Wissen
-
Den Kompass in der Leber: Wie Tauben das Magnetfeld der Erde spüren
Manchmal ist die Natur so elegant, dass sie wie Unsinn klingt. Tauben, diese unterschätzten Stadtbewohner mit Krümelblick und erstaunlichem Heimweginstinkt, könnten einen ihrer wichtigsten Navigationssensoren nicht im Gehirn, nicht im Auge und nicht im Schnabel tragen. Sondern in der Leber. Ein Forschungsteam der Max-Planck-Gesellschaft, der Universität Bonn, des Universitätsklinikums Bonn und der Universität Duisburg-Essen berichtet in Science von einem überraschenden Mechanismus: Brieftauben besitzen in der Leber eisenreiche Immunzellen, sogenannte Makrophagen. Diese Zellen könnten auf das Erdmagnetfeld reagieren und den Tieren helfen, ihren Weg nach Hause zu finden. Dass Vögel das Magnetfeld der Erde nutzen können, ist seit Jahrzehnten bekannt. Aber die entscheidende Frage blieb offen: Wo sitzt dieser Sinn? Lange…
-
Auch hier wurden Bücher verbrannt – Führung und Lesung in Dortmund
Die Erforschung und Dokumentation von Orten innerhalb Deutschlands, an denen Bücher im Jahr 1933 von Nationalsozialistinnen und Nationalsozialisten verbrannt wurden, macht sich das Projekt „Verbrannte Orte: Orte der nationalsozialistischen Bücherverbrennungen“ zur Aufgabe. Im Mittelpunkt stehen dabei gerade jene Orte, die – anders als die heute weithin bekannte nationalsozialistisch inszenierte Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz (heute Bebelplatz) – oftmals aus dem öffentlichen Gedächtnis verschwunden sind. von unserer Gastautorin Charlotte Lenger. Auch Dortmund, Bochum und Essen gehören zu den über 160 Orten, die bislang verzeichnet werden können. So heißt es auf der Website: „Das Projekt soll Unsichtbares sichtbar machen und damit eine für alle zugängliche Informationsplattform zu den…
-
Wer ist Skeptix? In Dortmund kann man es erfahren!
Wer Skeptix nicht nur aus dem Netz kennen will, hat im Juni gleich mehrere Gelegenheiten dazu. Die Regionalgruppe Ruhrpott ist an vier Samstagen mit einem Info-Stand in Dortmund vertreten. Skeptix ist ein skeptischer Verein, der sich für Wissenschaft, kritisches Denken und Aufklärung starkmacht – gegen Esoterik, Verschwörungsdenken und pseudowissenschaftliche Behauptungen. Los geht es am 30. Mai in der Katharinenstraße. Weitere Termine folgen am 6. Juni an der Reinoldikirche, am 20. Juni auf dem Platz von Leeds und am 27. Juni erneut an der Reinoldikirche. Der Stand ist jeweils von 12 bis 16 Uhr besetzt. Wer also im Ruhrpott unterwegs ist und wissen möchte, wer hinter Skeptix steckt: Dortmund bietet jetzt…
-
KI lernt jetzt von künstlichen Daten – und nicht vom Menschen
Es geht um KI, es folgt eine Einstiegsanalogie. Jürgen ist ein Schüler, der sehr viele Bücher gelesen hat. Seine Aufsätze sind gut, weil sie sich an dem orientieren, was er kennt. Das ist das, was Lehrer und Schule erwarten, eine hinreichende Reproduktion alten Wissens. Irgendwann bekommt er keine neuen Bücher mehr, sondern soll nur noch aus seinen eigenen Texten lernen. Anfangs funktioniert das noch. Doch mit der Zeit werden seine Texte glatter, ähnlicher, vorhersehbarer. Er wiederholt sich, verliert Details, wird „durchschnittlicher“. Genau in diese Richtung entwickelt sich ein Teil moderner KI.
-
ME/CFS – Ein Gesicht, viele Krankheiten
Was ist ME/CFS? Eine schreckliche Krankheit. Ein schreckliches Syndrom. Hinter einem Syndrom können sich mehrere Krankheiten verbergen. Ist ME/CFS eine schreckliche Krankheit oder mehrere schreckliche Krankheiten? Wir wissen es nicht. Noch nicht. Was wir wissen, ist, dass es eine körperliche Erkrankung ist, keine psychische. Doch woher wissen wir das? Diese Frage interessiert mich und ich lade dazu ein, mich bei der Beantwortung zu begleiten. ME/CFS wurde nicht entdeckt, ME/CFS wurde definiert. Das ist wichtig, weil wir uns in diesem Text noch weitere Syndrome anschauen die wie ME/CFS aussahen. Doch sie waren es nicht. ME/CFS gibt es in seiner aktuellen Form erst seit 2015. Zu dem Zeitpunkt wurde die Symptomkonstellationen, die…
-
KI baut sich ihr eigenes Bild von der Welt
An der Universität Bonn startet eine neue Forschungsgruppe, die Künstlicher Intelligenz ein umfassenderes Verständnis von Orten vermitteln soll. Der Informatiker Marc Rußwurm entwickelt Methoden, mit denen sich unterschiedliche Geodaten zusammenführen und gemeinsam auswerten lassen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Projekt über das Emmy-Noether-Programm. Geodaten liegen heute fragmentiert vor: Satellitenbilder, Karten, Klimadaten oder Höhenmodelle unterscheiden sich in Struktur, Auflösung und Format. Eine gemeinsame Auswertung ist aufwendig. Genau hier setzt die Forschung an. Ziel ist es, diese Daten so zu verbinden, dass KI-Systeme daraus ein konsistentes Gesamtbild ableiten können.
