frontières, die sich weltweit für Pressefreiheit einsetzt. Die Kritik ist nachvollziehbar: Eine Überschrift ist im Journalismus nicht bloß ein Etikett. Sie setzt den Ton, verdichtet den Inhalt und entscheidet oft darüber, wie ein Text verstanden wird. Genau deshalb ist es problematisch, wenn ausgerechnet die Plattform, über die viele Menschen Nachrichten überhaupt erst finden, diese Überschriften nachträglich verändert. Laut RSF geht es dabei nicht nur um Kürzungen. Die KI verschiebt teils auch den Sinn. Aus…
-
Satelliten zeigen: So unruhig sind wir wirklich
Nachts wirkt die Erde aus dem All wie ein gleichmäßig heller Planet. Doch das stimmt nicht. Forscher der University of Connecticut, der NASA und der Ruhr-Universität Bochum haben erstmals tägliche Satellitendaten ausgewertet. Ihr Ergebnis: Unser nächtliches Licht ist alles andere als stabil. Es flackert, schwankt und verändert sich ständig. Im Schnitt wird die Erde zwar jedes Jahr etwas heller – etwa zwei Prozent. Doch dieser Wert täuscht. In vielen Regionen nimmt das Licht stark zu, in anderen geht es deutlich zurück. In helleren Gebieten stiegen die Werte um rund ein Drittel, anderswo sanken sie fast genauso stark. Am Ende bleibt nur ein kleines Plus – aber dahinter stecken große Unterschiede.…
-
Narzissmus ist zur Hälfte Gene – und kaum Familie
Die Vorstellung ist beliebt: Narzisstische Persönlichkeiten entstehen vor allem durch falsche Erziehung. Zu viel Lob, zu wenig Grenzen, problematische Eltern. Eine neue Studie aus Münster und Bielefeld stellt genau das infrage – und verschiebt die Verantwortung deutlich. Die zentrale Botschaft: Narzissmus häuft sich zwar in Familien. Aber nicht primär wegen des gemeinsamen Umfelds, sondern wegen gemeinsamer Gene.
-
Warum dein Gehirn ständig Zukunft spielt – und dich dabei belohnt
Ständig einen Schritt voraus sein – für manche ist das Alltag, für andere anstrengend. Eine neue Theorie des Bochumer Psychologen Ekrem Dere liefert jetzt eine überraschend simple Erklärung: Wer oft in Gedanken in die Zukunft reist, wird dafür vom eigenen Gehirn belohnt. Und macht es deshalb immer wieder. Die Idee klingt zunächst banal, ist aber weitreichend. Zukunftssimulation – also das gedankliche Durchspielen möglicher Szenarien – hilft, Entscheidungen vorzubereiten und Stress zu reduzieren. Wer sich vorstellt, wie ein Gespräch laufen könnte oder welche Folgen eine Entscheidung hat, verschafft sich einen Vorsprung. Doch warum investieren Menschen Zeit in diese anspruchsvolle Denkleistung, obwohl sie keine Garantie auf Erfolg bietet?
-
Straße von Hormus: versenkt Trump deutsche Schiffe?
Es gibt dieses alte journalistische Gesetz – „Betteridge’s Law“ –, nach dem eine Frage in einer Überschrift stets mit Nein beantwortet werden sollte. Und genau das hoffen wir hier auch. Nur: Wir sind inzwischen an einem Punkt der Weltgeschichte angekommen, an dem man sagen muss – nichts Genaues weiß man nicht. Und völlig aus den Latschen würde es einen auch nicht mehr hauen, wenn Trump aus reiner Trumpigkeit deutsche Schiffe beschießen ließe und das anschließend mit dem Versenken der Bismarck vergleichen würde.
-
Optische Tornados: Licht kann wirbeln
Forscher der Universität Warszawa haben gemeinsam mit internationalen Partnern sogenannte „optische Tornados“ erzeugt. Dabei handelt es sich um Lichtstrukturen, die innerhalb sehr kleiner Bauteile eine rotierende Bewegung ausbilden. Im Gegensatz zur üblichen Vorstellung breitet sich Licht hier nicht einfach geradlinig aus. Durch gezielte Strukturierung in speziellen Materialien entstehen komplexe Felder, in denen sich das Licht wirbelartig organisiert. Diese Effekte treten auf mikroskopischer Ebene auf und lassen sich technisch kontrollieren. Die Ergebnisse eröffnen neue Möglichkeiten für die Photonik. Insbesondere in der optischen Kommunikation könnten solche strukturierten Lichtformen genutzt werden, um Informationen effizienter zu übertragen. Auch für Anwendungen in der Quantentechnologie sind sie relevant, da sich damit Lichtzustände präziser steuern lassen. Langfristig…
-
Wie Tiere die Schrift erfanden – oder so ähnlich
Schrift gilt als große Erfindung der Menschheit. Tatsächlich war sie eher ein langsamer Bastelprozess – und begann möglicherweise mit Tierlauten. Darauf weist ein neues Buch des Ägyptologen Ludwig Morenz von der Universität Bonn hin. Die ägyptische Schrift entstand demnach nicht plötzlich, sondern entwickelte sich über Jahrhunderte hinweg. Ausgangspunkt waren einfache Lösungen für konkrete Probleme, etwa Namen festzuhalten.
-
Was Krebs wirklich tödlich macht
Rund 90 Prozent der Krebspatienten sterben nicht am ursprünglichen Tumor, sondern an Metastasen – also an Zellen, die sich vom Ursprungsort lösen, durch den Körper wandern und neue Tumore bilden. Wie genau dieser Prozess funktioniert, ist bis heute nur bruchstückhaft verstanden. Genau hier setzt eine neue Studie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf an, veröffentlicht in Nature Communications. Das Team hat Hinweise darauf gefunden, dass Krebszellen nicht zufällig streuen. Sie werden gesteuert. Konkret identifizierten die Forschenden Signalmoleküle, sogenannte Netrine, sowie den Rezeptor DCC. Gemeinsam scheinen sie zu entscheiden, wann sich Zellen aus dem Tumor lösen – und wohin sie sich bewegen.
-
Was kann KI bei psychischen Problemen?
Künstliche Intelligenz verspricht Hilfe bei psychische Erkrankungen. Was der Staat dem Einzelnen vorenthält, soll die KI richten. Doch was leisten Chatbots, Apps und Smartwatches tatsächlich – und wo liegen ihre Grenzen? Darauf weisen Forschende der Max-Planck-Gesellschaft in aktuellen Mitteilungen hin. In Deutschland leidet etwa jeder vierte Erwachsene im Laufe eines Jahres an einer psychischen Störung. Gleichzeitig vergehen im Schnitt mehrere Monate, bis eine Psychotherapie beginnt. Genau hier setzen digitale Angebote an: Sie sollen Wartezeiten überbrücken, den Alltag strukturieren und Menschen zwischen Therapiesitzungen begleiten.





