-
KI liest Zahlen aus Studien – Jülicher System automatisiert Datenauswertung
orschende des Forschungszentrums Jülich haben ein KI-System entwickelt, das quantitative Daten aus wissenschaftlichen Texten automatisch extrahiert und strukturiert aufbereitet. Das Framework mit dem Namen Quinex („Quantitative Information Extraction“) soll die Auswertung großer Mengen wissenschaftlicher Literatur erleichtern. Wissenschaftliche Publikationen enthalten zahlreiche Zahlenwerte, etwa zu Wirkungsgraden, Kosten oder Messdaten. Diese Informationen sind häufig im Fließtext eingebettet und bislang nur mit erheblichem Aufwand manuell zugänglich. Quinex setzt an diesem Punkt an: Das System identifiziert Zahlen in Texten, ordnet ihnen passende Einheiten zu und erkennt den jeweiligen Kontext, etwa was gemessen wurde sowie wann, wo und unter welchen Bedingungen.
-
Liminal Spaces: Warum uns leere Übergangsräume so unheimlich vorkommen
Da ist erst dieses Bild aus der U-Bahn. Ein geschlossener Shop, grün gekachelte Wand, Anzeigetafel, alles geschniegelt, alles da, wo es hingehört. Und trotzdem kippt der Ort ins Seltsame. Nicht, weil etwas passiert. Sondern wegen des Gegenteils: ein Raum, der eigentlich für Bewegung gebaut ist, wirkt plötzlich wie eingefroren. Genau darin steckt schon fast alles, worum es bei „Liminal Spaces“ geht: Orte des Dazwischen, die normal aussehen und gerade deshalb falsch wirken. Der Begriff klingt nach akademischem Seminar, und ganz falsch ist das nicht. „Liminal“ kommt vom lateinischen limen, also Schwelle. Der französische Ethnologe Arnold van Gennep beschrieb 1909 Übergänge im Leben als Abfolge von Trennung, Schwelle und Wiedereingliederung.…
-
KI: Google verändert Überschriften – und verkauft das als Service
Google testet derzeit eine Funktion, bei der journalistische Überschriften in den Suchergebnissen per KI umformuliert werden. Reporter ohne Grenzen, kurz RSF, warnt vor einem Angriff auf die redaktionelle Freiheit. RSF ist die internationale Organisation Reporters sans frontières, die sich weltweit für Pressefreiheit einsetzt. Die Kritik ist nachvollziehbar: Eine Überschrift ist im Journalismus nicht bloß ein Etikett. Sie setzt den Ton, verdichtet den Inhalt und entscheidet oft darüber, wie ein Text verstanden wird. Genau deshalb ist es problematisch, wenn ausgerechnet die Plattform, über die viele Menschen Nachrichten überhaupt erst finden, diese Überschriften nachträglich verändert. Laut RSF geht es dabei nicht nur um Kürzungen. Die KI verschiebt teils auch den Sinn. Aus…
-
Satelliten zeigen: So unruhig sind wir wirklich
Nachts wirkt die Erde aus dem All wie ein gleichmäßig heller Planet. Doch das stimmt nicht. Forscher der University of Connecticut, der NASA und der Ruhr-Universität Bochum haben erstmals tägliche Satellitendaten ausgewertet. Ihr Ergebnis: Unser nächtliches Licht ist alles andere als stabil. Es flackert, schwankt und verändert sich ständig. Im Schnitt wird die Erde zwar jedes Jahr etwas heller – etwa zwei Prozent. Doch dieser Wert täuscht. In vielen Regionen nimmt das Licht stark zu, in anderen geht es deutlich zurück. In helleren Gebieten stiegen die Werte um rund ein Drittel, anderswo sanken sie fast genauso stark. Am Ende bleibt nur ein kleines Plus – aber dahinter stecken große Unterschiede.…




























